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Maître Rosario Grasso zum Urteil im Hasseler Mordfall: "Das Glas ist halb voll oder halb leer"
Lokales 11.03.2015

Maître Rosario Grasso zum Urteil im Hasseler Mordfall: "Das Glas ist halb voll oder halb leer"

Für Maitre Rosario Grasso ist das Urteil des Appelationsgerichtes in Sachen Hasseler Mord nicht wirklich eine Überraschung.

Maître Rosario Grasso zum Urteil im Hasseler Mordfall: "Das Glas ist halb voll oder halb leer"

Für Maitre Rosario Grasso ist das Urteil des Appelationsgerichtes in Sachen Hasseler Mord nicht wirklich eine Überraschung.
Serge Waldbillig
Lokales 11.03.2015

Maître Rosario Grasso zum Urteil im Hasseler Mordfall: "Das Glas ist halb voll oder halb leer"

Für den Anwalt Rosario Grasso ist das Urteil der Berufungskammer ein Zeichen, dass Richter frei und ungebunden entscheiden dürfen. Der Anwalt ordnet das spektakuläre Urteil ein.

(jag) - Maître Rosario Grasso hat viele Prozesse vor luxemburgischen Gerichten erlebt. Dass der Appelationshof zu einem ganz anderen Urteil kommt wie die erste Instanz, ist im luxemburgischen Justizwesen nichts Neues. Die zweite Instanz kann dabei härter oder aber auch gnädiger urteilen. Dass eine lebenslängliche Haftstrafe dabei in einen Freispruch umgewandelt wird, sei laut Maître Grasso zwar sehr selten, spektakulär sei es aber wohl nur für die Presse. Ein Eklat sei es auf keinen Fall, auch wenn man von einem Extrem ins andere gerate. Das Richtergremium in zweiter Instanz sei in keiner Hinsicht an das Urteil in erster Instanz gebunden, es entscheide frei und souverän ob es der Argumentation der Anklage folgt oder nicht. Zumindest ein Mitglied schien in diesem Falle nicht überzeugt, bei Zweifel wird immer im Sinne des Angeklagten entschieden.



Dieses Prinzip gilt selbst dann wenn im Vergleich zum Prozess in erster Instanz keine neuen Fakten oder Beweise vorliegen, es gilt dann das Ermessen des Richters. "Für den einen ist das Glas halb voll, für den anderen halb leer," so Grasso.



Die Freigesprochenen können in dieser spezifischen Affäre nicht mehr wegen der gleichen Anschuldigungen belangt werden, der Freispruch gilt sozusagen lebenslang. Dies gilt selbst für den Fall, dass neue, eindeutige Beweise auftauchen sollten. Das Prinzip des Freispruchs , das "acquittement" also, sieht, anders als die Verfahrenseinstellung ("non-lieu"), keine Möglichkeiten vor, um den Prozess wieder aufzunehmen. Beim "non-lieu" wird der Prozess dagegen aus Mangel an Beweisen ausgesetzt. Hier kann die Staatsanwaltschaft wieder aktiv werden falls neue Beweisstücke auftauchen sollten. 



Vorerst bleibt der Anklage noch die Möglichkeit, das Kassationsgericht einzuschalten, dies befindet allerdings nicht mehr über die eigentliche Strafsache sondern über Verfahrensfragen. Gleichwohl kann es das Urteil kassieren, also annulieren, wodurch der Prozess neu aufgerollt werden müsste.  






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