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Mit Leib und Seele
Lokales 3 Min. 12.08.2017 Aus unserem online-Archiv
Auf zum "Gaalgebierg" an Mariä Himmelfahrt

Mit Leib und Seele

„O Herr, lass doch etwas bestehen!“
Auf zum "Gaalgebierg" an Mariä Himmelfahrt

Mit Leib und Seele

„O Herr, lass doch etwas bestehen!“
Foto: Edmond Ries
Lokales 3 Min. 12.08.2017 Aus unserem online-Archiv
Auf zum "Gaalgebierg" an Mariä Himmelfahrt

Mit Leib und Seele

Anne CHEVALIER
Anne CHEVALIER
Am kommenden Montag, 14. August sind alle Gläubigen aus den Pfarreien Beetebuerg-Fréiseng, Hesper-Réiser-Weiler, Diddeleng, Käldall und Umgebung zur diesjährigen Wallfahrt auf „Gaalgebierg“ eingeladen.

Am kommenden Montag, 14. August sind alle Gläubigen aus den Pfarreien Beetebuerg-Fréiseng, Hesper-Réiser-Weiler, Diddeleng, Käldall und Umgebung zur diesjährigen Wallfahrt auf „Gaalgebierg“ eingeladen.

Die Frage nach dem, was bleibt

„O Herr, lass doch etwas bestehen!“ Inspiriert von dieser Sehnsucht entdecken viele Menschen außerhalb der real beweisbaren Welt den Bereich des Geistes. Es geht gar nicht darum, die irdische Wirklichkeit schlecht zu reden, sondern es geht ehrlich um die Frage, was von all dem, was wir Menschen aufbauen, über alle Zeitlichkeit hinaus bleibt.

Proexistenz

Am 15. August gibt die Kirche eine konkrete Antwort und nennt den Namen Mariens, denn durch die Geburt unseres Heilands Jesus Christus trägt sie auf ungewöhnliche Weise zu etwas Ewigem und Unzerstörbarem bei. Mit ihrer außergewöhnlichen Lebenseinstellung tut Maria nichts für sich selbst. Mit Leib und Seele stellt sie sich Gott und den Menschen zur Verfügung und wird deshalb auch mit Leib und Seele von Gott in den Himmel aufgenommen. Wer alles gibt, stirbt nie! Solcher Art sind eben die Spielregeln des Reiches Gottes.

Osterfest des Sommers

Am Höhepunkts des Sommers, feiert die Kirche das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel und drückt so auf festliche Weise aus, dass auch wir Menschen nach unserem Tod nicht in Vergessenheit geraten, sondern von Gott mit Leib und Seele, in den Himmel aufgenommen werden. Wir hören, lernen und reden, wir riechen und fühlen, wir tasten und sehen, wir planen und arbeiten, 
wir setzen uns ein und geben alles, wir glauben, hoffen und lieben. Und weil wir uns mit Leib und Seele ganz einsetzen, deshalb finden auch unser Leib und unsere Seele höchste Anerkennung bei Gott. Dies ist die Botschaft vom Fest „Mariä Himmelfahrt“, dem „Osterfest des Sommers“. Der Weg Mariens ist unser Weg.

Brauchtumspflege

Das Fest Mariä Himmelfahrt steht in Verbindung mit dem Brauchtum der „Wëschsegnung“. Traditionell wird Maria als „Blume des Feldes“ (Hohelied 2,1) verehrt und seit dem 5. Jahrhundert als „heiliger Acker“ bezeichnet, der der Menschheit in der Geburt Jesu 
eine göttliche Ernte schenkte. Vor dem 15. August sammeln deshalb Christen Weizen-, Hafer-, Gersten- und Roggenhalme, um sie mit den Heilkräutern des Feldes und des Gartens zum sogenannten „Wësch“ zusammenzubinden.

FOTO: EDMOND RIES

Meine Großmutter lehrte mich die Getreide- und Kräuterarten kennen und in „meinem Wësch“ waren „Wees, Gärscht, Huewer a 
Koar“ als Getreide, „Muttergottesheerchen, Bettstréih, Klärten, Strëpp, Dueder, Béibes, Hoartnol a Kanéilentéih“ als Feldfrüchte und „Batteralzen, Dëll an eng Önn“ als Gartenkräuter zu finden. Wie Maria, so stellt auch diese hervorragende Pflanzenwelt der Menschheit ihre ganze Nähr- und Heilkraft uneigennützig zur Verfügung. Nach dem Gottesdienst werden die geweihten Kräuter nach Hause getragen und je nach Brauch hängt man sie im Stall oder in der Scheune auf. Bei Erkrankungen der Menschen kocht man von den Kräutern auch Tee. Auch wenn wir heute Apotheken und Tierärzte haben, so sollten wir doch die alten Bräuche pflegen, denn wenn sie sterben, dann gehen Werte verloren.



Die Bräuche sind so wichtig wie die Freiheit, denn sie vermitteln uns Menschen ein Gefühl dafür, wer wir sind und wohin wir gehören. Gleichzeitig erinnern sie uns stets daran, dass wir nicht nur eingebunden sind in Raum und Zeit, sondern auch in die Ewigkeit. Und mit dem Brauch, den „Wësch“ dann auch noch in den Sarg unserer Verstorbenen zu 
legen, verbinden wir unser Gebet: „O Herr, lass doch etwas bestehen!“

FOTO: EDMOND RIES

Der "Gaalgebierg"

Seit 1995 steht die neue Kapelle auf „Gaalgebierg“, an der rechten Seite der Hauptstraße, die von Alzingen nach Frisingen führt. Vom 28. Dezember 1630 bis zur Französischen Revolution stand an dieser Stelle der Galgen, das Hoheitszeichen der Herrschaft von Weiler. In der Nähe des Galgens war eine Kapelle erbaut worden, zum Gedenken an die an diesem Ort Hingerichteten. Nachdem die Kapelle im Laufe der Zeit den Witterungsbedingungen und Kriegswirren zum Opfer gefallen war, errichtete die Familie Friedrich-Trausch aus Roeser im Jahre 1995 eine neue Kapelle und seither treffen sich dort am Vorabend von Mariä Himmelfahrt viele Pilger zur Eucharistiefeier und „Wëschsegnung“.

Ablauf

Um 19 Uhr startet am Eingang der Ortschaft Roeser am Ort genannt „Théilekräiz“ die Prozession der Fußpilger und um 19.30 Uhr beginnt auf „Gaalgebierg“ die Festmesse. Nach dem Gottesdienst erhält jede Familie einen kleinen „Wësch“. Bei schlechten Witterungsbedingungen findet die Eucharistiefeier um 19.30 Uhr in der Pfarrkirche in Roeser statt.

Abbbé Edmond Ries, Dechant des Dekanats Süden-Osten


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