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Erst Mondauto, dann Planetenverkehr?
Lokales 4 Min. 03.08.2021
Nachrichten von vorgestern

Erst Mondauto, dann Planetenverkehr?

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Erst Mondauto, dann Planetenverkehr?

Foto: LW-Archiv
Lokales 4 Min. 03.08.2021
Nachrichten von vorgestern

Erst Mondauto, dann Planetenverkehr?

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Nichts ist älter als die Zeitung von gestern. Aber Nachrichten von vor 50, 75 oder auch 100 Jahren sind auf ihre eigene Art interessant - manchmal anrührend, aus heutiger Sicht komisch oder teils immer noch aktuell. Wir haben ins Archiv geschaut.

1921

Der Dienstag, 2. August 1921 sieht eine düstere, standesgemäß biblische Schlagzeile auf der Titelseite des „Luxemburger Wort“: In Sowjetrussland  herrscht nach Weltkrieg und Bürgerkrieg als Folge des Kriegskommunismus eine schwere Hungersnot. 

Die apokalyptischen Reiter

„Auf rotem, weißem, schwarzem und fahlem Pferd jagen sie dahin über Rußland, die Reiter der Apokalypse, „und ihnen ward Macht gegeben, zu töten das vierte Teil auf der Erde, mit dem Schwert und dem Hunger und mit dem Tod und durch die Tiere auf Erden.“ Und die Hölle folgte ihnen nach ... Wer würde nicht an das Buch der sechs Siegel, der sieben Posaunen des Gerichts und der Schalen des göttlichen Zorns erinnert, wenn er die jüngsten Berichte aus Rußland liest! Erst war es der große Bürgerkrieg, der Hunderttausende hinmähte, dann der Vampyr des Bolschewismus, der sich auf das Land legte und seine Kraft aussaugte, und jetzt sind es die Gespenster von Hunger und Seuche, die das befallen, was von jenen verschont geblieben ist.

Foto: LW-Archiv

Dazu kommen noch die Heuschreckenplage, die Brennstoffkatastrophe u. andere ruinöse Erscheinungen, die die Not noch vergrößern. Wie es wirklich in Rußland aussieht, wissen wir nicht. Den bolschewistischen Meldungen gegenüber war bisher jede Zurückhaltung am Platz. Aber diesmal gibt nicht nur die Sowjetregierung die Katastrophe offen zu, sondern sie wird auch von ihren Todfeinden, u. a. von dem in Paris tagenden Exekutivkomitee der sog. russischen Konstituante, im vollem Umfang bestätigt. Zweifel am Vorhandensein einer der größten Hungerkatastrophen der Welt werden [...]  kaum zulässig sein.“ 

1971

Die vierte Mondlandung am Freitag, 30. Juli 1971 ist Aufmacher der „Wort“-Ausgabe vom 2. August - mit einer Neuerung im Vergleich zu den drei Missionen davor. 

Rover befährt den Mond

„Zum ersten Mal seit Beginn der bemannten Mondlandungen befährt ein Auto mit zwei Astronauten den Erdtrabanten. Die amerikanischen Astronauten David Scott und James Irwin haben am Samstag nachmittag ihre erste der insgesamt drei Exkursionen der Mission mit dem mitgeführten Mondauto unternommen. [...] Die historische Fahrt im Regenmeer des Mondes wurde am Abend beendet.“

Ein prominenter Zuschauer kommt ebenfalls zu Wort: 

„Papst Paul VI. hat den amerikanischen Astronauten alles gute gewünscht und daraufhin auch einen Brief von ihnen erhalten. Er sagte, er verfolge 'das faszinierende Unternehmen Apollo XV sehr genau'.“ 

1946

A propos Raumfahrt: Ein interessantes Stück Zukunftsmusik findet sich in der Wort-Ausgabe vom 3. August 1946.

Foto: LW-Archiv

Touristenverkehr zwischen den Planeten

Die Chefs der Aviatik geben bekannt, daß sie Pläne für die Einrichtung eines Touristenverkehrs zwischen den Planeten und für den Bau einer Rakete prüften, die sich nach den angestellten Berechnungen in einer Höhe von 500 km 14 Tage lang um die Erde drehen wird.

Von sehr viel „irdischeren“ Problemen ist in einem Leserbrief die Rede, in dem sich „einer, den es angeht“ über unhaltbare Verhältnisse beschwert - übrigens auf der gleichen Seite direkt daneben: 

Primitive Zustände in Rodange

„Daß es heutzutage, nach den Verwüstungen des Krieges, hierzulande noch Leute gibt, deren Wohnungen sich nicht wieder im früheren Zustand befinden, das mag noch angehen. Daß in unserem Zeitalter der Atomenergie sich aber auch noch Menschen finden, die bis dato (und dies bereits seit über 20 Jahren) weder über Kanalisation noch Wasserleitung, weder über elektrische Leitung, noch Gasleitung, noch über sonst welche dieser Komforte, die bereits zu den Selbstverständlichkeiten des öffentlichen Lebens gehören, verfügen, das geht doch wohl nicht mehr an. Dabei geht hier weder von N***rkrals noch von Indianerwigwams die Rede, sondern — man höre und schäme sich — von einer Anzahl Arbeiterwohnungen in der äußersten Grenzecke Rodingens.


Vor 50 Jahren: Die Revolte im "Dikricher Kolléisch"
Im April 1971 proben die Schüler des Lyzeums in Diekirch den Aufstand - "gegen Repression und für die Meinungsfreiheit".

Obwohl wir etwas abseits wohnen, möchten wir deswegen doch nicht übersehen werden, denn der Steuereinnehmer hat es bislang noch nie getan. Mit 2 Masten, 100 Meter Draht und einer Unze guten Willens seitens der Petinger Gemeindeverwaltung wäre diese Blamage bereits aus der Welt geschafft. Ob man diesen Preis zahlen wird? Jedenfalls sind 7 kinderreiche Familien dieser  Überzeugung, und hoffen zuversichtlich, daß man ihre Behausungen endlich mit elektrischem Licht versehe.“

1921

Ein Problem, das uns auch heute noch beschäftigt, findet sich am 3. August 1921 auf Seite 3:

Foto: LW-Archiv

Wassermangel 

„Die Stadverwaltung macht bekannt: Es wird festgestellt daß, trotz dem vor kurzem erschienenen Aufruf der Wasserkonsum in einem unerhörten Maßstab zunimmt, sodaß die Quellen obschon noch sehr ergiebig, nicht mehr ausreichen. Im Interesse der Allgemeinheit bittet die Stadtverwaltung die Einwohnerschaft nochmals, den Konsum auf das notwendigste zu beschränken und das Berieseln  vollständig einzustellen, auch wird gebeten, die Zapfhähne abzudichten. Sollte in den nächsten Tagen keine Besserung eintreten, wird der Zufluß von Wasser zeitweilig abgesperrt, und wird für jedes Kubikmeter Wasser, welches den Durchschnittsverbrauch übersteigt, eine bedeutende Erhöhung in Anrechnung gebracht werden müssen.“ 

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