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Nachtflugverbot: mehr geht nicht
Lokales 3 Min. 03.02.2015 Aus unserem online-Archiv
Lärmbelästigung am Flughafen Findel

Nachtflugverbot: mehr geht nicht

Die Zahl der ausnahmsweise genehmigten Nachflüge am Findel sollen um weitere 5 Prozent reduziert werden.
Lärmbelästigung am Flughafen Findel

Nachtflugverbot: mehr geht nicht

Die Zahl der ausnahmsweise genehmigten Nachflüge am Findel sollen um weitere 5 Prozent reduziert werden.
Marc Wilwert
Lokales 3 Min. 03.02.2015 Aus unserem online-Archiv
Lärmbelästigung am Flughafen Findel

Nachtflugverbot: mehr geht nicht

Die Ausnahmen für Nachtflüge am Findel sind den Interessenverbänden der Anwohner des Flughafens seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge. Transportminister Bausch reagierte am Dienstag auf die Kritik.

(mth) - Unter dem Strich lautet die Position der Regierung: Das Verbot werde so gut wie möglich durchgesetzt und sogar kurzfristig verbessert, doch zu weitergehenden Zugeständnissen sei man aus 
wirtschaftlichen Gründen nicht bereit.

Bausch, der am Dienstag bekanntgab, dem Thema Nachtflugverbot in Zukunft jedes Jahr eine Pressekonferenz widmen zu wollen, um die neuesten Statistiken und Maßnahmen der Regierung in diesem Bereich vorzustellen, zeigte sich gleichzeitig enttäuscht, dass die Interessenverbände trotz regelmäßiger Dialogangebote des Ministeriums ihre Kritik auf „unfaire“ Art und Weise äußerten.

Noch im vergangenen Jahr hatte der Dachverband der hauptstädtischen Interessenvereinigungen  „Union des syndicats d'intérêts locaux de la Ville de Luxembourg“ (Usill) eine striktere Einhaltung des Nachtflugverbots zwischen 23 und 6 Uhr gefordert. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Nachtflüge parallel zum Gesamtvolumen der Flüge angestiegen – mit einem krisenbedingten Einbruch im Jahr 2008.

Seit 2012 gibt es eine Regelung, die Nachtflüge in Ausnahmefällen trotzdem erlaubt: entweder in seltenen Notfällen oder aber für Flüge, die aus betrieblichen Gründen verspätet starten oder landen müssen. Die Kritiker bemängeln, dass die Zahl der Ausnahmen trotz des Verbots immer weiter ansteige, so dass das Gesetz objektiv betrachtet nicht eingehalten werde. Tatsächlich sei die Zahl der genehmigten Nachtflüge 2014 gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig angestiegen, wie John Santurbano, der Direktor der Luftfahrt-Verwaltung, gestern unterstrich: von 1 492 Flügen auf 1 554 Flüge. Eine Steigerung um 4,16 Prozent, die in etwa der Steigerung  des Gesamtflugbetriebs über 24 Stunden entspreche, die bei 4,76 Prozent liege. Laut Santurbano wolle man zusätzlich versuchen, die Zahl der Nachtflüge um weitere fünf Prozent zu senken.

„Äußerst gewissenhafte
Einhaltung der Regelung“

Fluggesellschaften, die am Findel beheimatet sind, können Ausnahmen aufgrund einer speziellen Genehmigung des Ministers beantragen. Die Zahl solcher Flüge sei jedoch sehr gering, so Santurbano, der angab, dass im vergangenen Jahr 89 solcher Flüge genehmigt worden seien, also 28 weniger als im Vorjahr, bei 77 abgelehnten Anträgen. 80 Prozent der ausnahmsweise genehmigten Flüge lägen derzeit im Zeitfenster zwischen 23 Uhr und 1 Uhr, 66 Prozent sogar vor Mitternacht.

Dies alles zeige deutlich, dass der gesetzliche Rahmen zum Nachtflugverbot „äußerst gewissenhaft“ eingehalten werde. Im Flugbetrieb seien Verzögerungen und Verspätungen nun einmal unvermeidbar, wie man erst vor wenigen Tagen, als die Landebahn zeitweise wegen heftigen Schneefalls gesperrt gewesen sei, gesehen habe, so Santurbano.

Minister François Bausch wies darauf hin, dass Luxemburg derzeit als einziges Land eine Formel zur Berechnung der Flughafengebühren anwende, die dem Prinzip des „Pollueur payeur“ Rechnung trage. Die Formel beinhalte einen Umweltfaktor, der die Uhrzeit und die akustischen Eigenschaften des Flugzeugs mit einbeziehen würde.

Ein Flugzeug mit lauten Triebwerken, das nach 23 Uhr am Findel abhebe oder lande, werde steuerlich erheblich benachteiligt – die Fluggesellschaft müsse einen Gebührenaufschlag von bis zu 100 Prozent in Kauf nehmen.

Bausch unterstrich die zahlreichen Anstrengungen seiner Vorgänger sowie der aktuellen Regierung, um die Lärmbelastung der Findel-Anrainer zu vermindern. Er wolle in dieser Richtung weitere Verbesserungen erreichen und zudem in aller Transparenz arbeiten: Statistiken zu den Nachtflügen am Findel seien auf der Webseite des Umweltministeriums zu finden.

Weitere Verbesserungen wie etwa eine effizientere Organisation der Landeanflüge, die Warteschleifen überflüssig mache, seien ebenso in Ausarbeitung wie verschärfte Lärmschutzbestimmungen aufgrund der neuesten EU-Regelungen. Zum gegebenen Zeitpunkt würden diese Neuerungen vorgestellt.

Zuletzt warnte Bausch jedoch davor, zu hohe Ansprüche an eine Reduzierung des Fluglärms am Findel zu haben. Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten sei irgendwann nicht mehr drin, was sich sogar die Kritiker eingestehen müssten: „Niemand hat je behauptet, dass wir die Ausnahmeregelung abschaffen würden, auch ich nicht. Der Flughafen Findel schafft direkt und indirekt rund 26 000 Arbeitsplätze. Selbst unter den Kritikern hat sich bisher niemand getraut, die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens in Frage zu stellen. Sie verlangen aber gleichzeitig, dass ich dies tue.“


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