Müll ohne Grenzen
Luxemburg exportiert nicht nur Sondermüll, es importiert auch größere Mengen an Problemstoffen. Wie Umweltministerin Carole Dieschbourg (Déi Gréng) in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Frage der DP-Abgeordneten Max Hahn und Claude Lamberty erläutert, werden pro Jahr rund 2,7 Millionen Tonnen Abfälle importiert. Es handelt sich dabei ausschließlich um Stoffe, welche von nationalen Industriebetrieben benötigt und weiterverarbeitet beziehungsweise recycelt werden. Dazu gehören 2,3 Millionen Tonnen Schrott für die Stahlindustrie, 137 131 Tonnen Hochofenschlacke für die Zementherstellung sowie andere Metalle für die Aluminiumindustrie. Importiert werden aber auch Kunststoffe, pflanzliche Abfälle für Biogasanlagen sowie Altreifen als Brennstoff für die Zement- und Stahlindustrie.
Export in die Nachbarländer
Im Gegenzug hat Luxemburg 2015 laut der Umweltministerin insgesamt 1,9 Millionen Tonnen Abfälle für Recyclingzwecke exportiert, 230 479 Tonnen wurden zur Entsorgung ins Ausland gebracht. 97 Prozent der exportierten Abfälle wurden dabei in die Nachbarländer Deutschland, Frankreich und Belgien gebracht, es handelt sich in der Hauptsache um Bauschutt. Wegen der Schließung der Deponie in Monnerich wurde 2015 doppelt so viel Bauschutt exportiert wie in den fünf Jahren zuvor. Luxemburg hat aber auch Gefahrenstoffe exportiert, 2015 waren dies insgesamt 267 330 Tonnen. Unter die Gefahrenstoffe fällt auch verunreinigter Bauschutt, der in Luxemburg mangels Deponie nicht entsorgt werden kann.
Rund 37 000 Tonnen Plastikmüll fielen im Jahre 2015 in Luxemburg an. Die Recyclingquote lag bei den Kunststoffabfällen im gleichen Jahr bei 32,5 Prozent. Das sehr selektive Sammelsystem macht Exporte nach China überflüssig. China hat seit Anfang des Jahres den Import von insgesamt 24 Abfallsorten verboten, weitere Materialien sollen später folgen. Laut Robert Schmit, Direktor der Umweltverwaltung, stellt dies für Luxemburg aber kein Problem dar, da ohnehin kein Müll direkt nach China exportiert wird.
Kein Müll nach China
Im Gegensatz zu Deutschland, wo jegliche Kunststoffabfälle im Gelben Sack gesammelt wurden, wird in Luxemburg darauf geachtet, die verschiedenen Qualitäten getrennt einzusammeln. Dies gilt insbesondere für die blauen Valorlux-Säcke. Die Plastikabfälle aus Luxemburg wandern zum großen Teil zum Recycling in die Nachbarstaaten. So werden PET-Flaschen in Frankreich geschreddert. Das Material wird reimportiert und von der Firma Plastipak/LuxPET in Niederkerschen bei der Herstellung neuer PET-Formen wiederverwendet. Kunststoff wird zudem nur in die Nachbarstaaten beziehungsweise in andere EU-Staaten exportiert. Allerdings könne man nicht zu 100 Prozent ausschließen, dass am Ende doch noch Abfälle aus ausländischen Sortieranlagen in China landen. Die Umweltverwaltung hat keine Kontrollmöglichkeiten mehr, sobald der Müll die Grenze überschritten hat.
Luxemburg setzt aber vor allem auf die Vermeidung dieser Abfälle. Das Einführen des EcoSac-Systems, die seit dem 1. Januar gesetzlich eingeführte Kostenpflicht für Plastiktüten, der Ausbau von Mehrwegsystemen oder die Werbung für Leitungswasser anstatt Kunststoffflaschen sind Beispiele dafür. Was die nicht wiederverwertbaren Kunststoffe betrifft, so werden diese über die grauen Müllsäcke gesammelt. Die Abfallsyndikate Sidor und Sigre entsorgen diese Abfälle, rund 144 000 Tonnen pro Jahr, integral in der Müllverbrennungsanlage in Leudelingen. Im Gegensatz dazu durchlaufen die Kunststoffabfälle im Abfallsyndikat Sidec eine weitere Trennungsphase.
Entsorgung im Muertendall
Auf Fridhaff werden dabei die Plastikabfälle vom Restmüll getrennt und dann erst in Leudelingen verbrannt. Dabei fallen rund 16 000 Tonnen Kunststoffabfall pro Jahr an. Der Restmüll wird dann nach mechanischer und biologischer Behandlung auf der Deponie Muertendall entsorgt. Dabei handelt es sich laut Ministerin Dieschbourg um etwa 15 000 Tonnen. Welcher Anteil an Kunststoff sich dann noch im bearbeiteten Restmüll befindet, ist laut Dieschbourg nicht mit letzter Sicherheit festzustellen.
