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Messerstecher vor Gericht
Am Park&Ride Bouillon wurde eine Frau am Abend des 21. März 2016 angegriffen.

Messerstecher vor Gericht

Foto: Guy Jallay/LW-Archiv
Am Park&Ride Bouillon wurde eine Frau am Abend des 21. März 2016 angegriffen.
Lokales 2 Min. 19.09.2018

Messerstecher vor Gericht

Die Sommerferien sind vorbei – auch an den Gerichten. Kurz nach der Rentrée befasste sich die Kriminalkammer des Bezirksgerichtes Luxemburg am Mittwoch mit einem versuchten Totschlag.

(SH) - Er habe etwas getan, was ihn bedrücke und weshalb er seit Nächten nicht mehr schlafen könne. Er habe wohl einen Menschen umgebracht. Mit diesen Worten meldete sich ein junger Mann im November vergangenen Jahres bei der Polizei. In der anschließenden Vernehmung gibt der Mann weitere Details zur Tat, allerdings steht er unter solch starkem Alkoholeinfluss, dass die Vorführung beim Untersuchungsrichter auf den kommenden Tag verschoben werden muss. Hier bestätigt er seine Aussage, woraufhin sowohl er als auch sein Komplize festgenommen werden.

Für die Polizei löst sich somit ein Fall, der anderthalb Jahre zurückgeht – nämlich auf den 21. März 2016. An besagtem Tag waren zwei junge Männer auf der Suche nach Geld, um sich Drogen zu beschaffen. Immer wieder drehten sie in ihrem Wagen Runden durch das Bahnhofsviertel. Nachdem sie am Nachmittag bereits mehreren Jungen das Handy gestohlen hatten, erblickten sie gegen 20 Uhr eine Frau in der Nähe des Park&Ride Bouillon. Diese trug eine Handtasche bei sich, auf deren Inhalt die beiden Täter es abgesehen hatten. Während einer der Männer im Auto sitzen blieb, nahm der andere die Verfolgung der Frau auf – bewaffnet mit einem Messer, das er aus dem Wagen mitgenommen hatte.

Vor Gericht beteuerte der 25-Jährige am Mittwoch, dass dieses eigentlich nur zur Abschreckung hätte dienen sollen. Als die Frau sich dann allerdings im Aufzug des Parkhauses zur Wehr setzte und zu schreien begann, sei er in Panik geraten. „Ich war nicht mehr Herr der Lage“, erklärte er den Richtern. Er hätte nicht gewusst, wann er wieder aus dem Aufzug kommen könne und hätte Angst gehabt, dass jemand etwas von dem Überfall mitbekommen würde.

Potenzielle Lebensgefahr

Zudem habe er unter Drogeneinfluss gestanden. Dies würde erklären, warum er letztendlich doch zugestochen hatte. Dies hatte er gleich mehrmals getan, zudem hatte er auf sein Opfer eingeschlagen, wodurch die Frau Verletzungen im Brustbereich, an der Lunge, der Schulter, im Nacken und im Gesicht davongetragen hatte und im Krankenhaus notoperiert werden musste. Sie überlebte – „es bestand aber potenzielle Lebensgefahr“, ließ ein Gerichtsmediziner keine Zweifel an der Schwere der Verletzungen aufkommen.


Der Tatort liegt in der Rue Grand-Duchesse Charlotte in Mersch.
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Mit einer Holzlatte und einem Messer bewaffnet griffen zwei Männer am Dienstagabend den Betreiber einer Imbissstube in Mersch an. Stunden zuvor hatte bereits ein Handtaschendieb in Hollerich mit einem Messer zugestochen.

Auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft fand klare Worte. Er sprach von einem Schaden, der in keinem Verhältnis zu dem Vergnügen stehe, das sich die beiden Männer durch den Drogenkonsum verschaffen wollten. „Sie können nicht jeden Menschen als Geldautomaten betrachten, nur weil Sie Geld für Ihre Drogen brauchen“, erklärte er und fuhr fort: „Die Frau wird sich noch in den kommenden zehn bis 15 Jahren jedes Mal, wenn sie in einem Parkhaus einen Fahrstuhl betritt, an Sie erinnern.“

Hätte er anders eingestochen und die Frau wäre gestorben, würden beide nun lebenslänglich bekommen. Der zweite Mann hätte zwar wohl im Wagen gewartet, er hätte allerdings zumindest gesehen, dass der andere ein Messer bei sich trug und zu diesem Zeitpunkt eingreifen müssen.

Ob es in diesem Fall jedoch tatsächlich eine Tötungsabsicht gegeben habe, stehe nicht fest, so der Vertreter der Staatsanwaltschaft weiter, der Freiheitsstrafen von jeweils acht Jahren forderte. In seinen Augen könnte der Messerstecher gar mit einer milderen Strafe davonkommen, als sein Komplize. Dies zum einen aufgrund der Vorstrafen, zum anderen aber auch, weil ihm dadurch, dass er sich gestellt habe, mildernde Umstände zugestanden werden könnten.

Die Richter geben ihr Urteil am 11. Oktober bekannt.


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