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Naturdenkmal von nationaler Bedeutung
Lokales 3 Min. 24.04.2013 Aus unserem online-Archiv

Naturdenkmal von nationaler Bedeutung

Naturdenkmal von nationaler Bedeutung

Lokales 3 Min. 24.04.2013 Aus unserem online-Archiv

Naturdenkmal von nationaler Bedeutung

Die Wälder hinter Schloss Birtringen, zwischen Ettelbrück und Colmar-Berg gelegen, beheimaten eine sehr beachtenswerte Rothirschpopulation. Der Besitzerin von Schloss Birtringen ist es gelungen, durch Schaffung von Ruhezonen und durch eine zurückhaltende Bejagung ein bis weit über die Grenzen unseres Landes hinaus bekanntes Naturschauspiel zu erhalten.

Die Wälder hinter Schloss Birtringen, zwischen Ettelbrück und Colmar-Berg gelegen, beheimaten eine sehr beachtenswerte Rothirschpopulation. Der Besitzerin von Schloss Birtringen ist es gelungen, durch Schaffung von Ruhezonen und durch eine zurückhaltende Bejagung ein bis weit über die Grenzen unseres Landes hinaus bekanntes Naturschauspiel zu erhalten. Die Rothirsche von Schloss Birtringen sind tagaktiv und können das ganze Jahr über in freier Wildbahn beobachtet werden. Viele Einwohner von Welsdorf und Schieren berichten jedes Jahr über Hirschkühe, die ihre Kälber, nicht einmal hundert Meter von ihren Häusern entfernt säugen und großziehen. Im Herbst, während der Brunft, beteiligen sich Jahr für Jahr Dutzende Hirsche an den wochenlangen Rangkämpfen. Die Einwohner aus der Umgebung können die Brunftrufe Tag und Nacht bis in ihre Wohnungen hören.

Leider muss man diesen einmaligen Bestand jetzt als gefährdet einstufen. Die Naturverwaltung verlangt, dass in sogenannten Rotwildkerngebieten die Populationen drastisch gesenkt werden. Durch den verordneten erhöhten Abschuss ist die Gefahr groß, dass die Sozialstruktur des Rotwildrudels von Birtringen zerstört wird. So wird bei Verlust des Leittieres ein führungsloses Rudel auseinandergetrieben und nachdem es sich über Generationen aufgebaut hat, innerhalb weniger Tage komplett zerstört. Weshalb gibt es, was die Bedeutung der Rotwildpräsenz in Luxemburg anbelangt, eine derart große Uneinigkeit? Seit es Menschen gibt, hat unser größtes Säugetier die Gemüter erhitzt. Die Menschen der Steinzeit schufen von ihm beeindruckende Höhlenmalereien, die Adligen des Mittelalters machten ihn zum Symbol des Adels, die Christen erwählten ihn zum häufigsten Begleiter ihrer Heiligen (Hubertus, Ägidus, Blasius und andere). Im zwanzigsten Jahrhundert standen sich kompromisslose Trophäenjäger ebenso kompromisslosen Ausrottungsbefürwortern gegenüber. Welcher Platz soll dem Rothirsch im Luxemburg des 21. Jahrhunderts zugewiesen werden? Sollen wir wirklich zulassen, dass er stellvertretend für Missstände der vergangenen Jahrhunderte geopfert, ausgerottet wird?

Wer die Schaden-Nutzen-Situation des Rotwildbestandes von Birtringen nüchtern betrachtet, muss natürlich auch den Verbiss auf land- und forstwirtschaftlichen Flächen thematisieren. Nur darf man eben nicht vergessen, dass der Rothirsch unserem Land ein Kleinod an lebendiger Kultur bietet. Ich scheue in der Tat nicht davor zurück, den komplexen tagaktiven Bestand des Symboltieres des Kulturjahres 2007 als „Musée vivant“ zu bezeichnen, zugänglich für die ganze Bevölkerung.

Was können wir tun, um das Hirschrudel Birtringens vor dem Untergang zu bewahren. Der erste Schritt sollte ein Aufschrei in der Bevölkerung sein, da die Gefahr besteht, dass dieses „Musée vivant“ zerstört wird. Anschließend sollte die Naturverwaltung mit der Besitzerin eine Bestandsaufnahme der aktuellen Population durchführen und danach unter der Führung der Naturverwaltung, mit allen Nachbarrevieren einen Bewirtschaftungsplan ausarbeiten, der gewährleistet, dass das Rudel erhalten bleibt.

Die Zeiten, als wir die Tiere in „nützlich und schädlich“ aufteilten, die Zeiten, als Tiere als Konkurrenten des Menschen ausgerottet wurden, müssen definitiv vorüber sein. Ich zitiere zum Schluss unsern Umweltminister aus seinem Vorwort zum Buch: „Jagdbare Wildtierarten Luxemburgs“: „Der Mensch hat eingesehen, dass vermeintliche Konkurrenten von früher in Wahrheit ein Teil der Natur sind, ohne den diese noch weiter aus dem Gleichgewicht gebracht würde.“

Inzwischen ist es ein ökologischer Fakt, dass der Bioingenieur Rothirsch auf vielfältige Art und Weise, sogar durch seinen Verbiss, unersetzbare Dienste bei der Biodiversität leistet. Hoffentlich können wir ihm dabei noch lange zusehen.

Gast Jacobs, Welsdorf