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Mutmaßlicher Tippgeber identifiziert, aber nicht überführt
Im Prozess gab ein Kriminalermittler gestern die Aussagen der Angeklagten im Polizeiverhör wieder.

Mutmaßlicher Tippgeber identifiziert, aber nicht überführt

Foto: Pierre Matgé
Im Prozess gab ein Kriminalermittler gestern die Aussagen der Angeklagten im Polizeiverhör wieder.
Lokales 2 Min. 16.10.2018

Mutmaßlicher Tippgeber identifiziert, aber nicht überführt

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Nach einem brutalen Raubüberfall am 23. Dezember 2008 in Bereldingen wird nun fünf Franzosen der Prozess gemacht. Der Fall scheint klar, doch eine Frage bleibt offen: Wer war der Auftraggeber?

Sein Name wird im Prozess genannt, ob er aber tatsächlich der Auftraggeber des außerordentlich brutalen Raubüberfalls am 23. Dezember 2008 in Bereldingen ist, konnte bislang noch nicht ermittelt werden.

Während der Fall ansonsten sehr klar scheint, bleibt die eine Frage offen: Woher wussten die Täter aus dem lothringischen Forbach, unweit von Saarbrücken, dass in der Wohnung eines älteren Ehepaars im zweiten Stock einer Mehrfamilienhauses in Bereldingen in einem Schrank ein Geldschrank mit hochwertigem Inhalt stehen würde.

„Ein Team zusammenstellen ...“

Eine Antwort auf diese Frage liefert nach langem Hin und Her und in einem nicht ganz widerspruchsfreien Geständnis gegenüber der Polizei einer der fünf Angeklagten im Prozess. Sendy F. sagt aus, dass er vom Snackbesitzer Kenal D. aus Forbach für den Raubüberfall in Luxemburg rekrutiert worden sei. Der habe ihm gesagt, er solle ein Team zusammenstellen: Ein junges Paar suchen, mit möglichst freundlichem und hellhäutigem Aussehen, das sich als Käufer für die Wohnung in Bereldingen vorstellen sollte – ein nettes junges Paar, das leicht Zugang zur Wohnung erhalten und das Vertrauen der Besitzer erlangen würde.

Ihm und einem anderen Bekannten, Marouan H., solle das junge Paar die Tür öffnen, um den Bewohnern Angst zu machen, damit sie die Zahlenkombination des Tresors herausgeben. Dass es anders kam, dass das ältere Paar über Stunden bedroht und misshandelt wurde, davon will er nichts wissen.


Das Urteil ergeht am 17. Oktober.
Täter schlagen älteres Ehepaar in eigener Wohnung nieder
Nach einem außerordentlich brutalen Raubüberfall am 23. Dezember 2008 in Bereldingen wird nun, fast zehn Jahre später, fünf Franzosen der Prozess gemacht.

Sendy F. belastet aber nicht nur den mutmaßlichen Auftraggeber Kenan D., der jegliche Tatbeteiligung bestreitet und sich im Prozess nur von seinem Anwalt vertreten lässt, sondern er liefert auch gleich einen ernst zu nehmenden Hinweis auf dessen Hintermann.

Kenan D. habe ihm verraten, dass er von einem anderen Restaurantbesitzer aus dem lothringischen Grosbliederstroff auf das ältere Ehepaar angesetzt worden sei. Dessen Familie habe 2008 in Luxemburg eine Immobiliengesellschaft betrieben, die auch mit dem Verkauf der Wohnung in Bereldingen beauftragt worden war. Ein Mitarbeiter der Immobiliengesellschaft soll zudem Fotos von der Wohnung gemacht haben, auf denen auch der Geldschrank zu sehen ist.

Die Ermittler gehen dieser Spur nach. Doch ergiebig ist sie nur teilweise. Es ist offensichtlich, dass sich Kenan D. und der Ex-Immobilienhändler gut kennen. Allerdings genießt dessen Familie in Frankreich einen einwandfreien Leumund und es kann keinerlei weitere Verbindung zum Raub, als die Existenz der Immobilienfirma nachgewiesen werden. Und so enden die Ermittlungen in diesem Prozess bei Kenan D.

Opfer identifiziert Angeklagte

Nachdem am Dienstag, das inzwischen 85-jährige Opfer den brutalen Überfall auf sie und ihren inzwischen verstorbenen Mann eindrucksvoll schilderte und sie im Anschluss alle vier anwesenden Angeklagten zweifelsfrei identifizierte, werden ab Mittwoch voraussichtlich die Beschuldigten selbst zu Wort kommen.