Luxmobil-Umfrage

Die sanfte Mobilität hinkt hinterher

Zu viele Autos, zu wenige Fussgänger und Radfahrer: Die Ergebnisse der Luxmobil-Studie sprechen Klartext.
Zu viele Autos, zu wenige Fussgänger und Radfahrer: Die Ergebnisse der Luxmobil-Studie sprechen Klartext.
Foto: Guy Jallay

(jag) - Die groß angelegte Luxmobil-Studie, die sich an insgesamt 40.000 Haushalte in Luxemburg und 45.000 Grenzgänger richtete, liefert nicht wirklich überraschende Informationen: Die große Mehrheit (69 Prozent) fährt mit dem Auto zur Arbeit, es gibt vor allem morgens zwischen 6.30 Uhr und 9.30 Uhr große Probleme im Verkehrsfluss und viel zu viele Schüler (39 Prozent) werden mit dem Auto zur Schule gebracht anstatt den Fuß- oder Radweg zu benutzen.

„Auch wenn die Zahlen nicht wirklich überraschen, so haben wir doch zum ersten Mal verlässliche Statistiken, auf denen wir künftige Verkehrsstrategien aufbauen können und nicht nur Schätzungen“, so Infrastrukturminister François Bausch bei der Vorstellung der Ergebnisse. Zufriedenstellend war vor allem der hohe Rücklauf der Antworten, immerhin rund ein Drittel der Befragten, also rund 38.000 Betroffene, schickte ihren Fragebogen ausgefüllt zurück.

“Damit haben wir einen sehr guten Überblick über das Mobilitätsverhalten der Anwohner und der Grenzgänger“, so Bausch.

Zu Fuß zur Schule

Positiv bewertete Bausch die Entwicklung seit dem Ausarbeiten des ersten MODU-Zieles im Jahre 2012: Mit 17 Prozent der Fahrten im öffentlichen Transport und 69 Prozent der Fahrten in Privatautos sei man dem damaligen Ziel bereits sehr nahe gekommen.

Nur die sogenannte sanfte Mobilität mit Fußgängern und Radfahrern hinke der Entwicklung hinterher. Nur 14 Prozent aller täglichen Bewegungen würden auf diese Weise ausgeführt. Statistiken aus Städten wie Zürich oder Frankfurt würden aber aufzeigen, dass der Autoanteil an diesem Modell noch deutlich gesenkt werden könnte. “Wir müssen unbedingt die Infrastrukturen für diese Nutzer verbessern. Eltern werden ihre Kinder erst dann ermutigen, sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule zu begeben, wenn der Weg absolut sicher ist“, so Bausch. Auch der Ausbau des sogenannten „Pedibus“-Systems könne hier Abhilfe bringen.

Obwohl in Luxemburg die Wege zur nächsten Grundschule oder zum nächsten Lyzeum im Schnitt sehr kurz seien, würden 39 Prozent der Schulwege mit dem Auto zurückgelegt und nur 21 Prozent zu Fuß. Der morgendliche Berufsverkehr könnte durch eine Verlagerung dieser Fahrten sehr stark entlastet werden. Dies zeigen auch die deutlich entlasteten Straßen während der Ferienwochen.

Schulbeginn verlegen

„Wir werden auch über gestaffelte Schulbeginnzeiten nachdenken“, so Bausch. „Der Bildungsminister ist für diese Pläne allenfalls offen. Allerdings müsse auch ein Mentalitätswechsel bei den Eltern zu neuen Verhaltensweisen führen. Die Gesamtergebnisse der Luxmobil-Studie werden bei der Ausarbeitung der Mobilitätsstrategie MODU2 berücksichtigt werden. Am 19. April wird dazu eine Konsultierungsdebatte im Parlament geführt werden, im Monat Mai will Bausch dann mit einer neuen, langfristigen Strategie nachlegen.