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Muttergottesoktave: Offen für neue Wege
Am Dienstagnachmittag wurden Kinder gesegnet - unter anderem von Erzbischof Jean-Claude Hollerich.

Muttergottesoktave: Offen für neue Wege

Foto: Guy Jallay
Am Dienstagnachmittag wurden Kinder gesegnet - unter anderem von Erzbischof Jean-Claude Hollerich.
Lokales 17 2 Min. 15.05.2019

Muttergottesoktave: Offen für neue Wege

Cheryl CADAMURO
Cheryl CADAMURO
Die Zahl der Wallfahrtspilger nimmt stetig ab - die Pfarreien wollen nun ein paar Dinge verändern.

Durch die bunten Kirchenfenster der Kathedrale fällt Sonnenlicht, Weihrauch liegt in der Luft, Chorgesang erfüllt die Kathedrale – und etwa 200 Gläubige der Pfarreien Bartreng-Stroossen Saint-Jean XXIII sowie Mamerdall Saint-Christophe hoffen in ihrer Messe auf die Fürsprache der Trösterin der Betrübten. 

Um 2.45 Uhr in der Nacht haben sich die ersten Pilger aus der Pfarrei Mamerdall zu Fuß in Richtung Hauptstadt gemacht. Von Keispelt über Kehlen, Nospelt, Mamer und Bridel ging es zur Kathedrale. „Ein wunderschöner Weg, perfekt zum Beten und Singen“, so Abbé Jean-Pierre Reiners.

Die Pilger der Pfarrei Bartreng-Stroossen sind an diesem Morgen, wenngleich mit 5.30 Uhr auch etwas später, ebenfalls gestartet, wie Pfarrer Paul Goerens erzählt. Das Ziel: Die gemeinsame Messe für die beiden Pfarreien. Gute Stimmung herrscht bei den Pilgern, freundliche Wetterverhältnisse tun ihr Übriges.

Immer weniger Kinder

Und dennoch, etwas fällt immer mehr ins Gewicht, wie die beiden Geistlichen sagen: „Die Zahl der Prozessionsteilnehmer sinkt von Jahr zu Jahr – immer weniger Kinder nehmen an den Wallfahrten ihrer Pfarreien teil. In den vergangenen Jahren haben auch Kinder Fürbitten gelesen, die sind nun weggefallen.“ Das liege zum einen an der Abschaffung des Pilgertages, andererseits seien auch viele Menschen beruflich zu sehr eingespannt, um an den Messen teilzunehmen, da sind sich die beiden auch einig.

Es sind weitere kleine Veränderungen, die diese Tendenz bestätigen. So etwa in der Pfarrei von Paul Goerens. Wurden die Wallfahrtsteilnehmer der Pfarrei Bartreng-Stroossen in den vorigen Jahren ab der Kirche in Belair bis zur Kathedrale von einem Musikverein begleitet, wird nun bis zur Ankunft in der Kathedrale selbst gesungen und gebetet. Der Grund: Es nehmen kaum noch Musikanten an der Wallfahrt teil

Auch die Pfarrei Mamerdall erlebt Veränderungen auf ihrem Weg. Hat sich die Pilgergruppe der Pfarrei Saint- Christophe früher noch am Glacis getroffen und ist schließlich über den Boulevard Royal zur Kathedrale gelangt, hat sich der Weg der Gruppe dieses Jahr verändert – von der Mëchelskierch über die Corniche führt er nun. Die vielen Baustellen in der Hauptstadt machten den ehemaligen Weg zu gefährlich, wie Reiners erzählt.

An der Uhr gedreht

Auch bei den Pfarreien Miersch Saint-François und Mëllerdall Saint-Michel fällt die Tendenz des Teilnehmerrückgangs auf. Die beiden Priester Félix Steichen und Robert Kuzwela Mundala haben sich etwas einfallen lassen, um diesem Trend entgegenzuwirken.


Die Muttergottesstatue im festlichen Gewand.
Feierlicher Auftakt der Muttergottesoktave
Gläubige und Pilger trotzten am Samstag Wind und Wetter, um gemeinsam vor und in der Kathedrale von Luxemburg den Auftakt der zweiwöchigen Oktave zu feiern. Ein Überblick in Bildern.

Die gestrige gemeinsame Messe der beiden Pfarreien wurde nicht, wie in den vorigen Jahren üblich, um 8.45 Uhr, sondern um 18.15 Uhr gehalten. Abbé Félix Steichen erklärt, warum: „Wir wollen mehr Menschen die Möglichkeit geben, an unserem Gottesdienst teilzunehmen. Nach Feierabend kommt der eine oder andere ja vielleicht noch spontan vorbei.“ Einziger Wermutstropfen: Das Fußpilgern ist vorerst – aufgrund der Uhrzeit – weggefallen.  

Und da ist noch etwas, das Steichen – genau wie Mundala, Goerens und Reiners auch – aufgefallen ist. „Die Besucher der Kathedrale im Zuge der Oktave verlagern sich immer mehr auf die Wochenenden“, so Steichen. Die vier Priester sind sich einig, dass Veränderungen nötig sind, um wieder mehr Menschen für die Wallfahrt zu begeistern. Und auch Flexibilität und Offenheit.

Apropos Veränderungen. In der Krypta der Kathedrale wurde gestern etwas Besonderes für Kinder sämtlicher Pfarreien ermöglicht: Ein biblisches Marionettentheater mit anschließender Andacht und Segnung. Damit auch die, die morgens die Schule besuchen mussten, ein bisschen Oktave erleben konnten. 


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