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Mann ersticht Partnerin - Frage nach dem Motiv offen
Lokales 4 Min. 14.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Mann ersticht Partnerin - Frage nach dem Motiv offen

Die Polizei sperrt den Raum um den Tatort in der Rue de la Gare in Remich am späten Nachmittag des 24. Juli 2018 großräumig ab. Ein junger Mann hat zuvor in einer Wohnung seine Partnerin getötet.

Mann ersticht Partnerin - Frage nach dem Motiv offen

Die Polizei sperrt den Raum um den Tatort in der Rue de la Gare in Remich am späten Nachmittag des 24. Juli 2018 großräumig ab. Ein junger Mann hat zuvor in einer Wohnung seine Partnerin getötet.
Foto: Fernand Morbach/LW-Archiv
Lokales 4 Min. 14.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Mann ersticht Partnerin - Frage nach dem Motiv offen

Drei tödliche Messerstiche fügt ein Mann seiner Partnerin im Juli 2018 in der gemeinsamen Wohnung in Remich zu. Nun steht er wegen Mordes vor Gericht.

(SH) - „Sie will keinen neuen Mann, ich keine neue Frau. Danke für alles, was du für uns getan hast. Wir gehen jetzt.“ Das sind die letzten Worte, die ein damals 22-jähriger Mann seiner Mutter am 24. Juli 2018 gegen 17.20 Uhr am Telefon mitteilt. Dann wird die Verbindung unterbrochen. Die besorgte Mutter, die ohnehin unterwegs zur Wohnung des Paares in Remich ist, kann in der Folge weder ihren Sohn noch dessen Freundin erreichen.

Als sie allerdings rund zehn Minuten später vor Ort eintrifft, bietet sich ihr ein Bild des Schreckens. Ihr Sohn ist voll Blut, bittet sie, die Wohnung wieder zu verlassen, und schließt hinter ihr ab. Von der jungen Frau sieht die Mutter nur die Füße am Boden liegen.

Während die Mutter draußen die Polizei, die Rettungsdienste und ihren anderen Sohn verständigt, fügt sich ihr Junge drinnen mit einem Messer Schnitte im Bauchbereich zu. Seinem Bruder gelingt es, die Tür aufzubrechen und dem jungen Mann das Messer abzunehmen.

Opfer war schwanger

Während für die Frau jede Hilfe zu spät kommt, wird der Mann lebensgefährlich verletzt. Er wird mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen. Dort wird er notoperiert und liegt ein paar Tage im künstlichen Koma. Danach folgt eine Unterbringung in Untersuchungshaft. Nun muss sich der Mann wegen des Mordes an seiner Lebensgefährtin vor der Kriminalkammer des Bezirksgerichtes Luxemburg verantworten.

Drei tödliche Stiche soll der Angeklagte seiner Freundin mit einem Küchenmesser im Brustbereich zugefügt haben – einer davon 14 Zentimeter tief – und damit Herz, Lunge und Venen getroffen haben. Hinzu kommen Kopfverletzungen durch stumpfe Gewalteinwirkung – Fußtritte oder Faustschläge – sowie sechs weitere oberflächlichere Schnittverletzungen, die dem Opfer nach dem Tod zugefügt wurden.

Bei der Autopsie können zudem Abwehrverletzungen nachgewiesen werden. Und es stellt sich heraus, dass die Frau in der sechsten oder siebten Woche schwanger war. Kenntnis davon soll einem Ermittler der Kriminalpolizei zufolge weder der Mann noch sonst jemand aus dem Umfeld gehabt haben. Ob das Opfer selbst von der Schwangerschaft wusste, ist nicht bekannt. Allerdings legten ihre Angehörigen, die als Nebenkläger auftreten, einen Kassenbon von einem Schwangerschaftstest vor, den die Frau am 13. Juli 2018 – also neun Tage vor der Tat – erworben haben soll.

Sich selbst hat der Mann anschließend wohl mit einem kleineren Steakmesser verletzt. Dass er die Tat begangen hat, stritt der Angeklagte zum Auftakt des Prozesses nicht ab. Allerdings gab er an, es nicht gewollt zu haben. „Ich konnte mir nie im Leben vorstellen, so etwas zu tun.“

Auch im Polizeiverhör blieb der Beschuldigte vage, was das Motiv angeht. So sprach er zunächst davon, dass er die Frau verlassen wollte. Sie sei wütend geworden und mit einem Messer auf ihn losgegangen. Mit diesem soll sie ihm die Verletzungen zugefügt haben. Er habe daraufhin ebenfalls zu einem Messer gegriffen. Erst als dem Beschuldigten im Verhör mitgeteilt wurde, dass die Frau schwanger sei, sei er zusammengebrochen, so ein Ermittler. Er sei dann zurückgerudert und habe erklärt, dass die Frau ihn verlassen wollte. Er sei wütend geworden, es sei zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen und dann zu dem Streit, bei dem er die Frau erstochen und sich anschließend selbst Verletzungen zugefügt hat.


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Ein großes Rätsel

Diese Version ist dem Ermittler zufolge mit den Resultaten der Autopsie vereinbar. Eine Frage bereitet der Kriminalpolizei allerdings noch bis heute Kopfzerbrechen: „Der Auslöser des Streits bleibt immer noch ein großes Rätsel.“

Fakt ist, dass es 20 Minuten vor dem Angriff noch keine Anzeichen für eine solche Tat gab. Auch die Auswertung der Mobiltelefone und des Computers lassen nicht darauf schließen, dass es in der Beziehung Probleme gab. „Nach außen hin schienen sie ein perfektes Paar zu sein“, so der Ermittler. Auch die Mutter des Angeklagten, die ein Jahr lang mit dem Paar unter einem Dach wohnte, hat von etwaigen Streitereien nichts mitbekommen. Zwei Tage vor der Tat wurde der 22. Geburtstag der jungen Frau noch gefeiert. „Es war alles gut“, so die Mutter des Beschuldigten, die ein sehr gutes Verhältnis zur Partnerin ihres Sohnes unterhielt.

Ganz problemlos lief jedoch sowohl das Leben des Opfers als auch jenes des Täters nicht ab. Die junge Frau hatte zu ihrer Mutter und ihrer Schwester kaum Kontakt. Denn diese sollen ihren Partner nicht akzeptiert haben. Erst am 22. Geburtstag der jungen Frau – zwei Tage vor ihrem Tod – soll es wieder zu einer Kontaktaufnahme zwischen der Tochter und der Mutter gekommen sein.


Die Tat ereignete sich in einer Dachgeschosswohnung in Remich.
Beziehungsdrama in Remich: Frau war 22 Jahre alt
Am Dienstagabend wurde eine Frau in Remich tödlich verwundet. Der Staatsanwaltschaft zufolge hatte der Partner des Opfers während eines Streits zu einem Messer gegriffen.

Der Täter leidet unterdessen an Epilepsie. Die Krankheit soll es ihm nicht ermöglicht haben, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Allerdings wurde er einem Neurologen zufolge seit Ende 2017 erfolgreich behandelt. Es gebe kein Element, das darauf hindeute, dass es im Rahmen der Tat einen epileptischen Anfall gegeben habe, so der Neurologe.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Neben einer DNS-Expertin werden noch weitere Zeugen gehört.

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