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"Meine Arbeit wurde nicht gewürdigt": Bürgermeister Henri Frank tritt zurück
Lokales 2 Min. 14.10.2017 Aus unserem online-Archiv

"Meine Arbeit wurde nicht gewürdigt": Bürgermeister Henri Frank tritt zurück

Noch-Bürgermeister Henri Frank (72) macht Schluss mit der Gemeindepolitik.

"Meine Arbeit wurde nicht gewürdigt": Bürgermeister Henri Frank tritt zurück

Noch-Bürgermeister Henri Frank (72) macht Schluss mit der Gemeindepolitik.
Foto: Steve Eastwood
Lokales 2 Min. 14.10.2017 Aus unserem online-Archiv

"Meine Arbeit wurde nicht gewürdigt": Bürgermeister Henri Frank tritt zurück

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Nach 36 Jahren als Bürgermeister von Manternach zieht Henri Frank einen Schlussstrich. Am Sonntag war er zwar in den Gemeinderat gewählt worden, allerdings nur auf den fünften Platz. Jetzt zieht er sich aus der Politik zurück.

(vb) - Nach 36 Jahren als Bürgermeister von Manternach zieht Henri Frank einen Schlussstrich. Am Sonntag war er zwar in den Gemeinderat gewählt worden, allerdings nur auf den fünften Platz. Den Frust darüber kann der Noch-Bürgermeister kaum verbergen: „Ich hinterlasse eine exzellente Bilanz. Das Volk hat das aber nicht gewürdigt.“

Eigentlich hatte er vorgehabt, noch drei Jahre als Bürgermeister an der Spitze der Gemeindeverwaltung zu stehen und „die jüngere Generation aufzubauen“. Die hat aber selbst das Ruder übernommen. 30 Jahre alt ist Manternachs zukünftiger Bürgermeister Jempi Hoffmann – genau so alt wie Henri Frank, als er den Bürgermeisterposten übernahm. Das Amt füllt er bis heute aus – mit einer Unterbrechung von 2005 bis 2011.

Wenig Gestaltungsraum

Seinen Nachfolger beneidet Henri Frank nicht: „Mir tun die jüngeren Kommunalpolitiker leid, denn sie müssen sich ohne Hilfe in die schwierige Materie einarbeiten.“ Ohnehin habe sich die Gemeindepolitik seit Beginn seiner Amtszeit grundlegend geändert. Von kommunaler Autonomie sei kaum noch etwas zu spüren, vieles werde von übergeordneten Verwaltungen vorgegeben. Als Beispiel nennt er den neuen allgemeinen Bebauungsplan (PAG) für Manternach. Ein halbes Dutzend Anläufe habe er gemacht, das Planungswerk ändern zu lassen – jedoch ohne Erfolg.

Trotz bürokratischer Hindernisse sei es ihm gelungen, vieles auf die Beine zu stellen: „Die Infrastrukturen sind perfekt, angefangen bei den Straßen über Kanal und Kläranlagen bis zur Wasserversorgung. Wir haben eine moderne Zentralschule in Berburg und ein zehn Jahre altes Stadion mit zwei Fußballplätzen“, zählt Henri Frank auf. „Und das alles, ohne uns zu verschulden.“ So sei Manternach eine der ganz wenigen Gemeinden Luxemburgs, die nicht einen Cent Schulden hat.

Für Diskussionen hatte in Manternach der Parkplatz vor dem Schulcampus gesorgt. Eltern wollten mehr Platz, um ihre Kinder mit dem Auto abzusetzen. „Ich habe die Notwendigkeit nicht gesehen und sie auf die Schulbusse verwiesen“, sagt Frank.

Seine Einbußen bei der Wahl am Sonntag führt Noch-Bürgermeister Frank auf ein Flugblatt von Gemeinderatsmitglied und Ex-ADR-Parlamentarier Roby Mehlen zurück. Im Kern ging es um eine Personalaffäre in der Gemeindeverwaltung. Diese „angespannte Beziehung“ mit Roby Mehlen ist auch ein Grund dafür, dass sich Frank ganz aus dem Gemeinderat zurückzuziehen will.

Wenn er auf die zurückliegenden Jahre blickt, resümiert er nüchtern: „Le pouvoir use. Man kann es eben nicht allen recht machen.“ Umso größer ist die Erleichterung jetzt, da er als Bürgermeister aufhört: „Mir fällt eine zentnerschwere Last von den Schultern.“ In Zukunft will sich der 72 Jahre alte Henri Frank, der noch als Rechtsanwalt aktiv ist, Freizeitbeschäftigungen wie Literatur und Philosophie widmen.


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