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Nach Tornado: Helfer atmen durch und machen weiter
Lokales 3 Min. 13.08.2019

Nach Tornado: Helfer atmen durch und machen weiter

Nach Tornado: Helfer atmen durch und machen weiter

Foto: Claude Piscitelli
Lokales 3 Min. 13.08.2019

Nach Tornado: Helfer atmen durch und machen weiter

Luc EWEN
Luc EWEN
Nach dem Tornado ist das Bild der vom Wirbelsturm betroffenen Straßen in Petingen und Käerjeng dabei, sich zu wandeln: Das Aufräumen geht voran, es ist auch mal Zeit zum Verschnaufen.

Am Dienstagmorgen bot sich entlang der Schneise, in welcher der Wirbelwind auf den Petinger und Käerjenger Gemeindegebieten am Freitag gewütet hatte, ein anderes Bild als noch am Wochenende: Es wirkte alles etwas aufgeräumter. 


Dossier: Tornado im Süden Luxemburgs
Ein verheerender Sturm sorgt im Raum Niederkerschen/Petingen für Leid und Zerstörung.

Am Dienstag in Niederkerschen: Es ist Mittag. Die Einfahrt zur Avenue de Luxembourg vom Kreisverkehr Biff aus ist deutlich als Route barrée gekennzeichnet. Dennoch fahren viele Autofahrer durch. 

Am Straßenrand liegen Trümmer. Aber im Gegensatz zu den Vortagen sind sie größtenteils fein säuberlich zu Haufen zusammengetragen worden. 

Endlich Pause 

Die Lastwagen des Corps grand-ducal d'incendie et de secours (CGDIS) und des deutschen Technischen Hilfswerkes (THW) stehen in dieser Mittagsstunde geparkt neben den verlassen wirkenden Baustellen. Die eilig aufgestellten Baugerüste sind größtenteils leer. Nur vereinzelt ist ein Hämmern von einem Dach zu hören. Dies meist dort, wo private Dachdeckerfirmen tätig sind. 

Erstmals nach vier Tagen gönnen sich dagegen nun viele der ehrenamtlichen Helfer eine richtige Mittagspause. 

Auch im Restaurant Béierhaascht macht sich dies bemerkbar. Fast alle Tische sind besetzt. Mehrere Gäste sitzen in Arbeitskleidung am Tisch. Die Erschöpfung der vergangenen Tage ist den meisten deutlich anzusehen. 

„Wir hatten Glück“, sagt ein Ober mit erleichtert klingender Stimme. Der Tornado sei nahe am Gastronomiebetrieb vorbeigezogen. Dennoch habe es nur ein paar kleinere Schäden durch vorbeifliegende Trümmerteile gegeben. „Wenn man sieht, welche Schäden einige unserer Gäste an ihren Häusern zu beklagen haben, dann haben wir im Vergleich dazu nahezu keinen Schaden.“ 

Auch im Hotel, das zum Restaurant gehört, sind Tornado-Opfer untergebracht. Aber die seien nur nachts zugegen. Tagsüber seien die meisten noch immer mit Aufräumen beschäftigt, so die Bedienung. 

Ungeliebte Vorauskasse

Im Gespräch mit dem LW berichten im Laufe des Tages mehrere Einwohner und Helfer von ihren Erlebnissen. Immer wiederkehrendes Element: Die Bewunderung für die nationale und internationale Solidarität und die Abscheu gegenüber Vorauskasse verlangenden Handwerksbetrieben. 

Diese Abscheu ist mittlerweile sehr ausgeprägt. Schuld daran sind schwarze Schafe unter den Handwerkern oder Tunichtgute, die sich als Handwerker ausgegeben haben und die nach Erhalt der Vorauskasse einfach verschwunden sind.


Lokales Tornade Petange-Bascharage, travaux , nettoyage, foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
Neue Bilder nach Tornado: Zwischen Trümmern und Hoffnung
Nach dem Tornado ziehen Petinger und Niederkerschener Bürger Bilanz der Schäden an ihrem Eigentum. Einige werden bei allem Übel auch noch über den Tisch gezogen.

Einige Handwerker, die – vielleicht ohne böse Absicht – eine Vorauskasse verlangt haben, wurden von wütenden Helfern und Einwohnern von deren Grundstücken verjagt. 

Dass einige Gebäude, wie das der Béierhaascht, weniger betroffen sind als Nachbargebäude, ist kein Einzelfall. 

Ein Petinger Einwohner berichtet von seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus. Die sei wie durch ein Wunder verschont geblieben. „Die Wohnungen über und unter uns im selben Haus wurden stark beschädigt. Bei uns ist nicht einmal eine Scheibe zu Bruch gegangen. Unser Nachbar hat aber hohen Sachschaden.“ 

Ein Helfer aus Kehlen war am Samstag auf den Facebook-Post eines Bekannten aufmerksam geworden. Der wohnt in der vom Tornado sehr schwer getroffenen Rue Neuve in Petingen. 

„Er fragte nach Eisenstangen zum Abstützen und nach jemandem, der sie transportieren könnte. Also bin ich am Samstag mit meinem Pick-up herumgefahren und habe Stützstangen nach Petingen gefahren.“

Landschaftspflege und Dachdecken 

Zurück auf der Hauptstraße in Niederkerschen. Die Mittagspause ist vorbei. Kettensägengeräusche sind zu hören. Der Geruch von frisch gesägtem Holz liegt in der Luft. 

Viele Gemeindefahrzeuge sind zu sehen. Darauf stehen Schriftzüge wie „Gemeng Käerjeng“ und „Pétange motivation commune“, aber auch „Ville de Dudelange“, „Differdange“ oder die Namenszüge weiterer Gemeinden aus dem ganzen Land. Die Arbeiter sind nun auch mit den Arbeiten zugange, die bisher nicht prioritär waren. Bäume, von denen Äste herabstürzen könnten werden entweder gestutzt oder kurzerhand ganz gefällt. Kaputte Ampelanlagen und Beschilderungen werden abmontiert und Bauschutt in Container geworfen. 


Lokales Tornade Petange-Bascharage, travaux , nettoyage, foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
Der Tornado und seine Entstehungsgeschichte
Mit Windgeschwindigkeiten zwischen 180 und 250 km/h fegte der Tornado am Freitag durch den Süden des Landes. Ihn präzise vorauszusehen ist für Meteorologen jedoch fast ein Ding der Unmöglichkeit.

In Petingen ist das Bild das gleiche. Auch wenn der Anblick der zerstörten Gebäude dort in einigen Straßen aufgrund der dichteren Bebauung im Vergleich zu Niederkerschen noch trostloser wirkt. 

Kein Zweifel, es bleibt in beiden Gemeinden viel zu tun. Aber es scheint, als sei ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Das THW teilte indes mit, seine Arbeit am späten Dienstagabend beendet zu haben. Insgesamt waren 130 Helfer des THW im Einsatz. 


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