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Nach dem Wasser kommt das Virus
Lokales 2 Min. 24.03.2020

Nach dem Wasser kommt das Virus

Jetzt wäre das Hotel in Müllerthal bereit für die Gäste, doch wegen der Virusgefahr bleiben die Türen geschlossen.

Nach dem Wasser kommt das Virus

Jetzt wäre das Hotel in Müllerthal bereit für die Gäste, doch wegen der Virusgefahr bleiben die Türen geschlossen.
Foto: Chris Karaba
Lokales 2 Min. 24.03.2020

Nach dem Wasser kommt das Virus

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Fast zwei Jahre musste das Ehepaar Stoque ihr Hotel Le Cigalon in Müllerthal nach den Überflutungen renovieren. Kurz nach der Wiedereröffnung ist das Hotel wieder geschlossen.

 Bisweilen schlägt das Schicksal gleich zweimal zu. Hart getroffen wurde das Hotel Le Cigalon von Rita und Philippe Stoque bei der Sturzflut vom 1. Juni 2018, als die Wassermassen den Keller und das Erdgeschoss bis zu einer Höhe von 1,40 Meter überfluteten. Als die aufwendigen Renovierungsarbeiten Anfang März nach knapp zwei Jahren abgeschlossen waren und das Restaurant und die Bar wieder in neuem Glanz erstrahlten, kam die Corona-Krise. Nachdem sie gerade mal eine Woche lang Gäste bewirtet hatte, musste die Familie Stoque das Hotel im Dorf Müllerthal wegen der Virusgefahr wieder schließen.

Innen sieht das Hotel aus, als wäre nichts gewesen.
Innen sieht das Hotel aus, als wäre nichts gewesen.
Foto: Hotel Le Cigalon

  „Wir hatten schon Personal eingestellt. Die Mitarbeiter haben geholfen, alles sauber zu machen und für den Betrieb vorzubereiten“, erklärt Rita Stoque. Am 6. März öffnete das Hotel-Restaurant dann nach langer Zwangspause wieder seine Türen. Obwohl die Besitzer die Eröffnung nicht an die große Glocke gehängt hatten, empfingen sie eine kleine Besucherschar. „Viele sind gekommen, weil sie neugierig waren. Alle wollten sich selbst davon überzeugen, wie das Restaurant und die Bar jetzt aussehen“, sagt Rita Stoque.  

Türen bleiben zu

Der Gästeandrang fand ein jähes Ende, als die Regierung vor einer Woche wegen der Corona-Gefahr die Restaurants schließen ließ. Nun ist es still geworden im Hotel Le Cigalon. „Mein Mann ist kürzlich operiert worden, er gehört deshalb zur Risikogruppe. Wir verzichten deshalb konsequent auf Kontakte“, berichtet Rita Stoque. Hinter ihr liegen nervenaufreibende und arbeitsreiche Monate.

Die Stühle auf der sonnenbeschienenen Terrasse sind das Geschenk eines Luxemburger Hotels.
Die Stühle auf der sonnenbeschienenen Terrasse sind das Geschenk eines Luxemburger Hotels.
Foto: Chris Karaba

„Im Erdgeschoss und im Keller mussten wir so gut wie alles neu machen“, fasst sie zusammen. Die Sturzflut vor knapp zwei Jahren hatte die Möbel weggeschwemmt oder unbrauchbar gemacht, der Bodenbelag musste ersetzt werden, einige Fenster und Glastüren waren zerbrochen. Jetzt hat das Hotel eine nagelneue Küche, eine moderne Heizung, die Elektroinstallation und die Sicherheitstechnik sind auf dem aktuellen Stand. Rita Stoque: „Sogar die Heizungsrohre mussten wir ersetzen. Dort hatte sich herausgestellt, dass sie zu stark verrostet waren.“


Foto: Serge Daleiden
Aufbau nach der großen Flut
Schäden in Millionenhöhe hat die Sturzflut vom 1. Juni bei mehreren Betrieben im Müllerthal verursacht. Mittlerweile ist der Aufbau voll im Gange, doch die Firmen schaffen es nur, wenn der Staat ihnen finanziell unter die Arme greift.

Tatkräftige Hilfe

Hilfe bekam das Hotelier-Ehepaar von seinen zwei Söhnen. Einer von ihnen ist Architekt und hatte den Wiederaufbau geplant und koordiniert. Auch der andere Sohn packte bei den Arbeiten kräftig mit an. Dankbar ist die Familie über eine Welle der Hilfsbereitschaft nach der Sturzflut. Neben den Feuerwehrleuten, die viele Tage lang Schlamm weggeräumt und Ordnung geschaffen hatten, waren zahlreiche freiwillige Helfer gekommen. Luxemburger Hotels hatten sich solidarisch gezeigt und für die bevorstehende Neueröffnung Einrichtungsgegenstände gespendet, erzählt Rita Stoque. „Unsere Terrassenstühle haben wir zum Beispiel von einem anderen Hotel geschenkt bekommen, genauso wie einen gebrauchten Computer.“

Schon zum zweiten Mal muss Rita Stoque eine unfreiwillige Pause einlegen.
Schon zum zweiten Mal muss Rita Stoque eine unfreiwillige Pause einlegen.
Foto: Pierre Matgé

Trotz der Quarantäne bleibt für das Ehepaar Stoque in diesen Tagen eine Menge zu tun. Rita Stoque muss Anträge ausfüllen und anderen Papierkram erledigen. Zum Beispiel wird sie Kurzarbeitergeld für das Personal beantragen. Ehemann Philippe bestellt den Garten und sät Tomaten und Kräuter. Wenn die Corona-Krise vorbei ist und das Hotel wieder öffnen kann, wird er die selbst angebauten Zutaten in der Küche verwenden.

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