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"Nackt im Netz?" Sexting und seine Folgen
Lokales 2 Min. 26.01.2021

"Nackt im Netz?" Sexting und seine Folgen

Die Jugend liebt es, sich selbst darzustellen. Doch das birgt auch Gefahren, wie beispielsweise das Sexting.

"Nackt im Netz?" Sexting und seine Folgen

Die Jugend liebt es, sich selbst darzustellen. Doch das birgt auch Gefahren, wie beispielsweise das Sexting.
Foto: Shutterstock
Lokales 2 Min. 26.01.2021

"Nackt im Netz?" Sexting und seine Folgen

Jean-Philippe SCHMIT
Jean-Philippe SCHMIT
Die Anzahl an Sexting-Fällen hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Im Ratgeber "Nackt im Netz?" finden Opfer Tipps und rechtliche Informationen.

Wenn das eigene Nacktfoto ungewollt im Internet auftaucht, bricht für die Opfer eine Welt zusammen. Im Ratgeber „Nackt im Netz?“, der am Dienstag vorgestellt wurde, finden Betroffene praktische Tipps und rechtliche Informationen.

„Im vergangenen Jahr, bevor die Corona-Situation akut wurde, stellten wir einen Ratgeber vor, der darauf abzielte, die Bildschirmzeit von Kindern und Jugendlichen zu kontrollieren“, sagte Bildungsminister Claude Meisch (DP) anlässlich der Vorstellung des neuen Ratgebers. Wegen der Corona-Pandemie würde man sich heute unterdessen freuen, wenn die Kinder zu Hause bleiben.

„Die Jugend liebt es, sich selbst darzustellen“, so Meisch. Auch wenn dies wegen der Pandemie nicht mehr in der Schule oder im Sport möglich ist, so geht es weiterhin über das Internet. Ein Foto ist dann schnell verschickt. „Dies passiert oft unüberlegt“, meint der Bildungsminister. Die Jugend sei sich der Konsequenzen nicht immer bewusst.

Vorgang mit Folgen

„Eine falsche Nachricht kann ein Leben zerstören“, sagte Justizministerin Sam Tanson (Déi Gréng). Wenn der Ex-Freund ein Nacktbild veröffentlicht, habe das große Auswirkungen für das Opfer. Sexting-Fälle, in die Minderjährige verwickelt sind, haben in den vergangenen Jahren um über 40 Prozent zugenommen, heißt es seitens der Polizei.


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„Die betroffene Person traut sich nicht mehr in die Schule“, erklärte Tanson. Sie verschließe sich, falle gegebenenfalls in Depressionen. „Das kann bis zum Äußersten führen.“

Die Kampagne „Nackt im Netz?“ soll auf diese Gefahren aufmerksam machen und den Opfern als Stütze dienen. „Es gibt immer eine Lösung“, so Tanson.

Auch Fotos, die im gegenseitigen Einverständnis aufgenommen wurden, können im Rahmen einer Straftat genutzt werden. Die Opfer schämen sich oft und sind sich nicht immer bewusst, dass sie gegen die Veröffentlichung vorgehen können – und sollen.

Haft- und Geldstrafen

Daher sei Aufklärung besonders wichtig. Man solle es sich gut überlegen, bevor man auf die Senden-Taste klickt. „Auch wir waren einmal jung und haben Fehler gemacht“, meinte der Bildungsminister. „Wenn heute Fotos zirkulieren und im Netz landen, dann bleiben sie im Netz“, bemerkte die Justizministerin.


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Auch wenn das Gesetz den direkten Straftatbestand des Sextings nicht vorsieht, so gibt es im Strafgesetzbuch viele Artikel, die es der Polizei erlauben, gegen das ungewollte Veröffentlichen oder Verschicken von Fotos vorzugehen. „Das Sexting beschäftigt die Justiz“, bestätigt die Generalstaatsanwältin Simone Flammang. „Der Straftatbestand ist ganz schnell erfüllt“, erklärt sie. Wenn Erwachsene Fotos von Minderjährigen verlangen oder Bilder an sie verschicken, „kennen wir kein Pardon“. Gefängnis- und Geldstrafen können die Folge sein. 

Doch auch jugendliche Täter sind nicht vor Strafen geschützt. Das Jugendgericht kann beispielsweise Sozialarbeit anordnen. „Die Täter müssen dann unentgeltlich in ihrer Freizeit für den guten Zweck arbeiten“, so Flammang.

Der Ratgeber steht auf der Bee-Secure-Webseite zum Download bereit.

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