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Nach 38 Jahren im Dienst: Die Tage des "Aldringen" sind endgültig gezählt
Lokales 5 3 Min. 01.06.2015

Nach 38 Jahren im Dienst: Die Tage des "Aldringen" sind endgültig gezählt

Lokales 5 3 Min. 01.06.2015

Nach 38 Jahren im Dienst: Die Tage des "Aldringen" sind endgültig gezählt

Am Montag überlassen die Busse den Baggern das Feld. Der „Aldringen“ weicht dem Großprojekt Royal-Hamilius – damit müssen Busfahrer umlenken und Buspassagiere umdenken.

(DL) - Nach 38 Jahren im Dienst sind die Stunden des altehrwürdigen Busbahnhofs Hamilius, im Volksmund seit jeher „Aldringen“ genannt, ein für alle mal gezählt. Seit Montagmorgen sind die acht Bussteige, über die seit 1977 ein großer Teil der hiesigen Busse verkehrte, außer Betrieb.

Der Weg für die „Place Hamilius“ und den Neubau Royal-Hamilius ist damit endgültig frei. Im Hinblick auf die Großbaustelle musste der Busverkehr komplett umorganisiert werden. Da der Busbahnhof wegfällt, werden die Gefährte auf umliegende und neue Haltestellen umgeleitet. 

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Diese Grafik (Karte: geoportail.lu) bietet einen Auszug aus der neuen Busorganisation und zeigt, wo die städtischen Busse fortan anhalten und wo sich die neuen Endhaltestellen bzw. Ausgangspunkte der RGTR-Busse befinden. Die kompletten Pläne und alle Details für die städtischen Linien finden Sie hier, sämtliche RGTR-Buspläne hier

Synergien zwischen AVL und RGTR

Passagiere müssen sich auf neue Linien, neue Fahrpläne und neue Takte einstellen – und ans Umsteigen gewöhnen. Damit die Hauptverkehrsachse zwischen Oberstadt und Bahnhof entlastet wird, werden fortan deutlich weniger Autobusse über sie verkehren – es gilt, bei der Einfahrt in die Hauptstadt mit einem regionalen Bus (RGTR) auf eine städtische Linie (AVL) umzusteigen.

Überhaupt spielen Synergien zwischen RGTR- und AVL-Linien laut den Verantwortlichen von Stadt und Staat eine wesentliche Rolle. So werden sogenannte „Kombilinien“ (RGTR und AVL) geschaffen; die Linien 172, 215 und 222, die die Hauptstadt weiterhin durchqueren, werden auch für jene Passagiere geöffnet, die sich nur innerhalb des Hauptstadtgebiets bewegen.

Die anderen RGTR-Linien sind laut Ministerium aber weiterhin exklusiv dazu gedacht, um die Passagiere in die jeweiligen Regionen zu bringen – und nicht für den internen Stadtverkehr.

„Spaghetti-Monster“

Mit einer groß angelegten Kampagne wurden Buspassagiere in den vergangenen Wochen und Monaten auf die Änderungen aufmerksam gemacht – in den Bushäuschen, per Post, über die Medien oder auf Informationsabenden. Erste, mitunter kritische Reaktionen, blieben denn auch nicht aus.

Der neue Busplan der Stadt Luxemburg wurde, kaum war er veröffentlicht, im Internet zum Gespött. Als „Spaghetti-Monster“ wurde der bunte Linienplan bezeichnet, eine US-amerikanische Website krönte ihn gar zum „schlechtesten Busplan aller Zeiten“.

Die Meinungen der Nutzer sind geteilt: Derweil die einen dieses vernichtende Urteil teilen, können andere überhaupt nicht nachvollziehen, was an diesem Plan denn so kompliziert sein soll. 

Ein paar Stiefkinder

Die Kritik aus Niederanven ist da schon begründeter. Anders als zuvor fährt die Buslinie 9 nicht mehr von Neudorf aus weiter, am Flughafen vorbei Richtung Senningerberg, sondern nur noch bis Cents-Wasserturm.

Kritik kommt auch aus den Reihen der „Assurances Sociales“. Fuhren an deren Sitz in der Route d'Esch bislang zwei, bis Ende vergangenen Jahres sogar drei städtische Linien vorbei, bleibt aktuell nur noch die Linie Nummer 4, die im 20 Minuten-Taxt aus Richtung Leudelingen bzw. Cessingen kommt, übrig.

Ab September soll aber zumindest die RGTR-Linie 144 dazukommen – und diese wird ebenfalls auch für jene Passagiere „geöffnet“, die nur innerhalb der Hauptstadt verkehren.

Im Viertel Belair kommen ebenfalls nicht alle gut davon: Die Linie 8, die bislang bis zur Europaschule in Mamer zirkulierte, fährt fortan einen anderen Weg und nur noch bis zum Bartringer Wasserturm.

Die Europaschule wird stattdessen von der Linie 28 aus Richtung Strassen/Hauptbahnhof (und nicht mehr Belair) angefahren. Die Buslinie Nummer 7 entfällt sogar ganz und wird durch mehrere andere Linien (5, 6, 215 ...) ersetzt.

Nachbesserungen in den kommenden Monaten

Verkehrsschöffin Sam Tanson räumt auf Nachfrage hin ein, dass hier in der Tat die Mankos der neuen Buspläne liegen. Sie unterstreicht jedoch, dass man den kritischen Stimmen zuhören wird.

In den kommenden Monaten sollen denn auch allfällige Mängel durch Analysen aufgedeckt und Nachbesserungen vorgenommen werden. Die Verantwortlichen von Stadt und Staat haben stets betont, dass man von der Großbaustelle profitieren wolle, um das Busnetz in seiner Gesamtheit zu verbessern.

Der Busbahnhof „Aldringen“ kommt übrigens nie mehr zurück – auch nicht nach Abschluss der Bauarbeiten. Als „definitiv“ kann man die neue Organisation dennoch nicht bezeichnen: Bis 2020/2021 soll die Tram über den Boulevard Royal rollen – womit auch der Busverkehr wieder komplett neu organisiert werden dürfte.


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