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Missbrauch per Mausklick
Lokales 2 Min. 04.05.2017 Aus unserem online-Archiv
Fall von Kinderporno-Besitz am Bezirksgericht Diekirch

Missbrauch per Mausklick

Konsum und Besitz kinderpornografischen Materials ist ein umso schwerwiegenderes Delikt, als hinter diesem zugleich Ausbeutung und Missbrauch von Kindern in aller Welt stehen.
Fall von Kinderporno-Besitz am Bezirksgericht Diekirch

Missbrauch per Mausklick

Konsum und Besitz kinderpornografischen Materials ist ein umso schwerwiegenderes Delikt, als hinter diesem zugleich Ausbeutung und Missbrauch von Kindern in aller Welt stehen.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 2 Min. 04.05.2017 Aus unserem online-Archiv
Fall von Kinderporno-Besitz am Bezirksgericht Diekirch

Missbrauch per Mausklick

John LAMBERTY
John LAMBERTY
Mit einem in Ausmaß und Inhalt 
schockierenden Fall des Konsums kinderpornografischen Materials befasste sich am Donnerstag das Bezirksgericht Diekirch. Angeklagt ist ein Mann, der sich im Internet abertausende Bilder besorgt hatte.

(jl) - Es sind Zahlen, die wohl auch 
gestandene Ermittler fassungslos zurücklassen dürften: Mehr als 42 000 Fotos und über 5 000 
Videos weitgehend kinderpornografischer Natur hatte ein heute 32-jähriger Mann offenbar über mehrere Jahre hinweg zur Befriedigung seiner krankhaften Gelüste übers Internet heruntergeladen.

Bilder, die größtenteils minderjährige Mädchen – teils sogar Kleinkinder – bei der Ausübung sexueller Praktiken zeigten.

Zehntausende Fotos und
 Videos

Eine abscheuliche Sammlung, die als Teil einer weltweiten Nachfrage zugleich die Ausbeutung und den Missbrauch von Kindern stützt und für die sich der Mann am Donnerstag nun vor dem Bezirksgericht in Diekirch verantworten musste.

Ins Visier der Ermittler war der 
Angeklagte im Jahre 2015 geraten, nachdem seine IP-Adresse im 
Zuge eines internationalen Schlags gegen Kinderpornografie im Netz als Nutzer einer einschlägigen 
Internetbörse erfasst worden war, auf der pädo-pornografisches 
Material ausgetauscht wird.

Bei einer anschließenden Hausdurchsuchung waren dann auf zwei Computern Unmengen 
belastender Bilder entdeckt worden, wie der zuständige Polizeiermittler am Donnerstag erklärte. Der 
Angeklagte selbst, der seine Taten gegenüber den Behörden von 
Anfang an gestanden und auch mit diesen kooperiert hatte, zeigte sich vor dem Richterpult derweil eher wortkarg.

Er sehe ein, dass sein Verhalten anormal und falsch gewesen sei, so der Mann auf Nachfrage des vorsitzenden Richters. Wegen seiner pädophilen Veranlagung sei er mittlerweile auch in psychiatrischer Behandlung. Seither habe er auch nicht mehr 
versucht, an kinderpornografische Bilder heranzukommen.

Die in solchen Fällen eher 
seltene Offenheit gegenüber den 
Ermittlungsbehörden und der Wille seines Mandanten, seine 
Pädophilie dank fachlicher Unterstützung in den Griff zu bekommen, hob anschließend denn auch Me Daniel Baulisch als positives Schlüsselmoment in dieser ansonsten bestürzenden Affäre hervor.

Der Angeklagte brauche in erster Linie Hilfe, die er seit 
geraumer Zeit unter richterlicher Aufsicht offenbar auch erfolgreich erhalte. Da das Risiko eines möglichen Übergriffs laut psychiatrischem Gutachter als äußerst 
gering einzuschätzen sei, beantrage er daher eine Aussetzung des Urteils und eine Fortführung der bisherigen Betreuung, so Me Baulisch.

Ein Antrag, den Substitutin 
Caroline Godfroid im Namen der Staatsanwaltschaft dagegen angesichts der Schwere der Taten für völlig unangebracht hielt. Das kinderpornografische Material, das bei dem Angeklagten nachgewiesen werden konnte, sei sowohl vom Ausmaß als auch vom Inhalt her so erschreckend und menschenunwürdig, dass es hier mit dem Verweis auf Persönlichkeitsprobleme und Kooperationsbereitschaft nicht getan sein könne.

Staatsanwaltschaft fordert
 vier Jahre Haft

Abgesehen davon, dass dem 
Beschuldigten angesichts der Aufdeckung seiner Machenschaften keine andere Wahl als die Zusammenarbeit mit den Ermittlern geblieben sei, so habe sie bei diesem bislang auch kein wahres Schuldbewusstsein erkennen können, das der Tragweite dieses Falles angemessen wäre, so Caroline Godfroid. Hinter den abscheulichen Fotos und Videos minderjähriger Kinder stehe schließlich auch deren Leid und Ausbeutung.

Die Staatsanwaltschaft forderte daher im Anschluss eine Haft-strafe von vier Jahren, die nur zum Teil auf Bewährung auszusetzen sei, sowie eine Geldstrafe und 
eine Fortsetzung der psychiatrischen Behandlung. Das Urteil 
ergeht am 1. Juni.


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