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Mysteriöse Todesfälle in Bereldingen: Polizist soll Essen vergiftet haben
Lokales 2 Min. 30.09.2016 Aus unserem online-Archiv

Mysteriöse Todesfälle in Bereldingen: Polizist soll Essen vergiftet haben

Die Polizei durchsuchte zur Spurensicherung am Mittwoch das Gelände um das Mehrfamilienhaus.

Mysteriöse Todesfälle in Bereldingen: Polizist soll Essen vergiftet haben

Die Polizei durchsuchte zur Spurensicherung am Mittwoch das Gelände um das Mehrfamilienhaus.
Steve REMESCH
Lokales 2 Min. 30.09.2016 Aus unserem online-Archiv

Mysteriöse Todesfälle in Bereldingen: Polizist soll Essen vergiftet haben

Michel THIEL
Michel THIEL
Der Polizist, in dessen Wohnung am Sonntag die Leichen zweier Personen gefunden wurden, steht unter dringendem Verdacht, die beiden Opfer vergiftet zu haben. Nach seiner Festnahme bleibt er in Haft. Am Freitag wurde er in Untersuchungshaft überführt.

(str/mth/gs) - Der Polizist, der am Donnerstagnachmittag in Zusammenhang mit dem Tod von zwei Personen in Bereldingen verhaftet wurde, steht unter dringendem Tatverdacht, das Essen der beiden Opfer vergiftet zu haben. Er wurde laut Staatsanwaltschaft vom aktiven Dienst suspendiert und am Freitag in Untersuchungshaft überführt. Es gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung.

Ein verdächtiges Gespräch unter Kollegen

Dem „Luxemburger Wort“ liegen Informationen vor, welche die Hypothese eines Giftmords zu bestätigen scheinen. Ein Zeuge berichtete dem LW, wie er zufällig in einer Gaststätte ein Gespräch zwischen dem Tatverdächtigen und zwei seiner Kollegen am Nebentisch mitbekommen habe.

Der unter Verdacht stehende Polizist habe einen aufgebrachten Eindruck gemacht und seinen Kollegen gegenüber die Befürchtung geäußert, „Probleme zu bekommen“. Der Grund für seine Befürchtung sei, dass er auf dem Balkon seiner Wohnung „eine Ampulle mit einer Flüssigkeit“ gefunden habe. Er habe diese weggeworfen, da er „gedacht habe, dass es sich um Magentropfen handele“.

Seine beiden Kollegen hätten ihm daraufhin dringend dazu geraten, den Vorfall bei den Ermittlern zu melden. Da er jedoch gezögert habe, dies zu tun, habe einer der beiden anderen Männer schließlich den Anruf getätigt.

Die 29-jährige Frau, Schwester des Verhafteten, und ihr 31-jähriger Freund, waren nach einer Wanderung am Sonntagvormittag in der Wohnung des Tatverdächtigen in Bereldingen eingekehrt. Im weiteren Verlauf des Nachmittags sollen sie über starke Übelkeit geklagt haben. Dann sollen sie bewusstlos geworden sein. Ein herbei gerufener Notarzt konnte nur noch den Tod der beiden jungen Menschen feststellen.

Gift auf dem Internet-Schwarzmarkt beschafft?

Offenbar gibt es des Weiteren Hinweise, dass der Mann sich dieses Gift aus dem sogenannten „Darknet“, also dem Schwarzmarkt im Internet, beschafft hat. Bei dem Gespräch zwischen dem Verdächtigen und seinen beiden Kollegen sei auch über diese Thema gesprochen worden.

Derartige Angebote sind tatsächlich bekannt. 2015 wurde ein 20-jähriger US-Amerikaner verhaftet, der über den illegalen Marktplatz „Black Market Reloaded“ die Substanzen Rizin und Abrin verkaufte. Beide Stoffe zählen zu den gefährlichsten Toxinen, die bekannt sind.

Um welches Gift es sich im vorliegenden Fall tatsächlich handelt, ist derzeit noch unklar. Weiterhin gilt aber eine Vergiftung mit Zyankali als möglich.

Hintergrund: So wirkt Zyankali

Bei Zyankali, auch als Kaliumcyanid bekannt, handelt es sich um das Kaliumsalz der Blausäure, also eines der gefährlichsten und am schnellsten wirkenden Gifte. Die tödliche Dosis an Zyankali für einen erwachsenen Menschen liegt bei etwa 140 Milligramm, was einer Messerspitze des bitter schmeckenden und gut wasserlöslichen Salzes entspricht.

Die Substanz wird beim Verschlucken im Kontakt mit der Magensäure zur tödlichen Blausäure umgesetzt. Diese blockiert im Körper die Zellatmung und führt so zu einem internen Erstickungstod, der je nach Dosierung nach mehreren Minuten oder bis zu einer Stunde eintritt.

Als Symptome sind bei einer Zyankalivergiftung nach wenigen Sekunden oder Minuten Atemnot, Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Krämpfe und schließlich Ohnmacht zu beobachten. Charakteristisch ist beim Opfer zudem eine hellrote Hautfärbung, Blutungen der Schleimhäute sowie ein wahrnehmbarer Bittermandelgeruch, der von der Freisetzung des Giftes im Magen herrührt.

Deutliche Indizien also, die erklären könnten, weshalb Zyankali schon früh als mögliche Substanz im Gespräch war.


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