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Manipulation im Netz: Internet-Hoaxes: Genauer hinsehen lohnt sich
Lokales 4 Min. 12.10.2015

Manipulation im Netz: Internet-Hoaxes: Genauer hinsehen lohnt sich

Typischer Internet-Hoax: Leichtgläubige Personen lassen sich von derartigen Meldungen beunruhigen.

Manipulation im Netz: Internet-Hoaxes: Genauer hinsehen lohnt sich

Typischer Internet-Hoax: Leichtgläubige Personen lassen sich von derartigen Meldungen beunruhigen.
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Lokales 4 Min. 12.10.2015

Manipulation im Netz: Internet-Hoaxes: Genauer hinsehen lohnt sich

Globale Vernetzung, Kostenfreiheit und relative Anonymität machen das Internet nicht nur zum idealen Werkzeug der Informations- und Wissensvermittlung, sondern leider auch zu einem äußerst effektiven Vehikel für Betrug, Desinformation und Propaganda jeglicher Art.

(mth) - Der nigerianische Anwalt, der Ihnen im Namen eines reichen, ihnen gänzlich unbekannten Klienten ein Vermögen anbietet, vorausgesetzt, Sie überweisen einen Vorschuss, um „Formalitäten zu erledigen“. Oder die hübsche junge Frau, die in Ihnen ihren potenziellen Traumpartner erkannt hat, obschon Sie nie zuvor Kontakt zu ihr hatten? Vielleicht auch die verlockende Mail eines obskuren Apple-Händlers, der Ihnen netterweise seine brandneuen, aber leider überzähligen iPhones zum absoluten Spottpreis anbietet? Oder einfach die reißerische Meldung, die entweder vor bürgerkriegsähnlichen Zuständen warnt oder Ihnen auch nur nahelegt, sie sofort zu lesen, denn „was dann passierte, war so unglaublich...“

Digitale Fallstricke

All dies oder ähnliches dürfte einem jeden, der seit einiger Zeit im Netz unterwegs ist, bekannt vorkommen. Betrugsmaschen, Desinformation, Falschmeldungen oder vermeintliche Sensationsnachrichten, die sich bei näherer Betrachtung als haltlos erweisen, haben seit einigen Jahren Hochkonjunktur. Der Grund dafür ist in der rasanten Entwicklung des Internets im Allgemeinen und der so genannten sozialen Netzwerke im Besonderen zu suchen.

Nie zuvor in der Menschheitsgeschichte war es so einfach und vor allem billig, so vielen Menschen so schnell Botschaften zu übermitteln. Und nie zuvor war es so schwer, den Wahrheitsgehalt dieser Botschaften einzuschätzen. Während der so genannte „Nigeria Scam“ oder „419 Scam“ (benannt nach dem Artikel 419 im nigerianischen Strafgesetzbuch betreffend dem Vorschussbetrug) schon in den 1980er Jahren mit der zunehmenden Verbreitung der Faxgeräte aufkam und demnach zu den Klassikern unter den Betrugsmethoden gehört, nahm das Phänomen nach der flächendeckenden Einführung des E-Mail-Verkehrs ungeahnte Dimensionen an.

Teils mit Paradoxen Folgen: in letzter Zeit stellt die Polizei immer öfters gleichartige Betrugsversuche via Briefpost fest. Offenbar war die Masche irgendwann via E-Mail so bekannt geworden, dass der gute alte Brief als der vertrauenswürdigere Kanal wiederentdeckt wurde.

Plattformen wie Facebook, Skype, WhatsApp oder Snapchat bieten jedoch immer neue Möglichkeiten, ahnungslose oder naive Benutzer zu betrügen oder zu manipulieren. Auch in Luxemburg gab es etwa bereits mehrere Fälle, in denen männliche Opfer unter Vorspiegelung falscher Tatsachen von ihrem zufällig kennen gelernten weiblichen Chatpartner zum Cybersex aufgefordert worden waren. Das böse Erwachen folgte dann, als der vermeintliche Internetflirt sich als Erpresser herausstellte, der damit drohte, bei Nichterfüllung seiner Forderungen kompromittierende Nacktbilder des Opfers zu veröffentlichen.

Ebenfalls sehr beliebt sind Angebote selbst ernannter „IT-Experten“, die bei ihren Opfern angeblich schwerwiegende Sicherheitslücken oder einen Befall mit Computerviren festgestellt haben wollen – mit dem einzigen Ziel, ihnen einen sündhaft teuren „Wartungsservice“ zu verkaufen, oder schlimmer noch, eine Software auf deren Rechner zu installieren, die zum Ausspähen von Kreditkartennummern und persönlichen Daten genutzt werden kann. Mittlerweile warnt die Polizei regelmäßig vor derartigen Betrugsversuchen, was nicht verhindert, dass meist ältere und mit derartigen Bauernfängereien unvertraute Menschen den Betrügern zum Opfer fallen.

Zudem steckt längst nicht immer hinter gezielt gestreuten Falschinformationen im Netz die kriminelle Absicht, den Opfern Geld zu hinterziehen. Oft werden Falschinformationen mit Absicht verbreitet, entweder als geschmackloser Scherz, oder aber mit einer verdeckten politischen oder böswilligen Motivation, etwa zur Rufschädigung. Kettenbriefe mit oft stark emotionalem Inhalt, in denen dazu aufgerufen wird, die betreffende Meldung weiterzuleiten, da ansonsten schwerwiegende Konsequenzen drohten, sind zwar lästig, zählen aber noch zu den harmloseren Falschinformationen, die im Netz kursieren.

Rufmord und Hetze im Netz

Wesentlich schwerwiegender sind die Konsequenzen, wenn derartige Botschaften sich auf reale Personen beziehen. Neben diffamierenden Botschaften, in denen Falschinformationen zu einer bestimmten Person verbreitet werden, um deren Ruf zu schädigen, zählen zu dieser Art von Nachrichten selbst gefertigte Zeugenaufrufe. Auch wenn diese nicht selten gut gemeint sind und beispielsweise vor verdächtigen Personen oder Bedrohungen warnen, erreichen derartige Initiativen oft genau das Gegenteil von dem, was beabsichtigt wurde.

Seit einiger Zeit kursieren beispielsweise Warnungen vor vergifteten Ködern, die von angeblichen Hundehassern ausgelegt würden. Auch wenn es derartige Fälle durchaus gegeben hat, sind diese dennoch sehr selten. Dadurch, dass im Netz jedoch permanent vor diesem Phänomen gewarnt wird, entsteht eine völlig übertriebene Hysterie, die bei psychisch sensiblen Personen zu regelrechten Angstneurosen führen kann.

Wer dagegen auf bloßen Verdacht hin selbst einen „Fahndungsaufruf“ gegen namentlich genannte oder auf Fotos erkennbare Personen ins Netz stellt, macht sich strafbar. Auch im Netz gilt die Unschuldsvermutung, und lediglich die Justiz darf derartiges tun.

Ein Besorgnis erregendes Phänomen stellen auch unseriöse oder schlichtweg falsche und manipulative Botschaften mit ausländerfeindlichem, rassistischem oder extremistischem Hintergrund dar. Vor dem Hintergrund sozialer Spannungen und globaler Phänomene wie der aktuellen Flüchtlingswelle tragen derartige Desinformationskampagnen, von extremistischen politischen Gruppierungen oder den ihnen nahestehenden Onlinemedien nicht selten bewusst dazu bei, Hass zu schüren und menschenverachtende Weltbilder zu zementieren.

Wer sich gegen derartige Betrugs- und Manipulationsversuche schützen möchte, der kann auf Onlineressourcen wie die Informationsseite ZDDK/Mimikama (www.mimikama.at) zurückgreifen, oder sich bei der luxemburgischen Initiative für Internetsicherheit „Bee Secure“ (www.bee-secure. lu) informieren – letztere bietet auch eine telefonische Helpline unter der Nummer (8002- 1234) an sowie eine spezielle „Stopline“-Seite (stopline.bee-secure. lu), um illegale oder problematische Inhalte zu melden. Liegt der Verdacht auf eine Straftat vor, dann ist die Luxemburger Polizei der richtige Ansprechpartner.

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