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Maison Lessure in Luxemburg-Gare: Ein Haus mit vielen Geschichten
Vor dem Umzug werden Preisnachlässe von bis zu 70 Prozent in der Maison Lessure gewährt.

Maison Lessure in Luxemburg-Gare: Ein Haus mit vielen Geschichten

Foto: Chris Karaba
Vor dem Umzug werden Preisnachlässe von bis zu 70 Prozent in der Maison Lessure gewährt.
Lokales 3 Min. 12.02.2018

Maison Lessure in Luxemburg-Gare: Ein Haus mit vielen Geschichten

Rita RUPPERT
Rita RUPPERT
Seit 148 Jahren gibt es die Maison Lessure schon. Das Geschäft für Arbeitskleidung zieht Ende des Monats um. Auch wenn keine Ära endet, so sind mit dem Gebäude doch viele Geschichten und Anekdoten verbunden.

Von Lea Schwartz

„Wir verkaufen Arbeitskleidung für jeden Beruf und jede Gelegenheit. Außer man will zum Mond fliegen, dann muss man sich an die NASA wenden“, scherzt Gilbert Schilling, Geschäftsführer der Maison Lessure. Was im Jahr 1870 mit ein paar Stoffballen, einem Pferd, einem Karren und Charles Lessure, der seine Ware täglich auf dem Markt verkaufte, begann, ist heute ein Betrieb mit 13 Mitarbeitern.

Die Maison Lessure wurde von Generation zu Generation in der Familie Lessure weitergegeben, Gilbert Schilling übernahm das Geschäft von seiner Schwiegermutter.
Die Maison Lessure wurde von Generation zu Generation in der Familie Lessure weitergegeben, Gilbert Schilling übernahm das Geschäft von seiner Schwiegermutter.
Foto: Chris Karaba

Mittlerweile gibt es Lessure Workwear an zwei Standorten. Zum einen das Geschäft in der hauptstädtischen Avenue de la Gare, das von Charles Lessure selbst eröffnet wurde. Zum andere die Filiale in Niederanven, die vor allem auf große Bestellungen von Unternehmen spezialisiert ist. In Kürze wird der Hauptgeschäftssitz aus der Aal Avenue auf Nummer 1 in der Rue Origer umziehen, knapp 20 Meter vom jetzigen Standort entfernt.

Beide Gebäude gehören der Familie Lessure, das neue Geschäft ist allerdings flächenmäßig kleiner. Das momentane Gebäude wird dann vermietet. Einziehen wird das Kosmetikfachgeschäft Yves Rocher, das sich aktuell noch auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet.

Ein Hauch von Geschichte

Zu sagen, es handele sich um das Ende einer Ära, wäre wohl übertrieben. Trotzdem sind viele Geschichten und Anekdoten mit dem Gebäude verbunden. Der Laden ist fast so alt wie der Betrieb selbst.

Als Charles Lessure, der Gründer des Geschäftes, nicht mehr auf den Markt fuhr, wurde er in diesem Haus sesshaft. Ganz besonders sind die Möbel: Einige stammen noch aus den Anfangsjahren des Geschäftes. Da nicht alles mit umziehen kann, wird ein Teil des Mobiliars eine neue Bleibe im Nationalmuseum für Geschichte und Kunst am Fischmarkt finden.

Ladenkasse aus den Gründerjahren

Auch die Ladenkasse aus der Anfangszeit ist noch erhalten. Mit großen Tasten und Luxemburger Franken als Währung eingraviert. „Gerade Kinder kommen aus dem Staunen nicht heraus, wenn sie die Kasse sehen, so etwas kennen sie nicht mehr“, erzählt Gilbert Schilling.

Auch die alte Registrierkasse wird mit umziehen.
Auch die alte Registrierkasse wird mit umziehen.
Foto: Chris Karaba

Die Kasse soll auch mit in das neue Geschäft, genauso wie der Tresen. Dieser wurde ursprünglich in einer Bank genutzt und vor Jahren von der Maison Lessure übernommen.

Während des Zweiten Weltkrieges versteckte die Familie Lessure Flüchtige vor dem deutschen Besatzer im Gebäude in der Aal Avenue. Unter dem Geschäft befand sich ehemals ein unterirdischer Gang, der bis zum heutigen Gebäude der Sparkasse führte.

Mit Leib und Seele

Das Geschäft für Arbeitsbekleidung wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Die Urenkelin des Gründers, Micheline Lessure, führte das Geschäft mit Leib und Seele, erinnert sich Gilbert Schilling an seine Schwiegermutter. Bis zum Lebensende war sie nicht nur Geschäftsführerin, sondern ließ es sich nicht nehmen, auch noch mit 87 Jahren hinter der Kasse zu stehen.

Gilbert Schilling achtet auf Ethik und Qualität.
Gilbert Schilling achtet auf Ethik und Qualität.
Foto: Chris Karaba

Über die Jahre hat sich das Warenangebot indes deutlich vergrößert. „Wir müssen mit der Zeit gehen“, erklärt Gilbert Schilling. „Früher gab es ein oder zwei verschiedene Arten von Arbeitskleidung. Eine blaue Hose und fertig. Heute spielt die Mode auch eine große Rolle.“ So müssen die Artikel nicht nur funktionell sein, sondern im besten Fall auch noch gut aussehen.

Ethik und Qualität

Bei der Auswahl der Ware sind dem Ladeninhaber auch Ethik und Qualität wichtig: „Unsere Kleider werden nicht von Arbeitern hergestellt, die unter menschenunwürdigsten Umständen arbeiten müssen. Wir passen sehr gut auf die Herkunft unserer Artikel auf.“

Der Umzug des Geschäfts findet Ende Februar statt. Seit mehr als einem Jahrhundert war der Laden an der Avenue de la Gare zu finden, hat Geschäfte kommen und gehen gesehen. Nun beginnt für die Maison Lessure ein neuer Abschnitt in einem neuen Gebäude, mit neuen Geschichten.



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