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Missbrauchsprozess: die Suche nach der Wahrheit
Lokales 2 Min. 15.02.2020 Aus unserem online-Archiv

Missbrauchsprozess: die Suche nach der Wahrheit

Das Urteil ergeht am 12. März.

Missbrauchsprozess: die Suche nach der Wahrheit

Das Urteil ergeht am 12. März.
Foto: Guy Jallay
Lokales 2 Min. 15.02.2020 Aus unserem online-Archiv

Missbrauchsprozess: die Suche nach der Wahrheit

Ein Mann muss sich wegen Missbrauchs einer Vierjährigen vor Gericht verantworten. Er streitet die Vorwürfe ab. Auch der Ankläger fordert einen Freispruch.

(SH) - Seit sechseinhalb Jahren lasten schwere Vorwürfe wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen auf einem mittlerweile 32-jährigen Mann. Er selbst streitet alle Vorwürfe ab. „Eines ist sicher: Ich bin unschuldig“, so seine Worte. Nun darf er darauf hoffen, vom Bezirksgericht Luxemburg freigesprochen zu werden. Das forderte zum Abschluss des Prozesses zumindest der Vertreter der Staatsanwaltschaft.

Der Ankläger stimmte der Verteidigung zunächst zu, dass zwischen dem Vorfall und dem Verfahren eine überlange Frist vergangenen sei, dies, obwohl die Ermittlungen an sich recht schnell abgeschlossen waren.

Weiter betonte er, dass es wichtig sei, zu vermeiden, dass eine schuldige Person unbestraft bleibe. Es sei aber ebenso wichtig, zu vermeiden, dass eine unschuldige Person verurteilt wird, erklärte der Ankläger. Bei Missbrauchsprozessen sei die Lage nicht immer einfach. Und in diesem Fall gebe es Zweifel am Tatbestand.

Belastendes und Entlastendes

Der Mann war ins Visier der Ermittler geraten, nachdem ein vierjähriges Mädchen im Juli 2013 der neuen Partnerin seines Vaters von Schmerzen im Intimbereich erzählt hatte. Als die Frau nachfragte, ob und wobei sich das Kind wehgetan hatte, nannte dieses den Namen des neuen Partners der Mutter und fasste sich im Intimbereich an. Die Frau wandte sich an den Vater, der sich mit seiner Tochter zur Polizei begab.

In der Vernehmung erklärte das Mädchen, der neue Freund der Mutter habe ihr im Intimbereich wehgetan. Mehr sagte sie nicht. Allerdings fasste sie einem Teddybären in den Intimbereich, um zu zeigen, was der Mann mit ihr gemacht hatte.

Die Aussagen des Mädchens würden den Angeklagten wohl belasten, so der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Sie seien allerdings stets sehr vage gewesen. Es gebe zudem andere Elemente, die den Mann entlasten. So sei bei dem Mädchen wohl eine Rötung im Intimbereich festgestellt worden, dies sei allerdings erst mehrere Tage nach der mutmaßlichen Tat der Fall gewesen. Weiter stehe nicht fest, ob diese Rötung tatsächlich in Zusammenhang mit einem möglichen Missbrauch stehe.

Verletzungen, die auf eine Vergewaltigung hindeuten würden, wurden unterdessen nicht festgestellt. In der Vernehmung sei zudem gesagt worden, dass das Kind zum Zeitpunkt des Vorfalls einen Pyjama getragen und – wie üblich – im Bett zwischen dem Mann und seiner Mutter geschlafen hatte. Man wisse demnach nicht, ob der Mann das Mädchen nicht vielleicht aus Versehen berührt hatte, während er schlief.

Kompromittierende Bilder

Ganz ungestraft könnte der Mann dennoch nicht davon kommen. Denn bei einer Hausdurchsuchung waren auf seinem Laptop 34 kinderpornografische Bilder gesichert worden. Da diese gelöscht waren, ließ sich allerdings nicht mehr feststellen, wie sie auf den Laptop kamen. Der Angeklagte hatte versichert, nie nach solchen Bildern gesucht oder sich Fotos angeschaut zu haben. Er habe allerdings regelmäßig Bekannten seinen Computer geliehen.


Gericht - Prozesser - Photo : Pierre Matgé
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Es sei an den Richtern, zu entscheiden, ob der Mann wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material zu verurteilen sei. Aufgrund der relativ geringen Anzahl an Fotos und der überlangen Frist, die seit der Tat vergangen ist, sei jedoch höchstens eine Geldstrafe angebracht, so der Ankläger.

Die Richter geben ihr Urteil am 12. März bekannt.  

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