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Mangelnde Gewaltprävention in Luxemburgs Gefängnissen
Lokales 30.03.2021

Mangelnde Gewaltprävention in Luxemburgs Gefängnissen

Ein neues Anti-Gewaltprogramm ist in Arbeit, so Ministerin Tanson.

Mangelnde Gewaltprävention in Luxemburgs Gefängnissen

Ein neues Anti-Gewaltprogramm ist in Arbeit, so Ministerin Tanson.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 30.03.2021

Mangelnde Gewaltprävention in Luxemburgs Gefängnissen

Justizministerin Tanson erklärt, warum es in Luxemburgs Gefängnissen heute weniger Gewaltprävention gibt als früher.

(SC) - Die Gewalt in Luxemburgs Gefängnissen nimmt laut Justizministerin Sam Tanson (déi Gréng) leicht ab. Dies könne man seit rund drei Jahren beobachten, so die Politikerin in einer parlamentarischen Antwort auf die Frage des ADR-Abgeordneten Fred Keup. Eine genaue Einschätzung der Situation sei allerdings schwierig, da die unterschiedlichen Gewaltakte nur schwer miteinander zu vergleichen seien: „Nicht jeder Vorfall hat die gleiche Schwere und nicht jeder Akt passiert vorsätzlich“, so Ministerin Tanson.

Im Givenicher Gefängnis komme es sehr selten zu Gewalt, so Tanson. In Schrassig kam es seit 2019 hingegen zu mehreren Vorfällen, bei denen Gefangene entweder andere Insassen oder Gefängniswärter angriffen.


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Demnach wurden im Jahr 2019 zwei Teller nach einer Person geworfen, einmal versuchte ein Häftling, die Wächter am Schließen seiner Zellentür zu hindern. Eine Person wurde mit der Faust ins Gesicht geschlagen, während einer anderen ein Blatt Papier ins Gesicht gedrückt wurde. 

Im Jahr 2020 gingen zwei Insassen auf Beamte los, ein Wächter wurde zurückgestoßen. Bei Einsätzen der Groupe d'intervention Pénitentiaire wurden drei Beamte angegriffen, davon einer mit einem Stuhl. Ein Beamter wurde mit einem Teller beworfen. In zwei weiteren Fällen wurde eine Person ins Gesicht geschlagen, einer anderen ein Stück Seife ins Gesicht gedrückt.

Fehlende Programmleiter

Im Schrassiger Gefängnis sei früher ein Anti-Gewalttraining angeboten worden, dies sei aktuell allerdings nicht mehr möglich. Zum einen, weil nicht jeder aggressive Insasse ein geeigneter Kandidat für das Training sei, und zum anderen, weil die Gefängnisverwaltung schlicht keine geeigneten Professionellen findet, die dieses Training anbieten. Heute werde in Luxemburgs Gefängnissen weniger Gewaltprävention betrieben als früher, so die Justizministerin - das werde „für die allgemeinen Maßnahmen auch so bleiben“.


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Derzeit biete man verschiedenen Insassen lediglich individualisierte Psychotherapien an - ein neues Anti-Aggressionsprogramm sei aber bereits in Arbeit. Das Training wird von dem Département de la criminologie et de la recherche ausgearbeitet soll bald sowohl in Schrassig als auch in Givenich angeboten werden, so Tanson. Es ziele nicht nur darauf ab, das Konfliktpotenzial im Gefängnis zu minimieren, sondern die Insassen auf ein gewaltfreies Leben nach der Zelle vorzubereiten.

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