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Nach der Flut
In Berdorf müssen auch von den Überflutungen beschädigte Trinkwasserleitungen erneuert werden.

Nach der Flut

Foto: Getty Images
In Berdorf müssen auch von den Überflutungen beschädigte Trinkwasserleitungen erneuert werden.
Lokales 2 Min. 13.06.2018

Nach der Flut

Steve BISSEN
Steve BISSEN
Die Räte von Berdorf bewilligten am Mittwoch erste Kredite zum Wiederaufbau der kommunalen Infrastrukturen.

Die sintflutartigen Regenfälle, die Anfang Juni über das Müllerthal und benachbarte Regionen hereingebrochen sind, waren am Mittwoch auch das bestimmende Thema im Gemeinderat von Berdorf. Die Räte machten eine Bestandsaufnahme der Schäden und bewilligten erste Kredite zum Wiederaufbau der kommunalen Infrastrukturen. Denn nicht nur die Straßen in Richtung Grundhof und Echternach sind bis auf weiteres gesperrt, auch die Sporthalle und die Druckwasserleitungen, die das Trinkwasser aus dem Quellenschutzgebiet beim „Mellebuer“ hinauf zum Wasserturm pumpen, wurden arg in Mitleidenschaft gezogen.

Durch die schweren Unwetter sind Felsbrocken auf die Wasserleitungen gestürzt, sodass diese auf einer Länge von rund 100 Metern schnellstmöglich ersetzt werden müssen. Zu diesem Zweck soll zunächst eine provisorische Druckwasserleitung installiert werden, damit die Gemeinde während der Instandsetzungsarbeiten nicht von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten ist. In einem zweiten Schritt soll dann eine neue Leitung verlegt werden.

Innenministerium sagt finanzielle Unterstützung zu

Der Gemeinderat bewilligte einstimmig einen Kredit in Höhe von 400.000 Euro, damit die Reparaturarbeiten schnellstmöglich beginnen können. Da die Versicherung nicht für die beschädigten Leitungen aufkommen wird, muss die Gemeinde die Instandsetzung zunächst alleine stemmen. Innenminister Dan Kersch habe aber in einer Unterredung mit dem Schöffenrat am Dienstag finanzielle Unterstützung beim Wiederaufbau der kommunalen Infrastrukturen zugesagt.

Die Trinkwasserversorgung der Gemeinde sei derzeit aber nicht gefährdet, so Bürgermeister Joé Nilles. Denn die beschädigten Leitungen laufen erst beim Einsetzen von Frost Gefahr, unbrauchbar zu werden. Deshalb sollen die Leitungen noch vor Winterbeginn ersetzt werden. Rat Jean Schoos regte „einen Plan B“ an, falls die Leitung doch komplett unbrauchbar werden würde, da die Quelle beim „Mellebuer“ die Trinkwasserversorgung der ganzen Gemeinde gewährleisten muss – eine Alternative gibt es zurzeit nicht. Im Notfall müsste das Trinkwasser per Lastwagen herangeschafft werden.

Bei einem durchschnittlichen Tagesverbrauch von derzeit 375 Kubikmeter – während der Tourismussaison gar mehr als 700 Kubikmeter - wäre dies ein logistischer Kraftakt. „Wir sind uns dem Ernst der Lage bewusst“, so Joé Nilles. Allerdings solle man auch nicht gleich den Teufel an die Wand malen.


Nur ein Weg führt nach Berdorf
Bei den schlimmen Gewittern, die sich in den zwei letzten Wochen in der Region Müllerthal ereigneten, wurden auch an 20 Stellen Straßen, Brücken und Radwege beschädigt.

Sporthalle bis Mitte September außer Betrieb

Neben den Druckwasserleitungen wurde auch die Sporthalle in Berdorf stark beschädigt – in erster Linie der aus Holz bestehende Parkettboden, nachdem die Notzugänge zur Sporthalle dem Druck der Wassermassen nach den heftigen Gewittern nicht mehr Stand halten konnten. Dadurch haben sich gefährliche Kanten auf dem Holzbelag gebildet. Deshalb ist die Sporthalle bis voraussichtlich Mitte September – also bis zum Auftakt der Schulrentrée – außer Betrieb.

Die Auswirkungen der Straßensperren

Eine detaillierte Zeitschiene stehe derzeit zwar noch nicht fest, so Joé Nilles, aber die Straße zwischen Berdorf und Echternach soll in spätestens einem Jahr wieder befahrbar sein, wenn möglich sogar früher. Negative Konsequenzen haben die Straßensperren auch für den lokalen Tourismus. Hinzu kommen noch die stark beschädigten Wanderwege. Ein Umstand, den die lokalen Betreiber von Hotels, Restaurants und Campingplätzen jetzt schon spüren würden, so Joé Nilles, weil die Kundschaft ausbleibt.

"Groussbotz" am Samstag

Aus diesem Grund organisiert die Gemeinde Berdorf am Samstag eine „Groussbotz“, an der sich Freiwillige beteiligen können, um die Wanderwege wieder begehbar zu machen. Die Schäden kommen für Berdorf zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt – zum Auftakt der Tourismussaison. Unterstützung erhoffen sich die Gemeindeverantwortlichen auch vom für den Tourismus zuständigen Wirtschaftsministerium. Noch am Mittwoch trifft sich der Schöffenrat deshalb auch mit Staatssekretärin Francine Closener. Übrigens muss auch der erst kürzlich fertiggestellte Fahrradweg von Berdorf nach Consdorf erneuert werden.