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Missbrauchsprozess könnte neu aufgerollt werden
Lokales 3 Min. 03.05.2021

Missbrauchsprozess könnte neu aufgerollt werden

Missbrauchsprozess könnte neu aufgerollt werden

Foto: Lex Kleren / LW-Archiv
Lokales 3 Min. 03.05.2021

Missbrauchsprozess könnte neu aufgerollt werden

Ein ehemals Gesuchter von der EU-Most-Wanted-Liste beantragt eine Wiederholung seines Strafverfahrens.

(str) - Der Fahndungsdruck der EU-Most-Wanted-Liste ist kaum zu übertreffen: Via Europol wird die Internet-Liste der meistgesuchten Verbrecher Europas bis in die entlegensten Ecken des alten Kontinents getragen. Bei Nesat B. dauerte es zwei Tage bis er sich stellte. 

Nach ihm war gesucht worden, nachdem er in Luxemburg in Abwesenheit wegen des Missbrauchs eines siebenjährigen Mädchens in einer Flüchtlingsunterkunft in Foetz zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden war. 

Die Frage der Unterschrift 

Diese Verurteilung ficht der 42-jährige Kosovare nun an. Er habe sein Urteil aus dem Prozess nicht zugestellt bekommen. Jemand anderes habe an seiner Stelle den Empfangsbescheid unterzeichnet. Deshalb sei es ihm nicht möglich gewesen, vom Rechtsmittel der Opposition contre jugement Gebrauch zu machen – ein formaler Einwand, wenn es einem Beschuldigten nicht möglich war, an einem Prozess teilzunehmen. 


Vor Gericht: Der Haken an der Unterschrift
Formfragen stoppen am Dienstag den Prozessauftakt im Verfahren gegen Nesat B., der im vergangenen Oktober auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher Europas stand.

Das wolle er nun tun, in der Hoffnung, dass sein Fall nun ein zweites Mal verhandelt wird. Und dafür stehen die Chance nicht schlecht. 

Tatsächlich ist es nämlich so, dass der Verurteilte den Zustellungsbeleg gar nicht selbst unterzeichnen muss. Wie die Staatsanwaltschaft in einer ersten Verhandlung im Februar klargestellt hatte, reicht es aus, wenn er über das Urteil informiert ist. 

Inzwischen konnte ermittelt werden, dass die Unterschrift von einer Caritas-Mitarbeiterin stammte. Im Zeugenstand erklärte sie gestern, dass es damals üblich war, dass der Briefträger die Post bei der Heimleitung einreichte und diese den Briefverkehr dann zustellte. 


Luxemburgs meistgesuchter Sexualstraftäter stellt sich
Erst vor gut zwei Wochen hatte Luxemburg Nesat Bego auf die Liste der meistgesuchten Verbrecher Europas gesetzt. Am Donnerstagabend hat er sich nun gestellt.

Konkret daran erinnern, ob sie Nesat B. oder dessen Frau das Einschreiben ausgehändigt hat, konnte sie sich mehr als zwei Jahre später nicht mehr. Klar ist aber, dass das Paar kurze Zeit später nicht mehr auf der Liste der Heimbewohner geführt wurde. 

Der Verteidiger von Nesat B. stellte indes klar, dass sein Mandant Luxemburg zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen hätte. Der Klient habe das Urteil erstmals zu Gesicht bekommen, nachdem er sich den Luxemburger Behörden gestellt hatte. Und dann habe er fristgemäß seinen Oppositionsantrag eingereicht. 

Prozess möglicherweise im Juni 

Da nun der Nachweis fehlt, dass Nesat B. über seine Verurteilung informiert war, bleibt den Richtern kaum eine andere Wahl, als dem Antrag stattzugeben. Ihre Entscheidung wird die Kriminalkammer am 14. Mai bekannt geben. Geben die Richter dann grünes Licht für eine Neuauflage der Verhandlungen, dann könnten diese bereits im Juni stattfinden. 

Die Tochter der Nachbarn 

Im ersten Prozess im Januar 2019 war Nesat B. in Abwesenheit für schuldig befunden worden, im Februar 2016 die siebenjährige Tochter der Zimmernachbarn in einem Flüchtlingsheim in Foetz in sein Zimmer gelockt, ihr Frauenkleider angezogen und sie dann zu sexuellen Handlungen gezwungen zu haben. 


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Gegenüber der Polizei hatte der heute 42-Jährige die Tat stets bestritten. Er sagte, das Mädchen habe sich in sein Zimmer geschlichen, während er schlief. Dann habe die Siebenjährige sich die Kleider seiner Frau angezogen, sich eine Zigarette angezündet und sein Bier getrunken. Anschließend habe sie in erpresst, wenn er sie verpetzen würde, dann würde sie sagen, er habe schlimme Dinge mit ihr gemacht. 

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