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Mehr als 500 Bürger bei Marsch in Grevenmacher: NEIN zum Tanklagerausbau
Lokales 9 1 4 Min. 08.03.2015

Mehr als 500 Bürger bei Marsch in Grevenmacher: NEIN zum Tanklagerausbau

Bei herrlichem Frühlingswetter protestierten am Samstagnachmittag mehr als 500 aufgebrachte Bürger aus den Gemeinden Mertert, Grevenmacher und Temmels gegen die aktuellen Pläne für den Tanklagerausbau im Merterter Hafen.


(asc) - Nach Angaben der Polizei waren etwa 300 Bürger aus den Kommunen Grevenmacher und Mertert gekommen, um ihren Unmut gegen die gegenwärtigen Pläne für die Erweiterung des Erdöltanklagers der Firma Tanklux S.A. im Merterter Hafen kund zu tun. Auch rund 200 Einwohner aus den deutschen Ortschaften Temmels und Konz nahmen im Anschluss an den Protestmarsch an der Kundgebung vor dem Kultur- und Sportzentrum teil.

"Tanklux: Temmels 143 Meter entfernt"

Angeführt von einer Polizeieskorte zogen die etwa 300 Einwohner aus den Gemeinden Grevenmacher und Mertert gegen 14 Uhr in einem friedlichen Protestmarsch vom Sport- und Kulturzentrum am "Schweinsmarkt" in Grevenmacher in Richtung Tanklager, wo in Höhe des Standortes der neuen Erdölbehälter eine  Protestaktion stattfand. Die mitgeführten Banderolen mit Parolen wie "Neen! zum Ausbau vun den Tanken! Jo! zur Liewensqualitéit fir d'Bierger!", "Kein Benzin vor meiner Haustür", "Benzintanklager sind gefährlich" und "Tanklux: Mit Seveso-Gruß an die Mosel mit Gift und Ruß" sowie Schildern auf denen die Mindestentfernungen zwischen dem geplanten Tanklager und den nächstgelegenen Häusern (Temmels: 143 Meter; Konz: 8,1 Kilometer; Trier: 13,2 Kilometer) drückten die betroffenen Bürger ihre Ablehnung beziehungsweise ihre Befürchtungen bezüglich des geplanten Ausbaus aus. 

Anschließend kehrten die Demoteilnehmer wieder geschlossen zurück zum Sport- und Kulturzentrum, wo sie bereits von etwa 200 besorgten Bürgern aus den am gegenüberliegenden Moselufer angesiedelten Gemeinden Temmels und Konz erwartet wurden. Dort richteten der Grevenmacher Bürgermeister Léon Gloden und der Bürgermeister der Stadt und Verbandsgemeinde Konz (D), Karl-Heinz Frieden, Ansprachen hielten. 

"Schenken den Aussagen der Tanklux-Vertreter keinen Glauben"

Nachdem Gloden den Teilnehmern für ihr zahlreiches Kommen gedankt hatte, meinte er: "Es reicht. Es muss endlich Schluss sein mit der Verschleierungstaktik". Der Geschäftsführer der Firma Tanklux S.A. habe am Freitag zwar in einem Interview betonte, dass "noch keine definitive Entscheidung für den Tanklagerausbau gefallen sei" und trotzdem werde hinter verschlossenen Türen "fleißig am Ausbau weiter geplant", so Gloden. Der Tanklux-Behauptung, dass nach dem Ausbau nur zwei Schiffe zusätzlich pro Monat, einen weiteren Zug pro Woche und nur einen Lastwagen im Zweistundentakt dort Mineralöl dort abliefern bzw. auftanken wird, könne "niemand in der Region Glauben schenken".  Dann reagierte Gloden auch auf "eine Behauptung von Wirtschaftsminister Etienne Schneider, der in einem Interview behauptet hatte, dass "die Bürgermeister aus Mertert und Grevenmacher als Vertreter beider Gemeinden im Verwaltungsrat der Hafengesellschaft dem Ausbau des Tanklagers zugestimmt hätten". Dem sei nicht so, beide Bürgermeister seien zwar Mitglied dieses Verwaltungsrates, hätten allerdings kein Stimmrecht. Beide Gemeinderäte seien nach wie vor gegen den Ausbau des Tanklagers, so Gloden, der nochmal die bisher an die Öffentlichkeit gesickerte Einzelheiten bezüglich der Ausbaupläne resümierte. Bevor die Firma an einem Ausbau des Lagers plane, täte sie besser daran, die bestehenden einwändigen Erdölbehälter den derzeit geltenden Sicherheitsnormen anzupassen, meinte Gloden, der zudem darauf hinwies, dass laut den derzeit geltenden Sicherheitsstandards Erdöltanks über eine doppelte Wand verfügen müssten. 

"Kein Grevenmacher Bürgermeister wird eine Baugenehmigung erteilen"

Gloden wies auch daraufhin, dass die betroffenen Gemeinden zum jetzigen Zeitpunkt keine rechtlichen Möglichkeiten hätten, um das Projekt zu verhindern. "Erst im Rahmen des Commodo-Incommodo-Verfahrens können die Gemeinden und die Bürger ihre Einwände gegen den Ausbau äußern", so Gloden, der denn auch sämtliche Einwohner besagter Gemeinden aufrief, diese Möglichkeit zu gegebenem Zeitpunkt zu nutzen. "Sollten unsere Bedenken im Rahmen der Commodo-Prozedur nicht berücksichtigt werden, werden wir vor dem Verwaltungsgericht klagen", stellte Gloden klar, der nochmals betonte, dass er "und auch kein künftiger Bürgermeister Grevenmachers eine Baugenehmigung für diesen Ausbau erstellen werde". Gloden sprach auch die mangelnde Ausstattung der luxemburgischen Feuerwehrkorps, die im Ernstfall ausrücken müssten, an und erinnerte daran, dass Letztere im Ernstfall auf die Unterstützung der BASF-Feuerwehr angewiesen seien. "Und auch wenn noch keine definitive Entscheidung für den Tanklagerausbau gefallen ist, so werden wir weiter kämpfen", versprach der Bürgermeister.

"Bei einem Feuer wird die Luft tagelang mit giftigen Dämpfen belastet"

Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Konz, Karl-Heinz Frieden, rief die versammelten Bürger auf, noch mehr Einwohner aus der Region für die Tanklagerproblematik zu sensibilisieren. Denn im Ernstfall seien nicht nur die Anrainergemeinden von den Auswirkungen betroffen. Frieden erinnerte an den Brand in einem Erdöllager in der Peripherie Londons vor einigen Jahren. Damals hätten die Mineralölmengen tagelang gebrannt. Dabei seien giftige Dämpfe freigesetzt worden, die über eine längere Zeit die Luft verseucht hätten. Dies müsse man auch beim Tanklager in Mertert berücksichtigen. Denn bei einem Brand könnten je nach Windrichtung die Ortschaften auf einem Territorium von 170 Quadratkilometern betroffen sein. Auch die wirtschaftlichen und ökologischen Konsequenzen müsse man bei einem solchen Vorfall berücksichtigen, unterstrich Friedrich, der den Bürgern und Gemeinderäten der luxemburgischen Kommunen die Unterstützung der Stadt und Verbandsgemeinde Konz, der Gemeinde Temmels und der Stadt Trier zusicherte.

Die Tanklagerproblematik war in der Öffentlichkeit wieder auf Initiative des Grevenmacher Bürgermeisters Léon Gloden thematisiert worden, nachdem er und seine Schöffenratskollegen  von der abgeänderten Projektvorlage erfahren hatten. Stein des Anstoßes dieser Vorlage ist die Tatsache, dass nun neben Heizöl und Dieseltreibstoff auch Benzin, Kerosin und Additive auf dem Gelände gelagert werden sollen. Zudem hatte der Grevenmacher Schöffenrat gleichzeitig erfahren, dass die neuen Tanks in einer geringeren Entfernung zur Ortschaft Grevenmacher und den ersten Häusern aufgestellt werden sollen, was wiederum ein erhöhtes Risiko für die lokale Bevölkerung darstellt.


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