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Michelangelo und eine Frage des Blickwinkels: Jugendkolumne "wwWo ist Gott?"
Lokales 3 Min. 04.11.2017 Aus unserem online-Archiv

Michelangelo und eine Frage des Blickwinkels: Jugendkolumne "wwWo ist Gott?"

Michelangelo und eine Frage des Blickwinkels: Jugendkolumne "wwWo ist Gott?"

Lokales 3 Min. 04.11.2017 Aus unserem online-Archiv

Michelangelo und eine Frage des Blickwinkels: Jugendkolumne "wwWo ist Gott?"

Ich habe in Rom eine sehr lustige Postkarte gesehen: Doch was war darauf? Das Letzte Gericht als ultimatives Facebook-Event, an dem alle Menschen aller Zeiten teilnehmen!, schreibt Paul Galles.

Wo ist Gott? Wenn er ewig und also auch zeitgemäß ist, dann ist er doch sicherlich online! Zumindest, wenn man ihn googelt, findet man ihn recht leicht. Ganz so einfach wie god.com oder gott.de einzugeben, ist es zwar nicht, aber es gibt genügend andere Seiten, die einen direkten Zugang versprechen. Die einen haben „all about God“, andere sogar eine „God TV“, und ganz ehrlich ist die Seite, die noch „looking for God“ ist. Sie suchen noch. Doch wer sucht, der findet ja bekanntlich.

Es gibt auch richtig attraktive Seiten für Zeugnisse über Gott und das Leben mit Gott wie zum Beispiel das YOU!-Magazin, das ich früher immer gelesen habe und das auch online ist. Und dann gibt es natürlich noch die unzähligen Bibel-Seiten, die oft mit tollen Kommentaren einen spannenden Zugang zum „Wort Gottes“ bieten.

Wie wäre es jedoch, wenn nicht nur Infos über Gott online zu finden wären, sondern Gott selber facebooken, tweeten oder instagramen würde? Was würde er posten? Welche Stories würde er zeigen? Katastrophenbilder, die uns aufrütteln? Und zwischendurch mal himmlische Katzenvideos, um uns die Laune nicht ganz zu verhageln?

Vielleicht würde er uns viele beeindruckende herzensgute Menschen vorstellen, die wir unbedingt kennen sollten. Er würde manche tollen Geschichten sharen, vielleicht aus Regionen, die total entlegen sind. Und für jeden Tag einen guten Gedanken, der uns innerlich froh und frei macht. Und ich bin mir fast sicher: Er würde auch mal Social-media-Pause machen, denn die reale Begegnung ist doch immer noch cooler als die rein virtuelle.

Und wie wäre es, wenn er mal ein Facebook-Event organisieren würde? Ich habe in Rom eine sehr lustige Postkarte gesehen, die mir aufgefallen ist, weil ich kurz vorher mit Tausenden anderer Menschen in den Vatikanischen Museen war. Übrigens ein enormes Gedränge, immer wieder ausweichen, stehen bleiben, Umwege suchen.

Und dann endlich: der Blick in die fantastisch atemberaubende Sixtinische Kapelle, eines der farbigsten, größten und spektakulärsten Kunstwerke der Welt. Nicht nur die Decke mit Michelangelos Schöpfung des Adam mit der berühmten Berührung der Finger. Sondern auch die Wand des Letzten Gerichts, in das Michelangelo die ganze vorstellbare Dynamik des Lebens gelegt hat.

Bewegte, aufstrebende oder niedergedrückte menschliche Gestalten aller Alter, Nationen, Zeiten, ein geordnetes Gedränge und Durcheinander von Gut und Böse, rund um die imposante Gestalt Jesu, der alle retten will.

„Wer von euch hat das Event auf Facebook gesetzt?!“
„Wer von euch hat das Event auf Facebook gesetzt?!“
Foto: If Art Could Talk, Valerio Spinaci

So weit zur Sixtinischen Kapelle. Doch was war auf der Karte? Genau dieses apokalyptische Durcheinander zwischen Himmel und Hölle, und mittendrin der überforderte und verdutzt fragende Jesus: „Wer von euch hat das Event auf Facebook gesetzt?!“ Das Letzte Gericht als ultimatives Facebook-Event, an dem alle Menschen aller Zeiten teilnehmen! Wenn wir uns noch Michelangelos düstere Höllenvision wegwünschen und hoffen, dass Jesus so überzeugend ist, dass alle nach oben wollen ...

Foto: Guy Wolff

Ist Gott also online? Ich weiß es nicht. Wer ihn findet, darf sich gerne bei mir melden. Oder wer tolle Stories herzensguter Menschen findet, darf das tun, was Gott vielleicht auch tun würde: sie sharen, um uns zu inspirieren. Eines aber ist sicher: Gottes Events sind noch größer als die Tausende Menschen in den Museen oder die endlosen Gestalten bei Michelangelo, und zum allergrößten Event, nämlich dem Festessen am Ende aller Zeiten, sind wir alle eingeladen. Vielleicht sollten wir mal in unseren Benachrichtigungen nachsehen.

Paul Galles, Dr. theol.,  ist über E-Mail: paulgalles@gmail.com sowie über Briefe an die Zeitung – Redaktion Glaube und Leben – und/oder soziale Netzwerke zu erreichen.

- Alle Texte zur Jugendkolumne in unserem Dossier