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Monkeler: Noch immer ungelöste Fragen
Lokales 3 Min. 09.09.2019

Monkeler: Noch immer ungelöste Fragen

Sauber ist anders: Das Abflussrohr der Industriezone Monkeler mündet in den Kiemelbach.

Monkeler: Noch immer ungelöste Fragen

Sauber ist anders: Das Abflussrohr der Industriezone Monkeler mündet in den Kiemelbach.
Foto: Jacques Ganser
Lokales 3 Min. 09.09.2019

Monkeler: Noch immer ungelöste Fragen

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Die ehemalige Schlackenhalde in Monnerich und die Industriezone Monkeler belasten die Alzette.

Die Belastung des Oberlaufs der Alzette zwischen der französischen Grenze und dem Roeserbann bleibt weiterhin ein Reizthema. Im Rahmen der Flusspartnerschaften, an der sich die Gemeinden Esch/Alzette, Schifflingen, Sassenheim, Bettemburg, Roeser, Schifflingen,Kayl und Monnerich beteiligen, gab es wiederholt Kritik an der Arbeitsweise des Wasserwirtschaftsamts. Es werde viel gemessen und Hypothesen würden aufgestellt, die eigentlichen Verschmutzungsquellen würden aber nicht wirklich beseitigt.

Der Schifflinger CSV-Bürgermeister und aktuelle Vorsitzende des Gewässervertrags, Paul Weimerskirch, kritisiert in diesem Zusammenhang seit Jahren die Zustände in der nationalen Industriezone Monkeler. Das Wasserwirtschaftsamt weist die Vorwürfe zurück und erklärt, man arbeite nach den Vorgaben der EU-Rahmenrichtline.

Verschmutzung bleibt

Fakt ist, dass die Industriezone auch heute noch, Jahre nach den ersten Beanstandungen, eine zumindest optisch deutlich wahrnehmbare Schmutzfracht in die Kiemelbach entlädt. Die gelbliche Sedimentfracht, die sich aus einem Abflussrohr nahe der A 4 in den Bach ergießt, ist mit bloßem Auge zu erkennen. Alles Leben im Bach ist ab hier erloschen.

Der Kiemelbach hat dabei einen schwierigen Weg hinter sich: Zuerst passiert er bei Monnerich die ehemalige Schlackenhalde mit ihren historischen Altlasten. Asche, Schlacke und schwermetallhaltige Schlämme lagerte die Stahlindustrie hier jahrzehntelang ab, die Gemeinde Esch nutzte die Halde zudem während Jahren als kommunale Abfalldeponie. Dass keine Sickerwässer in den Bach dringen, kann niemand zu 100 Prozent garantieren.

Blei, Zink, Cadmium

Das Labor Biomonitor hatte bereits 2014 die giftigen Schwermetalle Blei, Zink und Cadmium im Bach festgestellt. 2016 bestätigte das Umweltministerium auf Nachfrage hohe Nitritwerte, weiter wurden Ammonium und organischer Kohlenstoff festgestellt. Verursacher: unklar. Neben der ehemaligen Schlackenhalde, die später als Bauschuttdeponie genutzt wurde und durch einen Erdrutsch traurige Berühmtheit erlangte, ist die Industriezone Monkeler ein weiterer Belastungsfaktor.


Die Verschmutzungseinträge in die Kiemelbach sind mit bloßem Auge sichtbar.
Belastungsquellen unbekannt
Obwohl seit Jahren versucht wird, die Belastungsquellen des Alzette-Oberlaufs ausfindig zu machen, sind präzise Ergebnisse bisher Mangelware.

Untersuchungen des Kanalsystems der Industriezone hatten bereits 2014 gezeigt, dass Oberflächenwasser und Abwässer nicht, wie eigentlich vorgeschrieben, getrennt abflossen, sondern sich wegen Fehlanschlüssen im Kanallabyrinth vermischten und später im Kiemelbach sowie in der Alzette mündeten.

In einer Antwort auf eine parlamentarische Frage im Jahre 2016 musste Umweltministerin Carole Dieschbourg noch zugeben, dass das gesamte Kanalnetz vor Ort so veraltet und komplex sei, das nicht genau geklärt werden konnte, wo die Belastungen eigentlich herstammten. In einer weiteren parlamentarischen Anfrage hat der CSV-Abgeordnete Marc Spautz nun anfangs dieses Jahres noch einmal nachgehakt.

Chaotisches Kanalsystem

Was die konkrete Abwässerproblematik im Kiemelbach betrifft, so verweist Dieschbourg auf die Zuständigkeit der Équipe d'intervention pollution des Wasserwirtschaftsamtes. Eine akute Verschmutzung sei demnach nicht gemeldet worden. Innerhalb der Industriezone bestehe zudem im Prinzip eine Trennung von Regenwasser und Abwässern. Wegen der immer wieder auftauchenden Belastung der Alzette in der Nähe der Industriezone sei das Kanalsystem inspiziert worden, dabei seien auch eine Reihe von Fehlanschlüssen festgestellt worden, so Dieschbourg. Einige davon hätten bereits korrigiert werden können, bei anderen sei man erst in der Planungsphase.

Zugleich räumte die Ministerin ein, dass bei Umweltkontrollen eine Reihe von Unternehmen wegen verschiedener Beanstandungen auffielen und nachbessern mussten. In einigen Fällen beschränkte sich dies auf das Fehlen von Dokumenten oder das Nichtdurchführen von Umweltkontrollen seitens unabhängiger Institute. Die Betriebe wurden laut Ministerin aufgefordert, die Versäumnisse nachzuholen. Größere Verfehlungen wurden aber nicht festgestellt.

Renaturierung und Sanierung

Die Grundbelastung für die Alzette bleibt in diesem Falle also zumindest vorläufig weiter bestehen. Trotzdem gibt es zwei gute Nachrichten. Zum einen hat die Schifflinger Gemeinde die Renaturierung des Kiemelbach im Zuge der Schaffung der Gewerbezone Op Herbett beschlossen. Dies dürfte zu einer Verbesserung der Wasserqualität auch in der Alzette beitragen.

Auf der anderen Seite ist ArcelorMittal zurzeit damit beschäftigt, die Kühlwasserweiher in Belval zu reinigen. Der Giftmix aus Schwermetallen und Arsen, der sich hier im Schlamm ansammelte, ergoss sich jahrzehntelang über den Dipbach in die Alzette.


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