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Mischen, stempeln, auszählen
Lokales 4 Min. 06.06.2015 Aus unserem online-Archiv
Wahlhelfer beim Referendum

Mischen, stempeln, auszählen

In den einzelnen Wahlbüros wird heute wenig gerechnet aber viel gezählt werden.
Wahlhelfer beim Referendum

Mischen, stempeln, auszählen

In den einzelnen Wahlbüros wird heute wenig gerechnet aber viel gezählt werden.
FOTO: GUY WOLFF
Lokales 4 Min. 06.06.2015 Aus unserem online-Archiv
Wahlhelfer beim Referendum

Mischen, stempeln, auszählen

Wahlhelfer werden ist nicht einfach. Eine gute Voraussetzung ist schon mal jemanden zu kennen. Wer dagegen Präsident eines Wahlbüros werden möchte, hat bessere Chancen, wenn er Magistrat ist.

(dho) - Über 3 500 Wahlhelfer werden am Wahlsonntag in den insgesamt 613 Wahlbüros beschäftigt sein. 408 davon im Süden und Zentrum, 93 im Osten und 112 im Norden. In den einzelnen Büros werden dann je nach Größe der Gemeinde sechs bis neun Wahlhelfer tätig sein. Hat ein Dorf weniger als 600 Einwohner, wird nur ein Wahlbüro eingerichtet. Bei mehr als 600 Einwohnern können es auch mehrere sein.

In einem Büro sind jeweils ein Präsident, ein Sekretär und vier weitere Helfer beschäftigt. Hat eine Gemeinde mehr als 15 000 Einwohner, so müssen im Hauptwahlbüro der Gemeinde neun Personen im Einsatz sein. Zusätzlich zu den sechs Wahlhelfern kommen noch ein Hilfssekretär und zwei weitere Helfer hinzu. Darüber hinaus ist auch für den Wahlsonntag für jeden Helfer ein Ersatz vorgesehen.

Die Wahlhelfer müssen am Sonntagmorgen früh aus den Federn. Laut Wahlgesetz beginnt ihr Arbeitstag um 7 Uhr. In den meisten Gemeinden treten die Verantwortlichen ihren Dienst erst um halb acht an. Dann wird das Wahlbüro mit allem nötigen ausgestattet – das Wahlgesetz an die Wand gehängt, die Kabinen hergerichtet und die Wahlzettel werden unter Aufsicht des Präsidenten gezählt und alle einzeln mit einem Stempel versehen.

Der Sekretär nimmt die Personalien der anwesenden Wahlhelfer auf. Hierzu verwenden einige Gemeinden extra Computer, die am Tag zuvor von den technischen Mitarbeiter aufgestellt wurden. Auf Nachfrage nach dem Nutzen meint der Sekretär eines Hauptwahlbüros: „Ich habe mich selbst gefragt wieso wir so etwas brauchen. Auf dem Computer gibt es eine Rechenmaschine, und wir erstellen ein Dokument mit den Personalien und Kontonummern der Helfer. So muss dasselbe 
Dokument nicht zwei mal manuell ausgefüllt werden. Auch erstellen wir ein Excell Sheet, um die Auswertungen zu kontrollieren." 

Was verdient 
ein Wahlhelfer?

Die Bezahlung der Wahlhelfer erfolgt in unterschiedlichen Kategorien. Unseren Informationen zufolge erhalten der Präsident und der Sekretär des Hauptbüros 465 Euro. Die Wahlhelfer verdienen jeweils 155 Euro. In den übrigen Wahlbüros der Gemeinden fällt die Bezahlung dagegen für den Präsidenten und den Sekretär gering aus. Sie erhalten lediglich 186 Euro. Die Wahlhelfer bekommen 155 Euro und die Ersatzwahlhelfer kassieren jeweils 20 Euro.  

Die Präsidentin des „Tribunal d'arrondissement“, Joséane Schroeder bestimmt die Präsidenten der unterschiedlichen Hauptwahlbüro der Gemeinden. Bei ihnen soll es sich, wenn möglich, um Magistraten handeln. Der Präsident bestimmt dann wiederum bis spätestens 20 Tage vor der Wahl seinen Sekretär und die anderen Wahlhelfer, sowie auch die gleiche Anzahl an Ersatzwahlhelfern.

Wer sich kennt, 
arbeitet besser zusammen

„Viele meiner Freunde sind halt Juristen, daher hat es sich so ergeben, dass auch viele meiner Wahlhelfer Juristen sind“, so Paul Lambert, Präsident des Wahlbüros in Gasperich. „Je häufiger man zusammen arbeitet, desto reibungsloser verläuft auch die Zusammenarbeit“. Der Sekretär ist der einzige der nicht aus der gleichen Gemeinde stammen muss, in der er wählt. Die Wahlhelfer müssen alle wahlberechtigt in der jeweiligen Gemeinde sein und dürfen untereinander keine Verwandtschaft dritten Grades aufweisen. Es spielt keine Rolle, ob jemand einer Partei angehört. Beim Referendum gelten andere Regeln, als wenn Kandidaten gewählt werden.

Um Wahlhelfer zu sein, muss man keinen Eid leisten – im Artikel 66 des Wahlgesetz steht jedoch, dass sie sich dazu verpflichten, einen ehrlichen Bericht über die abgegebenen Stimmen zu leisten. Die Wahlbüros werden meist in Schulen eingerichtet. Aber auch ab und zu in Jugendhäusern und Kulturzentren. Gegen halb 8 treffen sich dann dort die Wahlhelfer und bereiten alles für die Wähler vor, die von acht bis 14 Uhr an die Urnen dürfen.

Reibungsloser 
Ablauf

Die Wahlhelfer müssen für den reibungslosen Ablauf sorgen. Dabei dürfen sie selbstverständlich nicht vergessen auch selbst zu wählen. Für die Mittagsverpflegung wird abwechselnd der Saal verlassen. Das Essen und Trinken stellen gewöhnlich die Gemeinden. Außer in der Stadt Luxemburg, dort gibt es nichts umsonst. „Ich bringe die Getränke selbst mit. Mir ist kein Wahlbüro in Luxemburg-Stadt bekannt, in dem für die Verpflegung gesorgt wird. So hatte ich auch schon mal eine Kaffeemaschine für mein Team mitgebracht“, so der Präsident des Wahlbüros Gasperich.

Ab 14 Uhr beginnt dann die Auszählung. Dazu liest der Präsident die Abstimmung vor und zwei notieren und kontrollieren sich dabei gegenseitig, indem sie das Votum laut vorlesen. Die ungültigen Wahlzettel werden aussortiert. Dies erfolgt alles manuell und mit Bleistift. Alle ausgezählten Wahlzettel und Ergebnisse werden dann im Hauptwahlbüro der Gemeinde zusammengetragen und noch einmal kontrolliert, bevor sie dann in das Hauptbüro nach Luxemburg-Stadt gebracht werden, wo sie gesammelt und informatisiert werden.  

Die Arbeit der Wahlhelfer ist damit getan. Um die Ergebnisse des Referendums zu erfahren, können sie dann nur das gleiche tun wie alle Bürger auch: warten – und die Entwicklung auf wort.lu verfolgen.


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