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500 Millionen Euro für Wohnviertel Neischmelz
Lokales 3 Min. 02.12.2021
Düdelingen

500 Millionen Euro für Wohnviertel Neischmelz

Heute noch kaum vorstellbar, in Zukunft Realität: Auf dem ehemaligen Industriegelände soll in den kommenden 15 Jahren ein lebhaftes Stadtviertel entstehen.
Düdelingen

500 Millionen Euro für Wohnviertel Neischmelz

Heute noch kaum vorstellbar, in Zukunft Realität: Auf dem ehemaligen Industriegelände soll in den kommenden 15 Jahren ein lebhaftes Stadtviertel entstehen.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 3 Min. 02.12.2021
Düdelingen

500 Millionen Euro für Wohnviertel Neischmelz

Glenn SCHWALLER
Glenn SCHWALLER
Regierung bringt zwei Finanzierungsgesetze zur Umsetzung des Wohnprojektes in der Südgemeinde auf den Instanzenweg.

Über 3.700 Einwohner, insgesamt 1.575 Wohnungen – das geplante Wohnviertel Neischmelz in Düdelingen wird das Stadtbild der Südgemeinde nachhaltig verändern. Das 36 Hektar große Areal wird vor allem das ehemalige Industriegelände im Süden Düdelingens umfassen, jedoch auch bis zum Stadtzentrum reichen und Teile des bestehenden Viertels „Italie“ einbeziehen. In 15 Jahren sollen die Arbeiten am neuen Stadtteil voraussichtlich abgeschlossen sein. 

Gestern präsentierten Wohnungsbauminister Henri Kox sowie die aufgrund ihrer Covid-Erkrankung nur per Video zugeschaltete Kulturministerin Sam Tanson (beide Déi Gréng) die nächsten Schritte in der Umsetzungsphase. 

Über 500 Millionen Euro  

Demnach hat die Regierung zwei Finanzierungsgesetze auf den Instanzenweg gebracht, wie Kox erklärte. Der kombinierte Kostenpunkt der beiden Gesetzestexte beläuft sich auf rund eine halbe Milliarde Euro. 235 Millionen Euro davon werden im ersten Finanzierungsgesetz zur Sanierung und Aufwertung des Geländes vorgesehen. Weitere 272 Millionen Euro beinhaltet der zweite Text, der auf den Bau der insgesamt 1 575 Wohneinheiten abzielt.


Die Umgestaltung der Place Fohrmann (links) und die Verlegung der angrenzenden Route de Thionville in Richtung Zuggleise (rechts) sind zentrale Unterfangen in Bezug auf die Entwicklung des Stadtkerns.
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Zusammen mit den Finanzierungsgesetzen rund um die geplanten Wohnviertel in Elmen, dem „Wunnen mat der Wooltz“-Projekt in Wiltz sowie dem Wëltgebond-Projekt in Mamer habe die Regierung innerhalb eines Jahres somit nahezu eine Milliarde Euro zur Schaffung von bezahlbarem Wohnungsbau beschlossen, so der Grünen-Politiker. 

Auch in Neischmelz werden bezahlbare Wohnungen einen Großteil aller Einheiten ausmachen. Für den Bau zuständig ist derweil der Fonds du Logement. Zudem betonte Kox die hohe Baudichte, die im geplanten Viertel erreicht werden soll. Demzufolge sind in Neischmelz im Schnitt 48 Wohnungen pro Hektar vorgesehen. Nur so lasse sich eine entsprechend hohe Anzahl an Wohneinheiten auf dem Gelände erreichen. 

Vier Entwicklungspfade 

Bei der Gestaltung des Viertels stehen zudem vier Entwicklungspfade im Fokus, wie Kox erläuterte. Erstens spiele die Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Neben der Kreislaufwirtschaft, die einen hohen Stellenwert einnehmen wird, soll das neue Viertel auch CO2-Neutralität anstreben. Diese soll unter anderem über ein umweltfreundliches Energiekonzept erreicht werden, das neben der Solarenergie primär auf Geothermie setzt. Für Letztere müssen Bohrungen bis in 200 Meter Tiefe vorgenommen und anschließend Wärmepumpen installiert werden, um die Energie aus den unteren Erdschichten auch in die Gebäude zu transferieren. 

Darüber hinaus steht das Zusammenspiel unterschiedlicher Funktionen im Mittelpunkt. Wurden ehemalige Stadtprojekte beispielsweise lediglich an einer einzigen Funktion ausgerichtet, soll Neischmelz unterschiedliche Funktionen wie Wohnen, Arbeiten oder die Freizeitgestaltung miteinander verbinden. So werden neben den Wohnungen, die rund 56 Prozent der geplanten Fläche ausmachen, auch Restaurants, Cafés, Geschäfte ebenso wie Arbeitsorte und Kultureinrichtungen entstehen. 


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Letztens soll auch der Kultur sowie dem Denkmalschutz Rechnung getragen werden. Damit gemeint ist in erster Linie der Erhalt des industriellen Erbes, wie die zuständige Ministerin Tanson erklärte. Entsprechende Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen, sollen im Rahmen des Projektes saniert und renoviert werden. Allein hierfür sind rund 50 Millionen Euro vorgesehen, so die Grünen-Politikerin. 

Kulturdepot vorgesehen 

Zusätzlich wird in Neischmelz auch ein weiteres Großprojekt umgesetzt. Das „Centre national des collections publiques“ soll auf dem neuen Areal in Düdelingen entstehen. Dieses Depot soll dazu dienen, Kunstwerke und weitere kulturelle Güter unterzubringen, da die aktuellen Kapazitäten hierzulande zusehends an ihre Grenzen stoßen und die Objekte über mehrere Standorte im gesamten Land verteilt sind. Seit 2006 habe es bereits Überlegungen zur Schaffung einer solchen Einrichtung gegeben, mit dem ehemaligen Stahl- sowie Walzwerk in Düdelingen habe man nun einen geeigneten Standort gefunden, so Tanson. 

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