Mit Feuer in den Frühling
Mit Feuer in den Frühling
(bl) - Wenn die Faschingswoche zu Ende ist, steht sonntags traditionsgemäß das „Buergbrennen“ in Luxemburg an. Ein traditionsreiches Fest, bei dem alte Bekannte sich wiedersehen sowie alle in der Faschingswoche verreisten Familien ihre Urlaubserfahrungen untereinander austauschen können. Am Wochenende ist es wieder so weit.
Ursprünge der Tradition
Der Brauch des „Buergbrennens“ geht auf eine Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausend alte Tradition zurück. Vor dem Hintergrund, dass Traditionen und Bräuche sich im Laufe der Zeit ändern und sich aktuellen Verhältnissen anpassen, ist es entsprechend schwierig, die „eine“ Interpretation des Brauches ausfindig zu machen.
Eine Deutung des Brauchtums, welche aber allgemeine Zustimmung in der Bevölkerung findet, ist, dass mit dem Anzünden der Burg die „bösen Geister“ des Winters vertrieben und damit der Frühling begrüßt werden kann. Dieser Brauch soll aus der naturverbundenen keltischen Kultur stammen.
Eine andere Interpretation führt auf das Neujahrsfest des antiken Roms zurück, das bis vor 153 v. Chr. am ersten März stattfand und somit den Zeitpunkt unseres „Buergbrennens“ in etwa erklären könnte. Wahrscheinlich ist demnach, dass das heutige Fest dem aus vergangenen Epochen nicht mehr ganz entspricht.
„Buergbrennen“ verbindet
Heute ist das „Buergbrennen“ ein klassisches Gemeinschaftsfest. Leute jeden Alters und unterschiedliche Vereine bringen sich ein. Sei es beim Zubereiten des „Ierzebulli“, der „Bouneschlupp“, des Glühweins oder bei der Verteilung von Tombolalosen.
Für den Bau der „Burg“ sind in vielen Dörfern die lokalen Feuerwehrvereine, Pfadfinder, „Club des jeunes“, Landwirte oder gar dafür eigens gegründete Vereinigungen zuständig. Diese sammeln von den Dorfbewohnern bereitgestellte Äste, alte Weihnachtsbäume oder sonstiges Brennmaterial ein.
Die Form der „Burg“ ist dabei meistens ein klassisches Kreuz, welches wenig mit einer richtigen Burg zu tun hat. „Burg“ stammt nämlich von „comburo“; dem lateinischen Verb für „brennen“. Für das Anzünden ist, nach einem bis heute erhaltenen Brauch, in verschiedenen Gemeinden das zuletzt verheiratete Paar verantwortlich.
In verschiedenen Regionen machten sich die Vereine der Nachbarsdörfer einst den Spaß, in der Nacht zum „Buergsonndeg“ die Burg der „Lokalrivalen“ anzuzünden, um deren Fest zu vermiesen. Ein Wächter steht deshalb heute noch mancherorts über Nacht vor der Burg, denn der Erlös aus dem Fest stellt oft den Großteil des Jahresbudgets lokaler Feuerwehrvereine dar.
Ähnliche Traditionen
Nicht nur in Luxemburg gibt es die Tradition des Burgbrennens, sondern auch in der angrenzenden Eifel und im Schwabenland; hier allerdings unter anderen Namen. In der Eifel heißt das Pendant „Hüttenbrennen“. Auch hier soll der Winter vertrieben und gemeinsam gefeiert werden. Selbiges gilt für das „Funkenfeuer“ im Schwabenland.
Wenn's dann regnet...
Sollte es wie in den letzten Tagen weiterhin regnen, und das Material der Burg am „Buergsonndeg“ durchnässt sein, wissen sich einige Vereine zu helfen: Gut eine Stunde vor dem Anzünden der Burg wird trockenes Stroh in das Fundament der Burg gelegt. Dieses bekommt dann die nötige Hitze, um die Burg in Flammen aufgehen zu lassen.
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