Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Mehr als zehn Prozent der Zugreisenden kommen zu spät
Das Zugnetz in Luxemburg ist überlastet. Täglich werden 90 000 Passagiere befördert.

Mehr als zehn Prozent der Zugreisenden kommen zu spät

Foto: Lex Kleren
Das Zugnetz in Luxemburg ist überlastet. Täglich werden 90 000 Passagiere befördert.
Lokales 4 Min. 18.07.2018

Mehr als zehn Prozent der Zugreisenden kommen zu spät

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
Als verspätet taucht ein Zug erst ab mehr als sechs Minuten Verspätung in der Statistik auf. Doch auch Zugausfälle sorgen für Unannehmlichkeiten. Von Januar bis Juni fielen 3.246 Züge teilweise oder ganz aus.

Frank hat die Nase voll von unpünktlichen Zügen. Akribisch dokumentiert er die Verspätungen und Ausfälle, von denen er auf der Zugstrecke Mersch-Ettelbrück betroffen ist. Bei der nationalen Eisenbahngesellschaft CFL fragt er immerzu nach den Ursachen. Meist wird auf technische Probleme verwiesen. „In der Öffentlichkeit wird immerzu von vorübergehenden Störungen infolge des Ausbaus des Netzes gesprochen. Mich interessiert aber, was konkret gegen die Verspätungen unternommen wird“, meint Frank.

Rede und Antwort zu diesem Thema standen gestern Nachhaltigkeitsminister François Bausch und der Generaldirektor der CFL, Marc Wengler, bei einer Pressekonferenz. Dabei stellten sie ihre Sicht der Dinge dar und untermalten subjektive Wahrnehmungen mit Statistiken. Vorgestellt wurde die Bilanz des ersten Halbjahres 2018 verglichen mit dem Vorjahr. Täglich nutzen im Schnitt 90.000 Personen den Schienenverkehr. 89,4 Prozent haben ihr Ziel im ersten Halbjahr 2018 pünktlich erreicht. Im Schnitt waren es 2017 zwei Prozent mehr. 92,4 Prozent der Züge waren in der gleichen Periode indes pünktlich. Eine Steigerung von 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der Statistik zufolge waren die Züge dieses Jahr, gerechnet auf alle Züge, im Schnitt zwei Minuten in Verspätung. Im vergangenen Jahr waren dies noch 2,3 Minuten. Jedoch wird eine Verspätung ab sechs Minuten erst als Verspätung in der Statistik mitgezählt. Nicht in der Statistik finden sich auch Züge, die über 30 Minuten verspätet sind. Sie werden bei den ausgefallenen Zügen mitgezählt. Im ersten Halbjahr 2018 sind insgesamt 5.077 Züge ausgefallen. „Rechnet man die Züge, die aufgrund des Streiks in Frankreich nicht fahren konnten raus, so sind es weniger“, rechtfertigt Marc Wengler diesen Umstand. Dann kommt man auf 3.246 Züge. Zum Vergleich: Von Januar bis Juni 2017 waren 3.822 Züge ausgefallen.

Was Züge aus dem Takt bringt

Pro Tag gerechnet sind dies im ersten Halbjahr 2018 fast 18 Züge. Die Mehrheit der Ausfälle ist auf Arbeiten an den Zugstrecken zurückzuführen. Dann werden gewöhnlich Busse eingesetzt, sodass die Weiterfahrt der Passagiere zwischen Januar und Juni 2018 zu 97,8 Prozent gesichert war. Ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozent.

Die Gründe für die Verspätungen der Züge sind sehr vielfältig. 37 Prozent der Fälle werden in einer Kategorie zusammengefasst, die Domino-Effekt genannt wird. Zu einem solchen kommt es, wenn die Verspätung eines Zuges Rückwirkungen auf den Fahrplan anderer Züge hat. Etwa, wenn eine Bahnschranke außer Betrieb ist, wie es laut dem Generaldirektor äußerst regelmäßig der Fall ist. Gegen den Domino-Effekt versucht die CFL vorzugehen, indem unter anderem Bahnübergänge möglichst verschwinden sollen. Bis 2023 sollen von den 80 momentan bestehenden Übergängen mindestens zehn beseitigt werden.

Besonders wollen die Verantwortlichen aber auch auf die Entflechtung des Zugnetzes setzen. Der Ausbau des Hauptbahnhofs spielt bei dem Plan eine zentrale Rolle. Durch die vier zusätzlichen Gleise bis 2021 werden etwa unter anderem der Zug aus Frankreich und der aus Düdelingen nicht mehr über dieselben Gleise in den Bahnhof ein- und ausfahren.

16 Prozent der Verspätungen werden laut CFL-Statistik bereits im Ausland verursacht. 18 Prozent sind darauf zurückzuführen, dass der Zug im Bahnhof länger anhielt oder Zeit auf der Strecke verloren hat. Mehr als die Hälfte der Verspätungen (55 Prozent) sind indirekt auf eine Überlastung des Zugnetzes zurückzuführen. „Wie nirgendwo sonst in Europa ist die Zahl der Passagiere in den vergangenen zehn Jahren dermaßen stark gestiegen“, erklärt Marc Wengler. „Zwischen 1980 und 2005 hat die Passagierzahl quasi stagniert. Zwischen 2003 und 2017 stieg sie um 70 Prozent.“ 22,9 Millionen Passagiere wurden 2017 gezählt. 2005 waren es 14,1 Millionen. Aber auch der Güterzugverkehr spielt bei der Überlastung des Netzes eine Rolle. Im Schnitt sind 1.000 Züge pro Tag auf dem Luxemburger Schienennetz unterwegs. 40 Prozent davon überqueren auch die Grenze.

Alle Wege führen in die Hauptstadt

Gerade wegen dieses Wachstums, aber auch wegen anderer Besonderheiten Luxemburgs, könne man sich in Sachen Pünktlichkeit momentan nicht mit dem Spitzenreiter Schweiz vergleichen, meint der Generaldirektor. „Unser Zugnetz hat eine Sternenform. Alle Linien führen in oder durch die Hauptstadt. Es gibt keine Möglichkeiten für Bypasse. Der Ausbau des Hauptbahnhofs wird eine Verbesserung bringen“, führt er aus. Aber auch weitere große Projekte sind noch in Planung oder dabei fertiggestellt zu werden (siehe Kasten). Und auch die Information und der Austausch mit den Kunden soll verbessert werden.

Bisher wurden 2,16 Milliarden Euro investiert. 3,89 Milliarden sollen bis 2027 folgen. „Wenn ich meinen Amtskollegen im Ausland über die Höhe der Investitionen erzähle, fallen die vom Stuhl“, sagt François Bausch. „Aber sie sind notwendig.“ Noch zehn Jahre ist jedoch Geduld gefragt. Bis dahin sollen alle Projekte, die sich in Planung befinden, abgeschlossen sein. Erst dann wird sich zeigen, ob Luxemburg es in Sachen Pünktlichkeit mit dem Spitzenreiter Schweiz aufnehmen kann.





Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die CFL und der "Domino-Effekt"
Die Luxemburger Bahn hat ein großes Problem: Das Netz ist zu den Stoßzeiten hoffnungslos überlastet. Immerhin: Bei der Pünktlichkeit geht es leicht aufwärts.
Die Nordstrecke - eingleisig - in Höhe von Wilwerwiltz. Tunnel = Tunnel in Lellingen (Wilwerwiltz) / Foto: Armand WAGNER
Wenn Zugfahren zur Geduldsprobe wird
Durch den neuen Fahrplan kommt es auf der Wasserbilliger Eisenbahnstrecke häufig zu Störungen. Die CFL gelobt Besserung - aber erst, wenn wichtige Baustellen abgeschlossen sind.
Die Wasserbilliger Strecke bei Roodt/Syr: An den kleineren Bahnhöfen fahren die Züge oft vorbei.
Ab Anfang 2018: Pendler müssen umsteigen
Die direkte Zugverbindung zwischen Volmerange-les-Mines und dem Bahnhof in Luxemburg-Stadt wird dem neuen CFL-Zeitplan ab Anfang 2018 zum Opfer fallen. Demnach müssen künftig viele Pendler umsteigen.
Die CFL will ihren Kunden auf allen Fahrstrecken ein WLAN-Angebot ohne Unterbrechungen anbieten.
Hängt die Eisenbahngesellschaft den Norden ab?
Zum Wechsel auf den Winterfahrplan am Sonntag, dem 14. Dezember 2014, ändern sich auf der Linie N10 Gouvy–Luxemburg die Zugverbindungen. Davon ist natürlich auch die Strecke von Ettelbrück in Richtung Luxemburg-Stadt betroffen.