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Mit Flüchtlingen Französisch lernen
Lokales 3 Min. 24.10.2017 Aus unserem online-Archiv
Sprachkurse der ASTI

Mit Flüchtlingen Französisch lernen

Das Lesen der lateinischen Buchstaben ist für viele arabischsprachigen Menschen bereits eine erste Herausforderung.
Sprachkurse der ASTI

Mit Flüchtlingen Französisch lernen

Das Lesen der lateinischen Buchstaben ist für viele arabischsprachigen Menschen bereits eine erste Herausforderung.
Foto: Reuters/LW-Archiv
Lokales 3 Min. 24.10.2017 Aus unserem online-Archiv
Sprachkurse der ASTI

Mit Flüchtlingen Französisch lernen

Sophie HERMES
Sophie HERMES
Das Erlernen der Sprache ist für viele Flüchtlinge ein erster Schritt zur Integration. Um das Französische über den Sprachkurs hinaus üben zu können, sucht die ASTI nach Freiwilligen, die den Teilnehmern zur Seite stehen.

(SH) - Wer in einem fremden Land ankommt, steht vor vielen Herausforderungen. Insbesondere dann, wenn er die Sprache kaum oder gar nicht versteht.

Vielen Flüchtlingen ist diese Situation alles andere als fremd. Um ihnen den Einstieg in ihr neues Leben zu vereinfachen, bietet die „Association de Soutien aux Travailleurs Immigrés“ (ASTI) ihnen Französischkurse an. „Die Sprache ist immer der erste Schritt in eine neue Gesellschaft und sie vereinfacht den Zugang zum Arbeitsmarkt“, erklärt Sara Scheer von der ASTI.

Rund 200 Menschen nehmen seit Ende September und noch bis Anfang Februar an einem der neun Kurse, die von der Vereinigung angeboten werden, teil. Dabei liegt nicht in allen Kursen der Akzent gleich zu Beginn auf dem Französischen. „In drei Kursen wird das lateinische Alphabet gelehrt“, erklärt Sara Scheer. Denn viele arabischsprachige Kursteilnehmer können zwar lesen, sie verstehen jedoch nur ihre Schriftzeichen und nicht die in Luxemburg gängigen Buchstaben.

13 Nationen, eine Sprache

In den sechs weiteren Kursen wird Französisch gelernt. Dabei sind die Teilnehmer entsprechend ihrer Niveaustufe – vom Anfänger bis hin zur selbstständigen Sprachverwendung – aufgeteilt. Kurssprache ist von Beginn an Französisch. Auch, weil es wohl viel zu schwierig wäre, einen anderen gemeinsamen Nenner zu finden. Denn die Teilnehmer könnten unterschiedlicher kaum sein. „Die Kurse werden vor allem von Flüchtlingen besucht, sie sind aber für jeden offen“, erklärt Sara Scheer. Und so drücken Menschen von 13 unterschiedlichen Nationalitäten gemeinsam die Schulbank. Unter ihnen befinden sich hauptsächlich Syrer, Iraker und Eritreer. Einige Deutsche und Portugiesen sind jedoch auch eingeschrieben. Ein Drittel der Teilnehmer sind Frauen, zwei Drittel Männer.

Versteht jedoch ein Teilnehmer das Französische nicht auf Anhieb, so stellt dies kein Problem dar. „Die Kursteilnehmer helfen sich in solchen Fällen gegenseitig“, sagt Sara Scheer. Zudem kann auch ein Mitarbeiter der ASTI, der Arabisch spricht, als Übersetzer einspringen.

Freiwillige gesucht

In der Regel machen die Teilnehmer jedoch recht schnell Fortschritte. Dies vor allem auch, da die Schulung recht intensiv ist. Vier Mal pro Woche werden in Mersch zwei (Alphabetisierung) bis drei Stunden (Französisch) unterrichtet. Während die Alphabetisierungskurse von Freiwilligen geleitet werden, so werden die Französischkurse von vom Bildungsministerium zugelassenen Lehrern abgehalten. Möglich ist dies durch die Unterstützung der „Oeuvre Nationale Grande-Duchesse Charlotte“. Dennoch greift die ASTI auch hier auf Freiwillige zurück. Auf der Suche nach solchen befindet sich die Vereinigung derzeit. „Jeder kann sich melden. Er sollte lediglich gute Französischkenntnisse mit sich bringen – und die nötige Zeit“, so Sara Scheer.

Zwei Mal pro Woche – dienstags und donnerstags wahlweise morgens oder nachmittags – sollen diese den Teilnehmern in kleinen Gruppen von vier bis fünf Leuten beim Praktizieren der Sprache helfen. „Es ist wichtig, dass die Freiwilligen die nötige Zeit aufbringen, da die Lernenden Zeit brauchen, um Vertrauen aufzubauen. Die Lehrer bereiten die Übungen vor, einige Freiwillige bringen jedoch auch eigene Ideen mit“, erklärt Sara Scheer.

Der Erfolg gibt dem Konzept recht. Zwischen März und Juli haben 161 der 225 eingeschriebenen Schüler mindestens an 70 Prozent der Kurse teilgenommen und ihr Diplom erhalten. Allein den Französischkurs haben 93 der 112 Teilnehmer erfolgreich abgeschlossen. Für den Erfolg der Kurse spricht auch der hohe Andrang bei den Anmeldungen. Einige Interessenten schaffen es deshalb nur auf die Warteliste.

Lernwillige zusammenbringen

Doch das Angebot der ASTI beschränkt sich nicht nur auf die Sprachkurse in Mersch. Drei Mal pro Woche werden in der Hauptstadt sogenannte Gesprächstische in luxemburgischer und französischer Sprache abgehalten. Auch hier greift die Vereinigung auf die Hilfe von Freiwilligen zurück. Ziel der „Tables de conversation“ ist es, Teilnehmer der Sprachkurse mit anderen Lernwilligen zusammenzubringen – und natürlich die Sprache weiter zu praktizieren.

„Die Kurse sind Teil eines sozial-professionellen Inklusionsprojektes“, erklärt Sara Scheer weiter. Dies bedeutet, dass die ASTI den Ausländern auch noch zur Seite steht, wenn sie ihre Schulung abgeschlossen haben, beispielsweise indem man ihnen hilft, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen oder eine Wohnung zu finden.

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