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Milliarden Franken für das Straßennetz
Lokales 5 1 8 Min. 25.09.2021
Nachrichten von vorgestern

Milliarden Franken für das Straßennetz

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Milliarden Franken für das Straßennetz

Foto: Archiv Luxemburger Wort
Lokales 5 1 8 Min. 25.09.2021
Nachrichten von vorgestern

Milliarden Franken für das Straßennetz

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Nichts ist älter als die Zeitung von gestern. Aber Nachrichten von vor 50, 75 oder auch 100 Jahren sind auf ihre eigene Art interessant - manchmal anrührend, aus heutiger Sicht komisch oder teils immer noch aktuell. Wir haben ins Archiv geschaut.

1921

Am 22. September 1921 berichtet das „Wort“ von einer furchtbaren Explosionskatastrophe in der Nähe von Ludwigshafen:

Foto: LW-Archiv

Mannheim

Heute morgen 7einhalb Uhr ist ein Hochofen der badischen Anilinwerke Ludwigshafen, welcher sich in Oppau, Bezirk Frankenthal befindet, in die Luft geflogen. Die Explosion erfasste sofort zwei weitere Öfen, die gleichfalls mit fürchterlichen Detonationen, die bis Heidelberg und Frankfurt a. M. hörbar waren, barsten. In weitem Umkreise sind die Fensterscheiben zertrümmert. Am Unglücksplatze ist der Materialschaden ungeheuer. Es geht das Gerücht, daß etwa 700 Menschen den Tod gefunden haben. Die umliegenden Spitäler sollen mit Verwundeten überfüllt sein. Wie verlautet, sind auch die Hafenanlagen in Mannheim in Mitleidenschaft gezogen. Näheres über das Unglück konnte noch nicht in Erfahrung gebracht werden, da das Mannheimer Telegraphenamt und auch andere Ämter der Umgebung wegen Störung den Betrieb eingestellt haben. 


Eine Zeitreise durch das Archiv des "Luxemburger Wort"
Seit der Gründung des "Luxemburger Wort" im Jahre 1848 schwillt das Archiv kontinuierlich an. Wir haben für Sie nach den interessantesten Geschichten aus 173 Jahren "Wort" gegraben.

[...] Die Explosion ereignete sich kurz nach 7 Uhr 30. Einem leichteren Schlag folgte ein zweiter, sehr starker. Das ganze Werk Oppau, in dem Stickstoffe aus der Luft gewonnen werden, ist zerstört. Die Zahl der Toten und Verwundeten ist noch gar nicht zu überschätzen. Ganz Ludwigshafen gleicht einem Lazarett. [...] In der Ortschaft Oppau sind sämtliche Häuser abgedeckt. In Ludwigshafen sind die elektrischen Leitungen zerstört. Das Fernsprechamt und die Straßenbahnen haben den Betrieb eingestellt. In Mannheim wurden die Leute auf der Straße durch den Luftdruck umgeworfen. Die ganze Stadt ist in Staub gehüllt.

Noch 100 Jahre später ist die Rede vom „schwersten Chemieunglück der deutschen Geschichte“. Die Zahl der Toten, vom Wort-Redakteur auf ungefähr 700 geschätzt, betrug am Ende immer noch mehr als 500. Die „Frankfurter Allgemeine“ berichtet zum 100. Jahrestag. 

Eine ebenfalls nicht sehr schöne Geschichte, versehen mit dem deutlichen Hinweis „Zur Warnung“ befindet sich im Lokalteil: 

Differdingen 

Der in der französischen Grenzortschaft Hussigny wohnende 39-jährige italienische Hüttenarbeiter Josef Siboldi hatte im Walde zahlreiche Champignons gepflückt, die seine Ehefrau alsdann für die aus 6 Personen bestehende Familie zum Mittagsmahl zubereitete. In der folgenden Nacht erkrankte die ganze Familie derart, daß der Arzt eiligst requiriert werden mußte. Anderntags erlagen die 4 Kinder dem Genusse der giftigen Champignons, während die Eltern mit dem Leben davonkommen dürften. Zur Warnung!  

Glück im Unglück hatte dagegen am 23. September ein junger Bahnbeamter am Bahnhof in Berchem.

Foto: LW-Archiv

Berchem

Gestern abend hätte sich beinahe auf örtlichem Bahnhof ein größeres Unglück ereignet. Der 20-jährige Bahnhofsschaffner Johann Thill aus Röser, welcher in dem um 6.45 Uhr hier, aus Richtung Luxemburg ankommenden Personenzug Dienst zu verrichten hatte, wollte dieserhalb die Geleise überqueren, als gerade der um dieselbe Zeit von Esch kommende Personenzug in den Bahnof einlief. Thill, welcher nicht mehr rechtzeitig aus den Geleisen herauskonnte, wurde von der Lokomotive erfasst und einige Meter zur Seite geschleudert. Der Bewusstlose wurde ins Bahnhofsgebäude getragen, wo ihm der eiligst hinzugerufene Arzt seine Hilfe angedeihen ließ. Thill trug am Kopfe verschiedene erhebliche Verletzungen davon, welche nach Aussagen des Arztes gefahrlos sind, den Verunglückten jedoch für längere Zeit arbeitsunfähig machen. — Denjenigen, der die Verhältnisse auf hiesigem Bahnhof kennt, können solche und ähnliche Unfälle gar nicht wunder nehmen. Wann kommt endlich die längst projektierte Unterführung, zu der schon jahrelang das Material daliegt, zur Ausführung? Anscheinend dann, wenn es zu spät ist.    

1946

Der 20. September 1946 zeigt, wie nah in einer Zeitungsredaktion Glück und Leid liegen können - und wie die Tagesaktualität manchmal der Themenplanung einen Strich durch die Rechnung machen kann. 

Auf Seite 2 gerät zunächst ein Autor ins Schwärmen über das Fliegen mit dem Flugzeug - so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ein Verkehrsweg, der noch lange nicht alltäglich war.

Foto: LW-Archiv

Erlebnis des Fliegens

Unser luxemburgischer Flughafen „Findel ist technisch vielleicht erst ein Embryo — aber symbolisch ist er von einer erhabenen Größe und Einfalt. Man erlebt dort die Eigenart des Fliegens, des Sich-Loslösens, in einer wuchtigen Art. Denn wie ein Arrarat der alten Welt steht der weite Umkreis noch fruste und unbeteiligt an dem Wunder, das, wie jedes Wunder, unerhört still und einfach sich vollzieht. Alles Starre, Metallene ist außen am Riesenvogel; alle Sanftheit und Schönheit ist innen. Ein umgekehrter Zirkus: kein Tamtam und das neuartigste gewaltigste Erleben. Menschen, die niemals poetisch waren, geraten in Entzückung in 2200 m Höhe.  

Doch nur drei Seiten später zeigt sich in den Weltnachrichten die Kehrseite des „Traums vom Fliegen“: 

Foto: LW-Archiv

Wir haben gestern gemeldet, daß das „Sabena“-Flugzeug „Skymaster“, das den Atlantikdienst zwischen Eire [Irland] und Neufundland besorgt, seit 24 Stunden überfällig sei. In diesem Flugzeug befanden sich 44 Personen, darunter zwei Luxemburgerinnen: Lilly Ruppert, verheiratet und 69 Jahre alt, aus Mondorf, sowie Nelly Loewenthal, verheiratet und 35 Jahre alt, New York. Außerdem der Präsident des christlichen Gewerkschaftsbundes von Belgien, der frühere Minister Henri Pauwels. 


Der erste Flug der Luftambulanz: Im August 1971 holt der ACL eine verunglückte Frau aus Orléans zurück nach Luxemburg.
Hilfe aus der Luft und ein lahmes Fußballspiel
Vor 100 Jahren sah die Welt noch anders aus. Wir wagen einen Blick ins Wort-Archiv und suchen nach dem, was die Leser damals bewegte.

In der Zwischenzeit ist es die Gegend um Neufundland, wo die Maschine zuletzt gesichtet worden war, absuchenden  Rettungsflugzeugen gelungen, den „Skymaster“ zu entdecken. Er mußte 22 Meilen südwestlich von Gander (Mündungsbucht des gleichnamigen Flusses an der Nordküste von Neufundland) niedergehen. Sofort wurden Lebensmittel abgeworfen und Rettungskolonnen ausgesandt. Bis zur Stunde konnten diese Rettungsmannschaften das Flugzeug noch nicht erreichen. 

Die Meldungen der Flugzeuge über die Überlebenden lauten widersprechend. Nach einer ersten Nachricht sollen noch 5 Personen am Leben sein, zwei Männer, zwei Frauen und ein Kind. Nach einer anderen Meldung soll diese Zahl 7 sein. Drei von ihnen hätten den Rettungsflugzeugen Signale gegeben, während 4 weitere einige Meilen von der Unfallstätte entfernt gesichtet wurden. [...] Wie man jetzt annimmt, verhinderten magnetische Stürme den Empfang der Flugwarnung vom Flugplatz Gander, in der der Pilot des abgestürzten Flugzeug aufgefordert wurde, trotz der schlechten Sicht eine Landung zu versuchen. 

In der Tat ist die DC 4 der belgischen Airline, die auf dem Weg nach New York zu einer Diamantenmesse war, mit 44 Menschen an Bord abgestürzt, es gab 17 Überlebende.  

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Am 23. September berichtet das Wort über ein Naturereignis, das großen Schaden hinterlässt.

Foto: LW-Archiv

Remich.

Am Samstag abend herrschte hier ein Sturm, wie man ihn seit Jahren nicht mehr erlebt hat. Während einer Viertelstunde schienen alle Elemente entfesselt. Telephon- und elektrische Leitungen wurden von entwurzelten Bäumen zerfetzt, und nur unter der tatkräftigen Mithilfe junger Männer, unter denen sich unser Bürgermeister besonders hervortat, konnte die durch einen schweren Baum gänzlich gesperrte Hauptstraße wieder für den Verkehr freigemacht werden. Den größten Schaden erlitten die Schausteller, welche an dem ungeschützten Moselstrand für die Nachkirmes zurückgeblieben waren. Abgesehen von zwei Buden, die vollkommen abgedeckt wurden, hatte der Sturm eine mit Porzellansachen angefüllte Lotteriebude erfaßt und fortgeschleudert, so daß außer der Bude alle Gegenstände zerbrochen waren, ein Schaden von mehreren tausend Franken. 


Herr Kraus zahlt nicht und das "Black Out" eröffnet
Vor 100 Jahren sah die Welt noch anders aus. Wir wagen einen Blick ins Wort-Archiv und suchen nach dem, was die Leser damals bewegte.

Für die Obstbesitzer war es ebenfalls ein schwarzer Tag, da das fast reife Obst zum weitaus größten Teil von den Bäumen fiel und somit sehr an Güte und Haltbarkeit verloren hat. Auf der deutschen Seite in Palzem wurden außer dem Kirchturm zwei große Hausdächer gänzlich, teilweise sogar mit dem Gebälk abgedeckt. Alles in allem richtete dieser Wirbelsturm in der Moselecke sehr großen Schaden an.  

1971

Ein wichtiges Thema der frühen 1970er: Der Autobahnbau. Am 25. September berichtet das Wort über den Fortschritt der „Escher Autobahn“ - und befasst sich vor allem mit den schier astronomischen Kosten der Unternehmung.

Die zweite Teilstrecke der Autobahn Luxemburg - Esch/Alzette

[...] Insgesamt sind bis 1973 rund 12 Kilometer Autobahn geplant, mitsamt der Einfahrt in die Hauptstadt. Kostenpunkt: 900 Millionen. [...] 900 Millionen für eine Teilstrecke von 12 Kilometern! Dabei muß wiederum bedacht werden, daß dies nur ein Anfang ist. Gewaltige Mittel müssen bereitgestellt werden, um unserem Ländchen ein geeignetes Wegenetz zu verschaffen. Ein diesbezügliches Programm liegt vor und soll in einer Zeitspanne von 15 Jahren realisiert werden. [...] Die Ausgaben werden die astronomische Höhe von 8 - 9 Milliarden Luxemburger Franken erreichen.

Um einiges billiger, dafür auch mehrere Nummern kleiner, ist die Sportstätte, über deren Eröffnung das „Wort“ am 27. September schreibt: 

Foto: LW-Archiv

Einweihung eines neuen Boulodrome in Esch/Alzette

Im Februar 1969 vereinigten sich in der Minettemetropole zahlreiche Boulisten und gründeten den Club „La Boule d'Or“. Dieser Verein, der zur Zeit 72 Spieler zählt, konnte nun am vergangenen Samstag nachmittag ihren Boulodrome offiziell in Empfang nehmen. [...] Der Einweihungsfeier wohnten zahlreiche Ehrengäste bei u.a. der amerikanische Botschafter in Luxemburg seine Exz. M. Kingdon Gould jr. und Herr Giuseppe Mario Ruggiero, chargé d'affaires a.i. bei der italienischen Botschaft in Luxemburg.     

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