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Menschen im Mittelpunkt: Zwischen Konfetti und Kamellen
Der Esel auf dem Wagen der Eselen aus der Sauerstad darf auf keinen Fall fehlen.

Menschen im Mittelpunkt: Zwischen Konfetti und Kamellen

Foto: Christophe Olinger
Der Esel auf dem Wagen der Eselen aus der Sauerstad darf auf keinen Fall fehlen.
Lokales 4 Min. 09.02.2018

Menschen im Mittelpunkt: Zwischen Konfetti und Kamellen

Marcel Wagner ist Vizepräsident der Diekircher Eselen aus der Sauerstad. Seit 18 Jahren organisiert er die Kavalkade in Diekirch mit.

von Lea Schwartz

Trifft die „Glitzerwelt der Einhörner“ auf die „Wasser-Feen von der Mosel“, dann ist das nicht der Beginn eines Märchens, sondern bedeutet, dass wieder Karneval ist. So lauten nämlich die Mottos von zwei der 57 teilnehmenden Vereine bei der Kavalkade in Diekirch.

So richtig zum Feiern wird Marcel Wagner aus Rollingen bei Mersch allerdings nicht kommen. An ihm und den sieben anderen Vorstandsmitgliedern der Eselen aus der Sauerstad Dikrich hängt nämlich die ganze Organisation der Kavalkade. Erst wenn alles reibungslos läuft, können sie durchatmen. „Nach der Kavalkade gibt es noch die Preisverleihung für die besten Karnevalswagen und Kostüme. Danach werden wir auch feiern“, sagt Marcel Wagner. Einen Karnevalsumzug für 30.000 Besucher organisieren: für den 63-Jährigen schon fast Routine. Immerhin ist er schon 18 Jahre in Folge bei der Organisation dabei.

Als gebürtiger Diekircher war die Kavalkade schon als Kind für ihn ein Thema. Allerdings nahm er nur als Zuschauer teil. In seiner Jugend half er dann einigen Vereinen von Zeit zu Zeit beim Bau der Karnevalswagen aus. Erst als er gefragt wurde, ob er in den Vorstand der Eselen kommen wollte, wurde er zu einem Vollblut-Karnevalisten.

Das Ganze Jahr über

Wenn die meisten ihre Kostüme nach dem Karneval zurück in den Schrank räumen und die fünfte Jahreszeit erst einmal wieder vergessen, ist der Karneval für Marcel Wagner noch nicht vorbei. Getreu dem Motto „Nach dem Föss ist vor dem Föss“ werden in den Monaten danach die Abrechnungen gemacht. 120 000 Euro lässt sich der Verein die Kavalkade kosten. Das Meiste wird durch Sponsoren finanziert, aber auch die Eintrittspreise machen einen Löwenanteil aus. „Die Suche nach Sponsoren ist unsere Hauptaufgabe und die beginnt schon im August“, erzählt Marcel.

Wir sind ein eingespieltes Team, jeder kennt seine Aufgaben.“

Seitdem feilt der Vorstand an der Organisation für diesen einen Tag. Von da an treffen sich die Vorstandsmitglieder einmal die Woche, ab Januar sogar zweimal.

Ein zeitintensives Hobby, aber Marcels Frau unterstützt sein Hobby „Sie hilft sogar von Zeit zu Zeit bei Festen für den Club“, sagt Marcel. Die Kinder treten die Nachfolge ihres Vaters aber wohl eher nicht an. Obwohl auch die laut Marcel gerne Karneval feiern.

Ganz alleine ist Marcel natürlich nicht bei der Organisation. Die Diekircher Kavalkade wird jedes Jahr von nur acht Vorstandsmitgliedern gemeistert. „Wir sind ein eingespieltes Team, jeder kennt seine Aufgaben”, sagt Marcel. „Besser acht Menschen, die gut arbeiten, als zwanzig, die nichts tun.“

So eine richtige Pause vom Karneval gibt es für Marcel demnach nur an zwei Monaten, den Rest des Jahres gibt es immer etwas zu tun.

Wenn das Wetter gut ist, sind wir schon gerettet – und die Vorhersagen sind vielversprechend.“

Trotzdem ist es ein Hobby, dem der Rentner gerne nachgeht. „Das Organisieren an sich macht einfach Spaß“, erzählt Marcel. „Es erfüllt einen mit Stolz, Teil von etwas Großem zu sein und die Kavalkade jedes Jahr wieder auf die Beine zu stellen.“

Sicherheit geht vor

Die Diekircher Kavalkade zieht jedes Jahr viele Besucher an. Je größer der Besucheransturm, desto größer auch die Frage nach Sicherheit. „Wir haben dieses Jahr mehr Sicherheitskräfte als die Jahre davor. Aber auch die Polizei unterstützt uns ganz gut“, sagt Marcel. Trotzdem appelliert er auch an die Besucher selbst. „Vor allem Eltern, die mit ihren Kindern kommen, sollen ein wachsames Auge auf sie haben. Wir waren schon einmal im Fall, dass eine Mutter mit Kindern am Rand stand. Gerade, als der ganze Umzug losfahren sollte, haben wir bemerkt, dass die Kinder unter den Wagen waren, um Süßigkeiten zu sammeln. Wir mussten den ganzen Umzug abbremsen. Zum Glück ist nichts passiert, aber es war haarscharf“, erzählt Marcel.

Sechs Tonnen Süßigkeiten

Wenn alle Umzugswagen unterwegs sind, bildet der Vorstandswagen das Schlusslicht. Der große Wagen wird von Jahr zu Jahr nur minimal verändert. Dieses Jahr hat er einen neuen Anstrich bekommen. Auf keinen Fall darf für die Kavalkade in Diekirch der riesige Esel am Kopf des Wagens fehlen. Was auch nicht fehlen darf, sind die traditionellen Kamellen.

„Wenn wir mit unserem Wagen unterwegs sind, müssen wir mit beiden Händen Süßigkeiten herauswerfen, denn wir haben insgesamt sechs Tonnen, die es gilt, loszuwerden“, sagt Marcel. Die anderen Wagen haben deutlich weniger. 50 Kilogramm stehenjedem zu. Manche bringen Süßigkeiten von sich aus mit, aber an die sechs Tonnen des letztenWagens kommt wohl niemand heran.

„Ich freue mich auch schon, die Wagen der Vereine zu sehen. Die Karnevalsvereine aus der Großregion kommen immer mit riesigen Gefährten. Man kann sich dann kaum vorstellen, dass die überhaupt durch die Diekircher Altstadt kommen. Am Ende schaffen sie es dann doch immer“, erzählt Marcel. „Aber auch die Luxemburger Vereine geben sich immer viel Mühe und können durchaus mithalten“.

Aufregung gibt es bei Marcel nicht: „Wenn das Wetter gut ist, sind wir gerettet – und die Vorhersagen sind vielversprechend.“


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