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Nationaler Drogenaktionsplan: Der Mensch im Mittelpunkt
Lokales 3 Min. 12.10.2020 Aus unserem online-Archiv

Nationaler Drogenaktionsplan: Der Mensch im Mittelpunkt

Viele Drogenabhängige meiden die offiziellen Anlaufstellen. Gesundheitsministerin Paulette Lenert will, dass die Hilfsmaßnahmen die Suchtkranken überall erreichen, ganz gleich, wo sie sind.

Nationaler Drogenaktionsplan: Der Mensch im Mittelpunkt

Viele Drogenabhängige meiden die offiziellen Anlaufstellen. Gesundheitsministerin Paulette Lenert will, dass die Hilfsmaßnahmen die Suchtkranken überall erreichen, ganz gleich, wo sie sind.
Foto: Chris Karaba
Lokales 3 Min. 12.10.2020 Aus unserem online-Archiv

Nationaler Drogenaktionsplan: Der Mensch im Mittelpunkt

Mehr Prävention, mehr Betreuung und mehr Repression: Der neue Drogenaktionsplan kommt mit hohen Ambitionen.

(str) - „Ganz gleich, ob sie auf der Straße leben, im Strafvollzug untergebracht sind oder, ob es sich um Jugendliche handelt, wir wollen Drogenkonsumenten dort abholen, wo sie sind und dann Schritt für Schritt mit ihnen nach vorne gehen“, betont Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) am Montag bei der Vorstellung des neuen Fünfjahresplans zu illegalen Drogen und den damit verbundenen Süchten.

„Es hat für mich dabei eine sehr starke Symbolik, dass die Santé dies koordiniert“, hebt Gesundheitsministerin Paulette Lenert hervor. „Das erlaubt es, den Mensch in den Mittelpunkt zu stellen“
„Es hat für mich dabei eine sehr starke Symbolik, dass die Santé dies koordiniert“, hebt Gesundheitsministerin Paulette Lenert hervor. „Das erlaubt es, den Mensch in den Mittelpunkt zu stellen“
Foto: Chris Karaba

„Wir wollen, dass niemand im Regen stehen gelassen wird und ohne Stigma mit den Betroffenen arbeiten“, fährt sie fort. Es sei klar, dass man nicht jeden von der Sucht befreien könne, aber man könne Verbesserungen erzielen.  

Dafür gebe man sich mit dem neuen Drogenaktionsplan die erforderlichen Mittel. Seit dem Jahr 2000 gibt es einen solchen Plan und der wird alle fünf Jahre an die aktuellen Entwicklungen angepasst. Der neue Plan erstreckt sich von 2020 bis 2024.

„Antizipieren, nicht reagieren“

„Es geht dabei nicht darum zu reagieren und dem Problem hinterherzulaufen, sondern darum zu antizipieren“, unterstreicht Paulette Lenert weiter. Man habe es mit einem illegalen Markt zu tun, der ganz brutal sei, flexibel vom Angebot und mit einem globalen, von Wettbewerb getriebenen Markt mit eigener Dynamik.


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Am Montag stellte die Regierung ihren neuen Aktionsplan zur Drogenproblematik für die kommenden fünf Jahre vor. Weitere Strukturen und praxisnahe Ansätze sollen jetzt dabei helfen, neue Probleme in den Griff zu bekommen. Auch in Sachen Cannabisprohibition und Alkoholmissbrauch soll eine breite Debatte helfen, in einer festgefahrenen Situation Fortschritte zu erzielen.

Der Kampf gegen Drogen und Sucht bedürfe sehr reaktiver und tief greifender Recherche, die gemeinsam mit den Akteuren im Milieu geführt und mit Stellen im Ausland koordiniert werden müsse. „Es hat für mich dabei eine sehr starke Symbolik, dass die Santé dies koordiniert“, hebt die Gesundheitsministerin hervor. „Das erlaubt es, den Mensch in den Mittelpunkt zu stellen“.

Der neue Plan umfasst rund 80 präzise Maßnahmen. Diese gehen zum teilweise aus einer externen Bewertung hervor, die zum letzten Aktionsplan erstellt wurde.

Vorbeugung bei Jugendlichen muss ausgebaut werden

Wie der nationale Drogenkoordinator, Alain Origer, hervorhebt, hatte das niederländische Trimbos Institut für mentale Gesundheit dabei empfohlen, die Erstvorbeugung, also vor allem jene bei Jugendlichen, auf nationaler Ebene auszubauen und die Behandlungsmethoden insbesondere bei Kokainmissbrauch zu erweitern.


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Zudem solle auch das Betreuungsangebot weiter dezentralisiert und den Koordinationsstellen mehr Mittel und Mitarbeiter zugestanden werden. Darüber hinaus solle auch den Entwicklungen bei der spezifischen Situation im hauptstädtischen Drogenmilieu stärker Rechnung getragen werden.

Das sind die Lektionen aus dem letzten Plan. Um den neuen Plan für die anstehenden Herausforderungen zu wappnen, wird auf die Erkenntnisse und Anregungen der Akteure auf dem Terrain und auch der Drogenkonsumenten selbst zurückgegriffen.

Plan mit zwei Grundpfeilern

Ambitioniertes Ziel ist es, gleichzeitig die Nachfrage und auch das Angebot an Drogen konsequent einzuschränken. Das sind die beiden Grundpfeiler des Plans.

Insbesondere durch den höheren THC-Gehalt im Cannabis müssen immer häufiger und jüngere Jugendliche in einer Suchtbehandlung.

Nationaler Drogenkoordinator Alain Origer

Um die Nachfrage zu senken wird auf Prävention im weitesten Sinne gesetzt. Daneben werden auch die Hilfsangebote für Jugendliche insbesondere im schulischen Umfeld ausgebaut. „Insbesondere durch den höheren THC-Gehalt im Cannabis müssen immer häufiger und jüngere Jugendliche in einer Suchtbehandlung“, betont Alain Origer. 


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Man weite auch allgemein die Betreuung der Menschen, mit einem problematischen Cannabis- und Kokainkonsum aus. Letzterer habe deutlich zugenommen.

Auch das Angebot an Drogenersatzbehandlungen wird ausgeweitet und die Betreuung von Abhängigen in höherem Alter und jenen mit spezifischen medizinischen Bedürfnissen werde verbessert – etwa jene von HIV-positiven Konsumenten. Durch eine stärkere Regionalisierung der Betreuungsangebote sowie eine stärkere Einbindung der Gemeinden hofft man ebenfalls der Nachfrage an Drogen entgegenzuwirken.

Organisierte Kriminalität im Visier

Um hingegen das Angebot an Drogen anzugehen, legt der Plan den Fokus weiter auf Repression. Eine verstärkte Zusammenarbeit im Bereich von Justiz und Polizei zielt auf Produktion, Schmuggel, Vertrieb und Verkauf illegaler Drogen ab.

Ins Visier wird dabei besonders die organisierte Kriminalität und der großflächige Drogenhandel genommen. Wenn nötig werde hierfür der gesetzliche Rahmen angepasst. Die Strafjustiz soll indes auch effizienter werden. Teil dieses Ansatzes sind Alternativen zum reinen Strafvollzug.  

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