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Ruhe im Revier
Lokales 3 Min. 14.05.2017 Aus unserem online-Archiv
Nationalkongress des Jägerverbands in Clerf

Ruhe im Revier

Die Neuordnung und -versteigerung der Jagdlose ist derzeit Reizthema innerhalb der Jägerschaft.
Nationalkongress des Jägerverbands in Clerf

Ruhe im Revier

Die Neuordnung und -versteigerung der Jagdlose ist derzeit Reizthema innerhalb der Jägerschaft.
Foto: John Lamberty
Lokales 3 Min. 14.05.2017 Aus unserem online-Archiv
Nationalkongress des Jägerverbands in Clerf

Ruhe im Revier

John LAMBERTY
John LAMBERTY
Nach der harschen Kritik ihres Ex-Präsidenten an der aktuellen FSHCL-Führung um Präsident Georges Jacobs stand dem Luxemburger Jägerverband am Sonntag in Clerf vermeintlich ein spannungsgeladener Kongress bevor. Statt Schüssen fielen dagegen aber Parolen der Einigkeit.

(jl) - Sorgte Staatsminister Xavier Bettel mit seinem unerwarteten Auftritt in Clerf auch für den Überraschungscoup bei der 14. Generalversammlung der „Fédération Saint-Hubert des chasseurs du Grand-Duché de Luxembourg“ (FSHCL), so hieß der sprichwörtliche Elefant im Raum am Sonntagmorgen doch Camille Studer.

Nachdem der frühere Vorsitzende des Jägerverbands am Samstag in einem Leserbrief scharfe Kritik am Führungsstil des aktuellen Präsidenten Georges Jacobs geübt und erklärt hatte, seinen Ehrenpräsidentschaftstitel ablegen zu wollen, musste man vor Kongressbeginn eine spannungsgeladene Tagung erwarten.

Jacobs ließ den Finger gestern jedoch ganz bewusst vom Abzug, um den Querschüssen aus den eigenen Reihen vielmehr ein Zeichen der Einigkeit entgegenzusetzen.

Ausgekontert
 und erfolgreich versenkt

Hatte Studer die Jägerschaft tags zuvor noch aufgefordert, ihrem FSHCL-Vorsitzenden mit stehendem Applaus dafür zu danken, dass er sie – insbesondere mit Blick auf die umstrittene Neueinteilung der Jagdlose – im Stich lasse, so konterte Jacobs diesen Appell am Sonntag geschickt aus, indem er das Publikum zum Abschluss seiner Rede um stehenden Beifall bat, wenn sie gemeinsam in einem geeinten Verband für die Ziele der Jäger eintreten wollten. Ein Aufruf, dem sich bis auf wenige Zuhörer denn auch der gesamte Saal anschloss.

FSHCL-Präsident Georges Jacobs und Staatssekretär Camille Gira betonten am Sonntag bewusst ihre gute Kooperation.
FSHCL-Präsident Georges Jacobs und Staatssekretär Camille Gira betonten am Sonntag bewusst ihre gute Kooperation.
Foto: John Lamberty

Die Sorgen vieler Jäger bezüglich der Neueinteilung und -versteigerung der Jagdlose ließ Georges Jacobs dagegen aber nicht unbeantwortet. 2021 sollen die zurzeit rund 600 Luxemburger Jagdlose auf Basis des Jagdgesetzes von 2011 und unter der Vorgabe einer Mindestgröße von 300 Hektar neu eingeteilt und versteigert werden, um klar ersichtliche und sinnvolle Grenzen und eine effizientere Verwaltung und Bejagung der Reviere zu erwirken.

Neuordnung der Jagdlose als Reizthema

So mancher Jagdpächter wähnt sein teils seit Jahrzehnten gepflegtes Jagdlos dabei allerdings in Gefahr, sei es durch die geringe Größe desselben oder den befürchteten Zugriff finanzkräftiger Konsortien aus dem Ausland, die sich zu reinen Prestigezwecken zweimal pro Jahr eine Treibjagd in der Fremde gönnen wollen, ohne sich aber standesgemäß der ganzjährigen Wildhege, der Wildschadensbegrenzung oder der Kooperation mit den Verpächtern zu widmen.

Im Namen der FSHCL forderte Jacobs gestern daher, dass den Jagdsyndikaten erlaubt werden müsse, im Zuge der öffentlichen Ausschreibung der Jagdlose dem in ihren Augen geeigneten Bieter den Zuschlag zu geben und der Höhe des Pachtgebots nur eine nachgeordnete Rolle zuzugestehen.

Ferner setze man sich in Zusammenarbeit mit der Naturverwaltung dafür ein, dass die Zahl der Jagdlose bei der Neueinteilung weitestmöglich erhalten bleibe, was jedoch die Solidarität der Pächter der großflächigen Jagdlose voraussetze.

"Gute Kooperation mit Behörden"

In Sachen Wildschadenszahlungen forderte der FSHCL-Präsident derweil eine gesamtgesellschaftliche Verantwortlichkeit ein, insofern die Jäger ihrer Aufgabe zur Begrenzung der Wildschäden nachkämen und diese von heimische Tieren verursacht würden, die alle Bürger in unseren Wäldern sehen wollten.

In diesem Zusammenhang sprach sich Jacobs zudem für Managementpläne für alle Wildarten in Luxemburg aus, statt nur für Biber oder Wolf.

Rückendeckung für die offenbar recht gute Kooperation mit dem Nachhaltigkeitsministerium und den Behörden – ein Fakt, der laut Jacobs wohl manchem Kritiker ein Dorn im Auge sei – gab es am Sonntag erwartungsgemäß von Staatssekretär Camille Gira.

Trotz der legitimen Vertretung ihrer Interessen erkenne die FSHCL mittlerweile auch die Rolle anderer Akteure in Wald und Flur an. Eine unerlässliche Voraussetzung zur Anstrebung von Kompromissen. In diesem Sinne lobte Gira denn auch einen angekündigten Ideenwettbewerb des Jägerverbands, bei dem im Laufe des Jahres Beispiele vorbildlicher Kooperation im Jagdrevier ermittelt und auch prämiert werden sollen.


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