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Missbrauch: Vertuschungsvorwürfe gegen früheren Trierer Bischof Stein
Lokales 05.02.2020

Missbrauch: Vertuschungsvorwürfe gegen früheren Trierer Bischof Stein

Der Domfreihof in Trier. Zum Bischof-Stein-Platz hinter dem Dom geht es durch die Windstraße am linken Bildrand.

Missbrauch: Vertuschungsvorwürfe gegen früheren Trierer Bischof Stein

Der Domfreihof in Trier. Zum Bischof-Stein-Platz hinter dem Dom geht es durch die Windstraße am linken Bildrand.
Foto: Serge Waldbillig
Lokales 05.02.2020

Missbrauch: Vertuschungsvorwürfe gegen früheren Trierer Bischof Stein

Es sind schwerwiegende Vorwürfe: Bischof Bernhard Stein soll in den 1960er-Jahren Priester im Bistum Trier gedeckt, versetzt und zum Teil befördert haben, die des sexuellen Missbrauchs beschuldigt waren. Eine Betroffenen-Initiative fordert die Umbenennung des nach Stein benannten Platzes hinter dem Trierer Dom.

(KNA) - Missbrauchsopfer im Bistum Trier werfen dem früheren Trierer Bischof Bernhard Stein Vertuschung von Missbrauch vor. Der Historiker und Vorsitzende der Betroffenen-Initiative Missbit, Thomas Schnitzler, stellte am Dienstagabend in Trier Ergebnisse seiner Recherchen zur Rolle von Bischof Stein vor. Stein (1904-1993) war von 1967 bis 1980 Bischof in Trier. 

Schnitzler sagte, Stein habe in dieser Zeit von verschiedenen Personen Informationen zu Missbrauch durch Priester im Bistum erhalten. Anstatt Strafverfahren einzuleiten, habe der Bischof die Beschuldigten gedeckt, Priester systematisch versetzt und teilweise befördert. Konkret fordert die Initiative einen symbolischen Akt öffentlicher Verantwortungsübernahme. Der zentral in der Trierer Altstadt zwischen Dom und Diözesanmuseum gelegene Bischof-Stein-Platz solle umbenannt werden. Für eine Umbenennung schlug Schnitzler "Platz der Menschenwürde" vor. 

Bistum: "Umbenennung verfrüht"

Das Bistum Trier kündigte an, die Rolle Bischof Steins und dessen Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs im Zuge der bistumsweiten Aufarbeitung beleuchten zu wollen. Die Aufarbeitung werde nach den Kriterien durchgeführt, die mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung vereinbart wurden. "Vor dem Ergebnis einer solchen Aufarbeitung, für die es eine unabhängige Kommission geben wird, ist die Frage nach einer Umbenennung des Platzes verfrüht", so das Bistum. 


Zum Umgang der katholischen Kirche mit dem sexuellen Missbrauch
"Nur wenn sich die Kirche von diesem dogmatischen Status verabschiedet, kann sie bereit werden, radikale Veränderungen in ihrer Verfasstheit einzuleiten."

Schnitzlers Recherchen basieren den Angaben zufolge auf Personalakten von beschuldigten Priestern sowie Aussagen von Betroffenen und deren Umfeld. Der Historiker bezieht sich unter anderem auf einen Brief des damaligen Offizials an Bischof Stein, datiert vom 23. März 1968, der am Dienstagabend gezeigt wurde. Darin mahnt der Leiter des kirchlichen Gerichts den Bischof, ein Verfahren gegen einen mehrfach des Missbrauchs beschuldigten Kaplan im Bistum einzuleiten. Der Offizial empfahl demnach, den Kaplan zu suspendieren. In dem Schreiben heißt es: "Es erscheint mir untragbar, dass die genannten Verfehlungen ungesühnt bleiben." 

Es erscheint mir untragbar, dass die genannten Verfehlungen ungesühnt bleiben.  

Wie und ob Bischof Stein dem Offizial antwortete, ist nicht bekannt. In einem anderen Brief vom 1. Juli 1968 teilt der Bischof dem Kaplan jedoch mit, dass er ihn von Trier-Kürenz nach Bettingen in die Eifel versetze. Die beiden Briefe sind laut Schnitzler Teil der Personalakte des Kaplans, die Schnitzler als selbst Betroffener einsehen konnte.


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