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Mit Plastikmännchen gegen Verkehrsrowdys
Lokales 5 Min. 07.02.2019

Mit Plastikmännchen gegen Verkehrsrowdys

Dass der Verkehr in Leudelingen unerträglich ist, darüber scheinen sich viele einig zu sein. Einige Anwohner
haben deshalb Plastikmännchen aufgestellt.

Mit Plastikmännchen gegen Verkehrsrowdys

Dass der Verkehr in Leudelingen unerträglich ist, darüber scheinen sich viele einig zu sein. Einige Anwohner
haben deshalb Plastikmännchen aufgestellt.
Foto: Luc Ewen
Lokales 5 Min. 07.02.2019

Mit Plastikmännchen gegen Verkehrsrowdys

Luc EWEN
Luc EWEN
Seitdem in der Leudelinger Ortsmitte Kanalarbeiten stattfinden, hat sich der Berufsverkehr verlagert. Das missfällt einigen Anwohnern. Manche haben sogar Plastikmännchen am Straßenrand aufgestellt.

Vor einigen Häusern in der Leudelinger Rue du Cimetière stehen kleine gelbe Männchen. Sie bestehen aus Plastik und halten rote Fähnchen in der Hand. Ihre Botschaft ist klar, sie steht in schwarzen Lettern auf ihrem Unterleib geschrieben: „Slow“. Autofahrer sollen das Rasen unterlassen.

Bürgermeisterin Diane Feipel kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, wenn man sie auf die Plastikmännchen anspricht. Legal seien die nicht. Aber bisher habe man sie geduldet. Anwohner haben sie aufgestellt. Es gebe einen gewissen Unmut wegen Geschwindigkeitsübertretungen in dem Viertel. „Niemand hält sich mehr an Verbote“, beklagt Diane Feipel und unterstreicht, dass regelmäßig Polizeikontrollen stattfinden.

Denn kurze Zeit, nachdem die aktuellen Arbeiten im Leudelinger Ortskern begonnen hatten, haben Autofahrer das Wohnviertel rund um die Rue du Cimetière als Schleichweg für sich entdeckt. Die Gemeinde reagierte, sperrte eine Einfahrt ins Viertel und verhängte bei zwei weiteren allgemeine Fahrverbote. Hat sich die Situation seither verbessert? Was sagen die Anwohner vor Ort?

„Besonders morgens und abends ist es hier sehr schlimm“

Die Plastikmännchen sollen die Fahrer dazu auffordern, langsam zu fahren.
Die Plastikmännchen sollen die Fahrer dazu auffordern, langsam zu fahren.
Foto: Luc Ewen

Nachfrage bei den Bewohnern eines der Häuser, vor denen ein Plastikmännchen seine Fahne gen Himmel hält: Dany Kail-Holper öffnet die Tür. „Die Plastikfigur hatten wir schon aufgestellt, ehe es die Baustelle in der Rue du Lavoir gab“, sagt sie.

Ein Problem mit Rasern habe es schon vorher gegeben. Die Familienmutter sorgt sich vor allem um ihre Kinder. Obwohl sich die Schule in direkter Nachbarschaft befindet, traut sie sich nicht, ihre Kinder zu Fuß auf den Schulweg zu schicken. Dabei ist während des Gesprächs an ihrer Haustür an diesem Vormittag kein Auto weit und breit zu sehen. „Ja, jetzt“, betont sie und verweist auf den Berufsverkehr. „Besonders morgens und abends ist es hier sehr schlimm“, klagt sie.

Wo ist mein Zebrastreifen?

Früher gab es vor ihrem Haus einen Fußgängerüberweg. Aber als die Tempo-30-Zone eingeführt wurde, mussten die Zebrastreifen weichen. „Man sagte uns, in einer solchen Zone dürften Fußgänger überall die Straße überqueren.“

Ein Argument, das Dany Kail-Holper nicht nachvollziehen kann, weil mit dem Recht, die Straße zu überqueren, anders als bei Zebrastreifen, kein Vorfahrtsrecht für Fußgänger verbunden ist.

Der Baustelle gibt sie nur bedingt die Schuld. Dass sich die Situation durch diese verschlechtert habe, will sie so nicht stehen lassen. „Am Anfang der Arbeiten war das vielleicht der Fall, aber seit einige Straßen gesperrt wurden, glaube ich, dass es eigentlich sogar besser wurde“, sagt Kail-Holper. Aber es kämen nach wie vor viele Lastwagen hier vorbei.

Leudelingen in zwei geteilt

Ihre Zustimmung für die Fahrverbote im Wohnviertel teilt in Leudelingen indes nicht jeder. So hatten sich Anwohner beim LW gemeldet, um sich über die neuen Regelungen zu beschweren. Leudelingen sei seither zwei geteilt, so das Argument. Dany Kail-Holper kann dies sogar zum Teil nachvollziehen.

Aber: „Leudelingen war immer ein kleines Dorf. Wenn nach und nach alle Baulücken gefüllt werden, dann wird das mit dem Verkehr in Zukunft immer schlimmer werden“, befürchtet sie. Wenn es nach ihr ginge, würden die Zebrastreifen wieder eingezeichnet. Das ist ihre wichtigste Forderung, neben weiteren verkehrsberuhigenden Maßnahmen. „Ideal wäre ein Shared Space, aber das liegt wohl im Bereich der Fantasie“, sagt sie lächelnd.

Ganz unterschiedliche Ansichten

Ganz anderer Ansicht ist einer ihrer Nachbarn. Der hat vom Gespräch mit Dany Kail-Holper erfahren und meldet sich wenig später beim LW, will aber seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Für ihn gab es nie ein Problem mit Rasern in der Rue du Cimetière.

Erst seit es die Baustelle gibt, sei die Situation unerträglich. Ein Shared Space in der Ortsmitte fände er nur bedingt gut. „Das würde in unserer Straße die Situation eher verschlechtern“, befürchtet er. Und so scheiden sich die Geister daran, was das Verkehrsproblem in Leudelingen verursacht und wie dem am besten beizukommen wäre.


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