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Minetteregion: Gute Voraussetzungen für Unesco-Titel
Die Naturreservate in den früheren Tagebaugebieten könnten die Kernzonen eines zukünftigen Biosphärenreservates bilden.

Minetteregion: Gute Voraussetzungen für Unesco-Titel

Foto: Chris Karaba
Die Naturreservate in den früheren Tagebaugebieten könnten die Kernzonen eines zukünftigen Biosphärenreservates bilden.
Lokales 4 Min. 06.06.2018

Minetteregion: Gute Voraussetzungen für Unesco-Titel

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Von 2020 an könnten die über 170 000 Einwohner der ProSud-Gemeinden in einer von der Unesco als Biosphärenreservat anerkannte Region leben. Der ProSud will am 18. Juni entscheiden, ob eine Kandidatur bei der Unesco eingereicht werden soll.

"Mir sind noch keine negativen Punkte aufgefallen", sagte der frühere Unesco-Mitarbeiter Thomas Schaaf, als er Dienstagabend in der Tetinger Schungfabrik nach den Schwächen der Südregion in Bezug auf eine mögliche Kandidatur zum Unesco-Biosphärenreservat gefragt wurde. Thomas Schaaf ist ein früherer Unesco-Mitarbeiter und berät heute unter anderem Regionen, die den Unesco-Titel anstreben.

Zuvor hatte er Gemeinderäten und Mitarbeitern aus den elf ProSud-Gemeinden erklärt, dass ein Biosphärenreservat eine Region darstellt, die vom Staat als Großschutzgebiet ausgewiesen ist und als solche von der Unesco anerkannt wird. Im Fall der Südregion Luxemburgs könnte sich das Biosphärenreservat über das Gebiet der elf ProSud-Gemeinden erstrecken.

Identität und Tourismus

Für die Einwohner gäbe es im Alltag vor allem zwei Vorteile:

  • Eine bessere Identifizierung mit der Region und ihrer Besonderheit. "Ich selbst stamme aus dem Schwarzwald", erklärte Thomas Schaaf im Gespräch mit dem LW. "Mir wurde aber erst bewusst, wie außergewöhnlich die Region ist, als ich, nachdem ich im Ausland tätig war, wieder zurück kam". Das gleiche Phänomen könne sich in der Minetteregion abspielen, wo sich viele nicht bewusst seien, welche Natur sich ihnen in den früheren Tagebaugebieten anbietet. Und welche touristische Anziehungskraft die Industriekultur haben kann. Dem Schwarzwald wurde übrigens vergangenes Jahr das Unesco-Label des Biosphärenreservates verliehen.
  • Erwartet werden sich aber auch wirtschaftliche Vorteile. "Das Unesco-Label kann wie ein Magnet sein", so Thomas Schaaf. Die Gastronomie- und Tourismusbranche könne davon profitieren. Aber auch Betriebe, die, unter bestimmten Auflagen, Produkte herstellen, die das Label "Im Unesco-Biosphärenreservat hergestellt" bekommen könnten.

Weltweit gibt es derzeit 669 Biosphärenreservate in 121 Länder, davon 16 in Deutschland und 14 in Frankreich. Sie dienen dem Naturschutz aber nicht nur.

Frühere Tagebaugebiete als Kernzonen

Die vielfältige und in Luxemburg eigenartige Natur in den früheren Tagebaugebieten steht heute bereits unter Schutz. Hier eine Pyramiden-Orchidee die auf dem Giele Botter abgelichtet wurde.
Die vielfältige und in Luxemburg eigenartige Natur in den früheren Tagebaugebieten steht heute bereits unter Schutz. Hier eine Pyramiden-Orchidee die auf dem Giele Botter abgelichtet wurde.
Foto: Claude Piscitelli

Konkret werden in solchen Regionen Kernzonen ausgemacht. In den ProSud-Gemeinden könnten dies die aktuellen sechs Naturschutzzonen in den früheren Tagebaugebieten sein. Herum gibt es Pufferzonen, dies könnten in den ProSud-Gemeinden die Natura 2000-Zonen sein. Und der Rest des Territoriums, die größte Fläche, stellt die Entwicklungszone mit den Siedlungen und Industriegebieten dar.

Auch braucht es ein Besucherzentrum. Dafür könne der Centre d'accueil der Naturverwaltung im Ellergronn ausgebaut werden. Der Präsident des ProSud, Roberto Traversini drückte es so aus: "Wir haben eigentlich schon alles, nützen es aber noch nicht richtig aus".

In den Kernzonen gelten Regeln zum Artenschutz und zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Darüber hinaus muss sich für eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen in der Region eingesetzt werden. Außerdem müsse Ökosystemforschung betrieben werden. Hier könne vielleicht die Universität mit Sitz in Belval mit eingebunden werden, erklärte Thomas Schaaf noch. "Ziel ist es, Schutz und Nutzung der Natur in Einklang zu bringen", resümierte er die Philosophie, die hinter dem Unesco-Titel steckt.

ProSud entscheidet über Kandidatur am 18. Juni

Nicht nur die Naturschutzgebiete, sondern auch die Siedlungen und Industriegebiete gehören dem Biosphärenreservat an. Hier ein Blick auf Niederkorn.
Nicht nur die Naturschutzgebiete, sondern auch die Siedlungen und Industriegebiete gehören dem Biosphärenreservat an. Hier ein Blick auf Niederkorn.
Foto: Claude Piscitelli

Wie Roberto Traversini erklärte, werden die Vertreter der elf ProSud-Gemeinden am 18. Juni entscheiden, ob sie eine Kandidatur stellen möchten.

Laut Simone Beck, von der luxemburgischen Unesco-Kommission, könne eine erste Kandidatur bei der Unesco  im September eingereicht werden. Nach den Parlamentswahlen sollen die Einwohner mit Bürgerforen und Diskussionsrunden eingebunden werden. Eine definitive Kandidatur könne dann, falls das noch immer gewünscht ist,  im September 2019 eingereicht werden. Im Sommer 2020 wäre dann das Resultat zu erwarten.

Am Dienstagabend schienen die Zuhörer in der Schungfabrik in Tetingen der Initiative eher positiv gegenüber eingestellt. Es wurde aber auch betont, dass jede Gemeinde einzeln darüber abstimmen soll, ob sie mitmachen will oder nicht. Später könnten sich weitere Gemeinden, auch außerhalb dem ProSud-Gebiet, dem Biosphärenreservat anschließen.

Ein grenzüberschreitendes Biosphärenreservat?

Das gilt übrigens auch für die benachbarten Gemeinden in Frankreich und Belgien. Der Differdinger Schöffe, Georges Liesch, sprach sich dafür aus, die französischen Nachbarn sofort mit ins Boot zu nehmen. Simone Beck riet aber davon ab. Die Prozedur sei so schon kompliziert genug. Nichts verhindere aber, dass in einer zweiten Phase ein grenzüberschreitendes Biosphärenreservat entstehe. Davon gibt es weltweit 16 und vier die trinational sind.

Aber ehe es soweit ist, scheint die Identifizierung als gemeinsame Region bereits erste Früchte zu tragen. So verpasste es Roberto Traversini nicht, hervorzuheben, dass die erste Informationssitzung des ProSud unter seiner Präsidentschaft in der Gemeinde Kayl stattfand. Die Gemeinde, die lange den ProSud verlassen wollte und nur drin geblieben ist, weil eine Mehrheit der anderen Gemeinden sich dagegen ausgesprochen hatten. In seiner Begrüßungsrede hatte der Kayler Bürgermeister noch in Bezug auf das mögliche Biosphärenreservat unterstrichen, dass seine Gemeinde "mittendrin liegt".






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visite du "Giele Botter" - en présence de Madame Carole Dieschbourg Ministre de l'Environnement - Differdange  29.05.2015 - © claude piscitelli