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Natur versus Beton in Zolver
Lokales 4 Min. 20.03.2019 Aus unserem online-Archiv

Natur versus Beton in Zolver

Die Anwohner des Parks Fénkelbierg wehren sich dagegen, ihn für ein Bauprojekt zu opfern.

Natur versus Beton in Zolver

Die Anwohner des Parks Fénkelbierg wehren sich dagegen, ihn für ein Bauprojekt zu opfern.
claude piscitelli
Lokales 4 Min. 20.03.2019 Aus unserem online-Archiv

Natur versus Beton in Zolver

Anne Julie HEINTZ
Anne Julie HEINTZ
Der Park Fénkelbierg in Zolver sorgt für Unstimmigkeiten zwischen dem Schöffenrat und den Bürgern.

In der Gemeinde Sassenheim wird mit zahlreichen Wohnungsbauprojekten weiterhin auf Wachstum gesetzt. Die 17 300-Einwohner-Gemeinde ist laut Schöffe Marco Goelhausen eine der Kommunen Luxemburgs, die vom Staat auserwählt wurden, sich in den kommenden Jahren nach und nach zu einem Ballungsraum zu entwickeln. Laut Bürgermeister Georges Engel stehe man als Schöffenrat geschlossen hinter diesem Wachstum, man wolle es aber nicht um jeden Preis: „Wir wollen ein kontrolliertes Wachstum.


Rout Lëns - site Lentille Rouge Terres-Rouges - Esch-sur-Alzette - Foto : Pierre Matgé/Luxemburger Wort
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Wichtige Investitionen wurden in diesem Zusammenhang erst kürzlich in Schulen und Sportstätten getätigt. Es ist zudem unerlässlich, diesbezüglich neue Wohnbaugebiete zu schaffen. Diese sollen mit Naherholungsgebieten und Grünzonen kombiniert werden“, sagt er.  Nun wurde dem Schöffenrat aber jüngst vorgeworfen, genau diese Grünzonen in diesem Prozess zu vernachlässigen.

Park soll Bauprojekt weichen

Die Rede ist vom knapp 40 Jahre alten Park Fénkelbierg in Zolver, nahe der Wohnsiedlung 2000. Der rund drei Hektar große Park ist für die Anwohner rund um die Grünoase ein Rückzugs- und Ruheort. Der neue allgemeine Bebauungsplan (PAG) der Gemeinde sieht aber vor, dass dieser Park einem Wohnbauprojekt weichen soll. Die endgültige Abstimmung im Gemeinderat zum PAG im Januar machte dies geltend. Fünf Ratsmitglieder mussten damals den Tisch verlassen (das LW berichtete). Bereits im April 2018 war der allgemeine Bebauungsplan in erster Lesung vom Gemeinderat angenommen worden.

Für Paolo Pantaleoni, der seit 33 Jahren beim Park wohnt, und viele weitere Anwohner dort ist diese Entscheidung zum Teil untragbar. Nicht etwa weil sie prinzipiell etwas gegen eine Nahverdichtung haben, sondern weil dieser grüne Fleck an dieser Stelle unersetzbar für sie ist. „Diese Grünfläche ist nicht kompensierbar für uns. Wir setzen uns dafür ein, dass sie als letzter Rückzugsort hier im Viertel erhalten bleibt und sind gegen eine Zerstörung der Natur“, sagt Pantaleoni. 118 Unterschriften hat er zusammengetragen, um sich gegen das Bauprojekt genannt Roetschgruendchen aufzulehnen. Die Unterschriftensammlung wurde zusammen mit einem Informationsschreiben im Januar an die Gemeinde weitergereicht.

Diese Tafel erinnert vor Ort an 
die Ursprünge des Parks.
Diese Tafel erinnert vor Ort an 
die Ursprünge des Parks.
Foto: Claude piscitelli

Zudem hat sich Paolo Pantaleoni unter Einhaltung der Frist zur Anpassung des kommunalen allgemeinen Bebauungsplans gleich nach der ersten Abstimmung im Gemeinderat, also im April 2018, beschwert. Kürzlich ging er noch einen Schritt weiter. „Ich habe einen ersten Brief als Privatperson an Innenministerin Taina Bofferding geschickt, einen zweiten im Namen aller Petenten folgte erst vor Kurzem. Wir hoffen jetzt auf eine Antwort“, unterstreicht der besorgte Bürger.

Kompensationsmaßnahmen


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Auch in der Presse hatte er sich Gehör verschafft. Der Sassenheimer Bürgermeister Georges Engel reagiert darauf. „Ich verstehe die Sorgen der Bürger. Nun ist es aber nicht so, als hätten wir uns im Vorfeld keine Gedanken über eine Kompensierung für den Park Fénkelbierg gemacht. Im Gegenteil. Es ist vorgesehen, hinter dem zukünftigen Wohnbauprojekt einen neuen Park anzulegen, der doppelt so groß ist wie der bestehende.

Dieser soll zudem eingerichtet werden, bevor der andere weichen muss. Auch haben wir eingeräumt, dass, so fern dies möglich ist, dort Bäume zu erhalten, sprich sie gegebenenfalls umzupflanzen. Das Wohnprojekt soll in seiner Bauform zudem an das bestehende Wohnviertel angepasst werden“, so Engel.

Das Grundstück gehöre zudem der Gemeinde und sei seit 1974 Baugebiet. Außerdem wolle man mit dem Projekt bezahlbaren Wohnraum schaffen. In Anbetracht der Lage des Parks biete es sich an, genau dort Wohneinheiten zu bauen. Schulen und kleine Einkaufsläden seien in direkter Umgebung auffindbar. Schöffe Marco Goelhausen fügt hinzu, dass es eine Baulücke sei, für die sich eine Wohnsiedlung nahezu anbiete. So oder so habe das Projekt in Anbettracht der vielen zukünftigen Projekte in der Gemeinde aber vorerst keine Priorität. Voraussichtlich in mehreren Jahren erst soll das Projekt Realität werden.

In welcher Form, das sei dahin gestellt. „Nichts ist in Stein gemeißelt. Ohnehin haben wir infolge der Einwände, die nach der ersten Abstimmung im Gemeinderat eingereicht wurden, das ursprüngliche Projekt zum Teil überarbeitet. Die Baufläche wurde um ein Drittel verringert. Es gilt zudem daran zu erinnern, dass Anwohnern einer Straße, die entlang des Parks verläuft, die Möglichkeiten geboten wird, ihren Garten im Zusammenhang mit dem Projekt auszudehnen“, untermauert Engel.

Vollendete Tatsachen


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Für Paolo Pantaleoni stellt der geplante Ersatz für den Park keine wirkliche Alternative dar. Enttäuscht zeigt er sich auch über folgende Abmachung: „Die Gemeinde hatte bereits vor der provisorischen Abstimmung zum PAG eine Konvention mit einem Bauunternehmen abgeschlossen, die besagt, dass diese als Gegenleistung zu einem geplanten Projekt, das schlussendlich eine neue Bestimmung erhielt, beim Projekt Roetschgruendchen mitwirken darf. Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Kommunikation seitens der Gemeinde lässt in dieser Hinsicht zu wünschen übrig. Mir scheint, als seien Reklamationen zum PAG nur eine Formsache“, sagt Pantaleoni.

Auch der Mouvement écologique und die Lokalsektion von natur&ëmwelt haben sich eingeschaltet. In einer Informationsversammlung am Dienstagabend in der Schule Zolver 2000, zu der die Bewohner des besagten Viertels zahlreich erschienen waren, wurde über das Projekt debattiert. „Viele Fragen bleiben aber offen“, betont Pantaleoni.


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