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Nationaler Aktionsplan gegen Hepatitis: Leise, aber tödlich
Lokales 2 Min. 18.12.2017

Nationaler Aktionsplan gegen Hepatitis: Leise, aber tödlich

Auch Menschen, die sich unter schlechten Hygienebedingungen tätowieren lassen, oder Personal aus dem Gesundheitsbereich, zählen zu den gefährdeten Personen.

Nationaler Aktionsplan gegen Hepatitis: Leise, aber tödlich

Auch Menschen, die sich unter schlechten Hygienebedingungen tätowieren lassen, oder Personal aus dem Gesundheitsbereich, zählen zu den gefährdeten Personen.
Foto: Shutterstock
Lokales 2 Min. 18.12.2017

Nationaler Aktionsplan gegen Hepatitis: Leise, aber tödlich

Cheryl CADAMURO
Cheryl CADAMURO
Zwischen 5.000 und 10.000 Menschen sind hierzulande mit Hepatitis infiziert. Ein nationaler Aktionsplan, den das Gesundheitsministerium vorstellte, soll die Verbreitung der Infektionen eindämmen.

(che) - Prävention, Überwachung und Behandlung: Das sind die drei Stichworte des nationalen Aktionsplans gegen Hepatitis, der von 2018 bis 2022 laufen soll und sich damit den Zielen der Weltgesundheitsorganisation, Hepatitis bis zum Jahr 2030 auszurotten, anschließt.

Zwischen 5 000 und 10 000 Menschen haben eine der Formen von Hepatitis, vor allem die Typen B und C können schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Die Ansteckung erfolgt meist durch verunreinigte Spritzen oder ungeschützten Sexualverkehr – und bleibt oftmals lange unentdeckt: „Die Symptome einer Infektion ähneln oft jenen einer Grippe, und so weiß etwa ein Drittel der Infizierten gar nicht, dass sie das Virus tragen“, erklärt Gesundheitsministerin Lydia Mutsch.

Im späteren Verlauf kann sich eine Infektion mit Typ B oder C zu einem chronischen Leiden entwickeln, Leberkrebs und Leberzirrhose können Betroffene das Leben kosten. Jedes Jahr sterben so weltweit 1,4 Millionen Menschen an den Folgen einer Ansteckung mit diesen Hepatitis-Arten.

Es kann, wie Lydia Mutsch ausführt, jeden treffen. Zu den Risikopatienten zählen nicht nur Menschen, die vor 1990 eine Bluttransfusion erhalten haben, Drogensüchtige und homosexuelle Männer. Auch Menschen, die sich unter schlechten Hygienebedingungen tätowieren lassen, oder Personal aus dem Gesundheitsbereich, zählen zu den gefährdeten Personen.

Eine epidemiologische Ausbreitung von Hepatitis Infektionen sei nichtsdestotrotz vor allem bei der Risikogruppe der Drogenkonsumenten zu verzeichnen, so die Gesundheitsministerin.

Nicht nur Pillen verschreiben

Zu optimalen Behandlungszwecken müssten diese Betroffenen dort abgeholt werden, wo sie stehen. Vic Arendt, Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie, erklärt: „Bei Menschen, die sich mit der Nadel angesteckt haben, reicht es nicht aus, die Erkrankung nur medikamentös zu behandeln. Sie sollten zusätzlich einen Drogenentzug vollziehen. Sonst dauert es nicht lange und sie haben sich erneut eine Infektion eingefangen.“

Damit Drogenkonsumenten, die oftmals auf mehreren psychosozialen Ebenen Hilfe benötigen, aufgefangen werden können, soll die Aufnahme in Entzugsprogramme vereinfacht und das Angebot an Wohnstrukturen ausgebaut werden.

Und es gibt Hoffnungsschimmer: Impfungen können eine Ansteckung mit Hepatitis A und B verhindern. Da das Profil des Hepatitis C Virus sehr komplex ist, sich also sehr schnell verändern kann, ist es Forschern bisher zwar noch nicht gelungen, einen Impfstoff herzustellen. Antivirale Medikamente jedoch, die seit ein paar Jahren auf dem Markt sind, führen der Weltgesundheitsorganisation zufolge bei 95 Prozent der Typ C Infizierten zur Genesung.

Eine solche medikamentöse Behandlung kann laut Gesundheitsministerin mit 30 000 Euro jährlich zu Buche schlagen – pro Person. Und so sei es vor allem Präventionsarbeit in Form von Sensibilisierungskampagnen, die die Gesundheitskasse (CNS) entlasten kann. Regelmäßige Bestandsaufnahmen, die die Situation in Luxemburg dokumentieren, sollen Anpassungen der Maßnahmen des Plans, der zehn Millionen Euro kostet, ermöglichen.

Insgesamt gilt jedoch: Eine angemessene Behandlung bei einer Infektion kann nur erfolgen, wenn Menschen, die einer Risikosituation ausgesetzt waren, auch wissen, dass sie sich infiziert haben. Per Blutprobe, die der Hausarzt verordnen kann, lässt sich schnell herausfinden, ob man sich angesteckt hat. Und je früher die Diagnosestellung, desto größer die Heilungschancen.


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