Mafioso aus Lamadelaine wieder auf freiem Fuß
Mafioso aus Lamadelaine wieder auf freiem Fuß
(str) - Drei Monate nach seiner spektakulären Festnahme in Zolver ist der mutmaßliche kalabrische Mafioso Santo Rumbo wieder auf freiem Fuß. Der 30-jährige Einwohner aus Lamadelaine war einer von 28 Tatverdächtigen, die am 9. August weltweit wegen Verbrechen im Rahmen einer internationalen und bewaffneten Mafiaorganisation – so der Wortlaut aus dem Haftbefehl – festgenommen worden waren.
Konkret geht es dabei um mutmaßliche Mitglieder des Commisso-Mafiaclans der kalabrischen 'Ndrangheta, welcher von Süditalien aus die organisierte Kriminalität im kanadischen Ontario und besonders in Toronto kontrolliert.
Die Polizei hört mit
Die Festnahmen ergaben sich aus den Ermittlungen zu mehreren Morden bei Machtkämpfen innerhalb des Mafiaclans Anfang 2018. In der Folge hatte es ein Gipfeltreffen der führenden 'Ndrangheta-Paten in Kanada gegeben, bei dem versucht wurde einen Waffenstillstand zwischen den beteiligten Parteien zu erzielen.
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gelang den Sicherheitskräften bei diesem Treffen ein Lauschangriff: Mittels einer sogenannten Ghost-SMS auf das Handy des kalabrischen Verhandlungsführers zapfte die Polizei das Mikrofon des Mobiltelefons an. Dadurch erlangten die Ermittler umfangreiche Erkenntnisse zu den Straftaten und der Organisation der Commisso-Mafiafamilie – die auch zur Verhaftung des in Luxemburg lebenden Santo Rumbo führten.
Im Namen des Vaters
Der Vater des 30-Jährigen, Riccardo Rumbo, genannt „Franco“, gehört der italienischen Anti-Mafia-Behörde nach zu den ranghöchsten Führungskräften des Commisso-Clans, ist aber seit mehreren Jahren und noch für längere Zeit inhaftiert.
Den Erkenntnissen aus Kanada zufolge hat der Sohn einen Teil des Geschäfts des Vaters übernommen und erhält in der Folge sehr hohe Geldbeträge aus den Mafiaaktivitäten in Toronto.
Darüber hinaus ergaben sich Hinweise dafür, dass Rumbo nach Gefängnisbesuchen die Anweisungen seines Vaters an andere Clanmitglieder weitergab.
Richtiger Name nicht genannt?
Nach einem dementsprechenden Antrag seines Anwalts hat der zuständige Ermittlungsrichter nun aber die Entlassung von Santo Rumbo aus der Untersuchungshaft angeordnet.
Wie der Anwalt in kalabrischen Medien zitiert wird, sei dabei ausschlaggebend gewesen, dass der richtige Name von Santo Rumbo bei den Tonbandaufnahmen in Kanada nie gefallen sei.
Santo Rumbo war am 27. September von Luxemburger Polizisten nach Rom gebracht worden und seitdem im dortigen Hochsicherheitsgefängnis Rebibbia untergebracht.
Ermittlungen laufen weiter
Die Staatsanwaltschaft der Region Kalabrien hält allerdings weiterhin an ihren Vorwürfen gegen Santo Rumbo fest. Im Kontext der Ermittlungen nach der Ermordung des Paten Carmelo „Mino“ Muía am 18. Januar 2018 ergeben sich nun Beschuldigungen gegen 20 Personen.
Die Justiz hat dazu eine Namensliste veröffentlicht, auf der auch jener von Santo Rumbo steht. Die Vorermittlungen gegen diese Personen seien abgeschlossen, heißt es in der italienischen Presse.
Bereits 2014 war Santo Rumbo Gegenstand von umfangreichen Ermittlungen. Doch damals kam er wohl aus Mangel an Beweisen unbehelligt davon.
