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Mini-Entreprises: Ein kleiner Blick in die Businesswelt
Lokales 6 Min. 03.07.2019

Mini-Entreprises: Ein kleiner Blick in die Businesswelt

Mini-Entreprises: Ein kleiner Blick in die Businesswelt

Foto: Lex Kleren
Lokales 6 Min. 03.07.2019

Mini-Entreprises: Ein kleiner Blick in die Businesswelt

Rosa CLEMENTE
Rosa CLEMENTE
Das Projekt Mini-Entreprises ist bereits ein fester Bestandteil vieler Lehrpläne: Dabei gründen Schüler eigene kleine Unternehmen und vermarkten ihre Produkte.

Der knallharte Arbeitsmarkt, befristete Verträge und vergleichsweise schlechte Bezahlung bringen immer mehr Menschen dazu, sich vom Angestelltenleben zu verabschieden und den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Das aber verlangt nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch Marktkenntnisse und vor allem eine große Portion Mut. Um bereits junge Menschen für die Idee einer eigenen Firma zu begeistern, fördert die Vereinigung Jonk Entrepreneuren seit Jahren Schüler durch das Schulprojekt Mini-Entreprises. 


Finale des Mini-Entreprises, Foto Lex Kleren
„Forum des mini-entreprises“: Zukunft mit Sinn und Verstand
Ein Kartenspiel zum Thema Luxemburg, hochwertige Leckerlis für den Hund, der persönliche Gruß aus dem 3D-Drucker: Luxemburger Schüler kämpfen beim „Forum des mini-entreprises“ für ihre Geschäftsidee. Nun steht das Siegerteam fest, sein Produkt: das „PouBelle“-Brettspiel.

Erste Erfahrungen in Sachen Business haben auch in diesem Jahr wieder rund 700 Schüler aus 21 Sekundarschulen machen können. So wie andere in den Jahren zuvor, nahmen sie in unterschiedlich großen Gruppen am Schulprojekt Mini-Entreprises teil. Die Bedingungen: Die Jugendlichen müssen zwischen 15 und 19 Jahre alt sein, Kreativität und Teamgeist an den Tag legen, sowie einen ihrer Lehrer davon überzeugen, ihnen zur Seite zu stehen. 

Stéphanie Damgé ist die Leiterin der Vereinigung Jonk Entrepreneuren.
Stéphanie Damgé ist die Leiterin der Vereinigung Jonk Entrepreneuren.
Foto: Guy Jallay

Während des gesamten Schuljahres schlüpfen sie dann in die Rolle eines Firmeneigentümers oder -mitarbeiters. Es folgen die Entscheidung für ein Produkt und die Ausarbeitung eines Konzeptes. Statistiken zur Marktrelevanz müssen ausgewertet, Finanzpläne erstellt und Marktstrategien definiert sowie Sponsoren gewonnen werden. 

„Es ist eine eigene kleine Firma, mit allem, was dazugehört. Damit wollen wir Schülern die Möglichkeit geben, einen Einblick in die Unternehmenswelt zu bekommen, bevor sie ihre Schullaufbahn beenden. Dieses erste Herantasten kann ihnen beispielsweise bei der Wahl des Studienfaches helfen“, erklärt Stéphanie Damgé, Leiterin der Vereinigung Jonk Entrepreneuren, – und gibt zu, sich zu freuen, wenn aus einer Mini-Entreprise im Nachhinein dann eine konkrete Geschäftsidee wird. 

Beratung durch externe Coaches

Das Projekt wird zu Beginn des Schuljahres in das Lernprogramm integriert: Bis November müssen sich alle Gruppen bei den Jonk Entrepreneuren registriert haben. Um die Professionalität der jeweiligen Projekte zu garantieren, werden den Schülerteams zur Unterstützung externe Berater angeboten. Dabei kann es sich um selbstständige Unternehmer oder auch um Experten in Sachen Betriebsmanagement handeln. Die Berater stehen den Schülern dann bei wichtigen Entscheidungen zur Seite, geben Tipps zur Verwaltung ihres kleinen Betriebes.


Lernen fürs Leben,Aufmacher,Titel. Foto:Gerry Huberty
Lernen fürs Leben: Goethe kann warten
Die einen vermarkten ihren eigenen Wein, andere versuchen sich als Finanzplaner, Streitschlichter oder Koch. Zahlreiche Schulen bieten ihren Schülern Initiativen, die diese über das reine Fächer-Pauken hinaus auf das Leben als Erwachsene vorbereiten sollen. Ein Streifzug durch die Projektarbeit.

„Die Jugendlichen sollen mithilfe erfahrener Coaches und motivierter Lehrer lernen, wie sich ein Produkt oder eine Dienstleistung bestmöglich vermarkten lässt. Zusätzlich stehen auch wir ihnen stets als Unterstützung zur Verfügung“, versichert Stéphanie Damgé. Und: „Die Zahl der Teilnehmer steigt von Jahr zu Jahr. Die Schüler sind innovativer und furchtloser geworden, haben dank der sozialen Medien keine Schwierigkeiten, ihre Ideen zu vermarkten und die Firma voranzutreiben. Dabei entdeckt so manch einer Talente, die er selbst noch nicht kannte.“ 

Das Mini-Entreprises-Projekt sei somit ein Mehrwert für die Ausbildung eines jeden Schülers: „Unser Ziel ist es, dass irgendwann alle Sekundarschulen des Landes – ob classique oder général – dieses praxisorientierte Lernkonzept in ihren Lehrplan integrieren.“ 

74 Teilnehmer, ein Gewinner

Insgesamt haben dieses Jahr 74 Schülergruppen an der Business-Challenge teilgenommen. Eine Jury aus Vertretern der Bildungs- und Wirtschaftsbereiche hat auf Basis der von den Schülern erstellten Dossiers, Geschäftsplänen und Präsentationen 16 Finalisten ausgewählt. Diese hatten beim Forum des Entreprises noch einmal die Gelegenheit, ihre Produkte vorzustellen. 

Überzeugt hat dieses Jahr die Mini-Entreprise „Say it“. Die Schülerfirma aus dem hauptstädtischen Lycée Aline Mayrisch wurde als bestes Kleinunternehmen gekürt und wird von morgen bis Freitag bei der europäischen Mini-Entreprises-Kompetition im französischen Lille um den Europa-Titel kämpfen.

„Say it“: Feedback vom Kunden

Team-"Say it" besteht aus: Noé Weber, Chenyan Yang, Sagar Rangram, Estelle Van de Winckel, Mathis Trierweiler und Deborah Kieffer (v.l.n.r.), sowie Tom Schwirtz.
Team-"Say it" besteht aus: Noé Weber, Chenyan Yang, Sagar Rangram, Estelle Van de Winckel, Mathis Trierweiler und Deborah Kieffer (v.l.n.r.), sowie Tom Schwirtz.
Foto: Lex Kleren

Mit den Preisen als bestes Unternehmen, für den besten Businessplan und die beste Präsentation erweisen sich die sieben Schüler des hauptstädtischen Lycée Aline Mayrisch als große Gewinner der diesjährigen Mini-Entreprises. Die Idee der Firma "Say it" hat die Jury in jeder Hinsicht überzeugt: eine Dienstleistung, die es Unternehmen ermöglicht, eine gepflegte Kundenbeziehung aufzubauen, indem unter anderem Umfragen zur Verbesserung der angebotenen Produkte realisiert werden.

„Magic Bombs“: Blumen aus der Box

Das "Magic Bombs"-Team besteht aus Gabriel Kratz und Joe Oliver Bultgen (Foto: v.l.n.r.), sowie Merin Ceman, Mariana Cosme, Stacy Boffel, Amer Talevic, Jerry Lima und Dalan Agovic.
Das "Magic Bombs"-Team besteht aus Gabriel Kratz und Joe Oliver Bultgen (Foto: v.l.n.r.), sowie Merin Ceman, Mariana Cosme, Stacy Boffel, Amer Talevic, Jerry Lima und Dalan Agovic.
Foto: Lex Kleren


Die kleinen Magic Bombs werden in kleine Bioverpackungen verkauft.
Die kleinen Magic Bombs werden in kleine Bioverpackungen verkauft.
Lex Kleren

Die Firma „Magic Bombs“ des Lycée technique de Bonnevoie konnte sich in der diesjährigen Auflage der Mini-Entreprises-Challenge gleich über zwei Preise freuen: den für die beste Verkaufsstrategie und den Social-Media-Preis. Die Stärke des achtköpfigen Teams ist laut Jury deren Selbstvermarktung. Die Schüler der 2GCG1-Klasse stellen sogenannte Seedbombs her. Das sind Kugeln mit unterschiedlichen Blumensamen zum selber Pflanzen. 

„Sundrive“: Naturfreundlich spielen

Das "Sundrive"-Team aus Ettelbrück besteht aus: Jo Beckeus, Christophe Thines, William Berchier, Sonja Launes (Lehrerin), Christian Bergem (obere Reihe v.l.n.r.), Kim Meyer, Tammy Devillet, Camille Boheim, Patty Batholomey und Rina Velija (untere Reihe v.l.n.r.). Auch im Team, aber nicht auf dem Bild: Luis Ribeiro und Bob Picard.
Das "Sundrive"-Team aus Ettelbrück besteht aus: Jo Beckeus, Christophe Thines, William Berchier, Sonja Launes (Lehrerin), Christian Bergem (obere Reihe v.l.n.r.), Kim Meyer, Tammy Devillet, Camille Boheim, Patty Batholomey und Rina Velija (untere Reihe v.l.n.r.). Auch im Team, aber nicht auf dem Bild: Luis Ribeiro und Bob Picard.
Foto: Anouk Antony


Foto: Sundrive

Mit dem Preis „Bestes Handwerk und Innovation“ wurde das zwölf-köpfige „Sundrive“-Team des Lycée technique d'Ettelbruck gekürt. Ihr Produkt, ein Solarauto als Bausatz, das mithilfe von Solarenergie fährt, gilt als pädagogische und nachhaltige Geschäftsidee. Ziel ist es, so die Schüler, der Welt zu zeigen, dass Spielzeuge nicht immer aus Plastik bestehen müssen. 

„Pro'Oc“: Taschen aus Kleidung

Das "Pro'Oc"-Team besteht aus Sven Elter, Noémie Bakayendela, Jessica Duarte, Lisa Entringer und Anes Bukvic (Foto: v.l.n.r.), sowie Leila Cemen, Valentina de Conti, Ruben Sousa und Max Cordeiro.
Das "Pro'Oc"-Team besteht aus Sven Elter, Noémie Bakayendela, Jessica Duarte, Lisa Entringer und Anes Bukvic (Foto: v.l.n.r.), sowie Leila Cemen, Valentina de Conti, Ruben Sousa und Max Cordeiro.
Foto: Lex Kleren


Foto: Lex Kleren

Die Auszeichnung für das nachhaltigste Produkt erhält das neunköpfige Team aus dem hauptstädtischen Lycée Michel Lucius. „Pro'Oc“ steht für „Protect the Oceans“. Entworfen haben die Schüler der 2ème-Klasse selbstgemachte Sport-, Einkauf- und Freizeittaschen, die aus Altkleidern genäht sind. Ziel ist es, so viel wie möglich auf Plastikbeutel zu verzichten. 

Ashbox“: Ascher für die Tasche

Das Team "Ashbox": Micaela Simoes Nunes, Andrea Santos, Sofia Matos, Cindy Mendes Rios, Maria Steinmetz, Melanie Tavares, Melanie Almeida und Vanessa Rigitano (v.l.n.r.), sowie Angela Moschetti und Analisa Lourenço.
Das Team "Ashbox": Micaela Simoes Nunes, Andrea Santos, Sofia Matos, Cindy Mendes Rios, Maria Steinmetz, Melanie Tavares, Melanie Almeida und Vanessa Rigitano (v.l.n.r.), sowie Angela Moschetti und Analisa Lourenço.
Foto: Lex Kleren


Die kleinen Taschen-Aschenbecher gibt es in mehreren Farben.
Die kleinen Taschen-Aschenbecher gibt es in mehreren Farben.
Foto: Lex Kleren

Über den Preis für die beste Finanzplanung konnten sich die zehn Schülerinnen aus der hauptstädtischen École privée Fieldgen freuen. Das angebotene Produkt heißt „Ashbox- Be part of the solution“. Das sind kleine Taschen-Aschenbecher aus Aluminium. Diese gibt es in zwei verschiedenen Formen und unterschiedlichen Farben.

„The Brips“: Chips aus Brotresten

Das "Brips"-Team besteht aus: Patrick Azevedo, Aurélie Ferreira, Zilane Yurtman, Tatiana Fontes, Melissa Ribeiro und Ilan Fraccalvieri (Foto: v.l.n.r).
Das "Brips"-Team besteht aus: Patrick Azevedo, Aurélie Ferreira, Zilane Yurtman, Tatiana Fontes, Melissa Ribeiro und Ilan Fraccalvieri (Foto: v.l.n.r).
Foto: Lex Kleren


Foto: Lex Kleren

Die sechs Schüler des Lycée technique de Bonnevoie ernteten beim Forum des Entreprises mehrere Auszeichnungen: bestes Produkt, bester Stand und den „Prix du Jury“. Zu bieten haben die Schüler der Klasse 2GCG1 etwas für den Gaumen: die sogenannten „Brips“. Das sind Chips, die aus Bio-Brot produziert werden. Diese gibt es in drei verschiedenen Geschmackssorten – Olicrunch, Pizzator und Firi-Firi. Ziel ist es, gegen die Lebensmittelverschwendung anzukämpfen. Denn: Das Team nutzt zur Produktion unverkaufte Brot des Bioladens „Naturata“. Verkauft werden die Chips in einer bunten Bioverpackung.


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Finale des Mini-Entreprises, Foto Lex Kleren
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Die einen vermarkten ihren eigenen Wein, andere versuchen sich als Finanzplaner, Streitschlichter oder Koch. Zahlreiche Schulen bieten ihren Schülern Initiativen, die diese über das reine Fächer-Pauken hinaus auf das Leben als Erwachsene vorbereiten sollen. Ein Streifzug durch die Projektarbeit.
Lernen fürs Leben,Aufmacher,Titel. Foto:Gerry Huberty