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Mobbing im Büro: Wenn die Arbeit zur Hölle wird
In den meisten Fällen sind es hierarchisch höher gestellte Personen, die Mitarbeiter schikanieren. Dies führt nicht nur zu mitunter schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen bei der betroffenen Person, sondern kostet 
Unternehmer und Wirtschaft noch dazu viel Geld.

Mobbing im Büro: Wenn die Arbeit zur Hölle wird

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In den meisten Fällen sind es hierarchisch höher gestellte Personen, die Mitarbeiter schikanieren. Dies führt nicht nur zu mitunter schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen bei der betroffenen Person, sondern kostet 
Unternehmer und Wirtschaft noch dazu viel Geld.
Lokales 2 Min. 13.06.2018

Mobbing im Büro: Wenn die Arbeit zur Hölle wird

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
An seinem Arbeitsplatz verbringt man viele Stunden. Doch werden diese für Tausende Beschäftigte tagtäglich zur Qual. Die Fälle von Belästigung im Büro nehmen zu – auch in Luxemburg, wie die Mobbing asbl. feststellen muss.

Oft beginnt es damit, dass sich die Kollegen abwenden, nicht mehr mit der Person reden. Dann werden weitere Mitarbeiter dazu angestiftet, sie zu ignorieren. Es wird gelästert, der Ruf der Person wird geschädigt. Sie wird isoliert, in ein anderes Büro versetzt, vielleicht sogar in einen Kellerraum. Es werden ihr andere Aufgaben zugeteilt. Vielleicht wird die Person mit Arbeit überhäuft, oder aber ihr wird überhaupt nichts mehr anvertraut. Womöglich wird sie sogar angewiesen, vollkommen sinnfreie Tätigkeiten auszuführen.

„Mobbing ist in Luxemburg noch lange nicht zu Ende“, unterstreicht Monique Breisch, Leiterin der Mobbing asbl., die Betroffenen seit vielen Jahren zur Seite steht. Im Gegenteil: Die Zahl der Fälle, mit der die Vereinigung Jahr für Jahr konfrontiert wird, nimmt kontinuierlich zu. 2017 wurde die Beratungsstelle insgesamt 1 760 Mal telefonisch kontaktiert. Von den 412 830 Arbeitnehmern in Luxemburg werden statistisch gesehen rund neun Prozent gemobbt – was 37 154 Personen entsprechen würde, erklärt Monique Breisch.

Schikaniert bis zum Suizid

Besonders erschreckend: Vergangenes Jahr äußerten 57 Personen im Gespräch mit den Mitarbeitern der Vereinigung Suizidgedanken, zehn Personen hatten gar einen Versuch unternommen, ihrem Leben ein Ende zu setzen. „Dieses Jahr, bis Ende Mai, hatten wir bereits acht Personen, die versucht haben, sich das Leben zu nehmen – weil sie auf ihrer Arbeit gemobbt wurden“, schildert Monique Breisch.

Anhand der 201 Dossiers, die die Mobbing asbl. vergangenes Jahr behandelt hat, konnte die Vereinigung detaillierte Angaben über die Hintergründe des Phänomens zusammenstellen. Demnach seien laut Monique Breisch Mittel- und Kleinunternehmen am häufigsten Schauplatz von Mobbing. Was die verschiedenen Sektoren angeht, so wurden die meisten Fälle im Handel verzeichnet, gefolgt von der Finanz- und Versicherungsbranche sowie den Services collectifs, sociaux et personnels. Einen vergleichsweise markanten Anstieg habe man bei den staatlichen Betrieben verzeichnet.

Täter oft Vorgesetzte

Was Täter und Opfer angeht, so passiere das Mobbing meist „von oben“ – sprich es ist ein Vorgesetzter, der seinen Mitarbeiter belästigt (48 Prozent der Fälle). Häufig schikanieren Chef und gleichgestellte Kollegen (37 Prozent) ihr Opfer auch gemeinsam. Lediglich in 15 Prozent der Fälle erfolgt das Mobbing durch einen Mitarbeiter in gleicher Position.

Bei den Opfern handele es sich derweil meist um Angestellte, die erst seit weniger als fünf Jahren in einem Betrieb arbeiten. „Es betrifft somit oft neu eingestellte Personen, die einer harmonischen Gruppe beitreten und dann als Störenfried wahrgenommen werden“, so Breisch, wobei es jedoch auch oft vorkomme, dass neue Mitarbeiter schlicht nicht richtig in ihre Arbeit eingewiesen werden.

Anti-Mobbing-Gesetz gefordert

Wie Monique Breisch berichtet, gibt es aber auch eine positive Tendenz. So werde die Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmern zusehends besser, das Bewusstsein für das Problem steigt. Die Vereinigung wird beispielsweise vermehrt um Schulungen zum Thema gebeten. Seit vielen Jahren fordert die Mobbing asbl. jedoch auch ein Gesetz, um Schikanen bei der Arbeit ein Ende zu bereiten – und eine einheitliche Definition. „Das Opfer soll als solches anerkannt werden – auch vor dem Gesetz“, so Monique Breisch.

Arbeitsminister Nicolas Schmit zufolge sei man denn auch dabei, ein solches auszuarbeiten. Er musste jedoch einräumen, dass es die Zeit nicht mehr erlaube, noch in dieser Legislaturperiode einen entsprechenden Gesetzentwurf einzureichen. „Trotzdem ist es nicht so, als ob wir gar nichts hätten“, so Schmit. Wenngleich es im Code pénal keinen spezifischen Eintrag zu Mobbing am Arbeitsplatz gebe, seien Strafbestände wie sexuelle Belästigung und harcèlement obsessionnel darin aufgeführt.


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