Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Luxmobil-Umfrage: Die sanfte Mobilität hinkt hinterher
Zu viele Autos, zu wenige Fussgänger und Radfahrer: Die Ergebnisse der Luxmobil-Studie sprechen Klartext.

Luxmobil-Umfrage: Die sanfte Mobilität hinkt hinterher

Foto: Guy Jallay
Zu viele Autos, zu wenige Fussgänger und Radfahrer: Die Ergebnisse der Luxmobil-Studie sprechen Klartext.
Lokales 2 Min. 07.12.2017

Luxmobil-Umfrage: Die sanfte Mobilität hinkt hinterher

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Wer benutzt wann welches Verkehrsmittel um wohin zu gelangen? Diese Frage stellte das Ministerium für Nachhaltigkeit rund 85.000 Familien und Grenzgängern.

(jag) - Die groß angelegte Luxmobil-Studie, die sich an insgesamt 40.000 Haushalte in Luxemburg und 45.000 Grenzgänger richtete, liefert nicht wirklich überraschende Informationen: Die große Mehrheit (69 Prozent) fährt mit dem Auto zur Arbeit, es gibt vor allem morgens zwischen 6.30 Uhr und 9.30 Uhr große Probleme im Verkehrsfluss und viel zu viele Schüler (39 Prozent) werden mit dem Auto zur Schule gebracht anstatt den Fuß- oder Radweg zu benutzen.

„Auch wenn die Zahlen nicht wirklich überraschen, so haben wir doch zum ersten Mal verlässliche Statistiken, auf denen wir künftige Verkehrsstrategien aufbauen können und nicht nur Schätzungen“, so Infrastrukturminister François Bausch bei der Vorstellung der Ergebnisse. Zufriedenstellend war vor allem der hohe Rücklauf der Antworten, immerhin rund ein Drittel der Befragten, also rund 38.000 Betroffene, schickte ihren Fragebogen ausgefüllt zurück.

“Damit haben wir einen sehr guten Überblick über das Mobilitätsverhalten der Anwohner und der Grenzgänger“, so Bausch.

Zu Fuß zur Schule

Positiv bewertete Bausch die Entwicklung seit dem Ausarbeiten des ersten MODU-Zieles im Jahre 2012: Mit 17 Prozent der Fahrten im öffentlichen Transport und 69 Prozent der Fahrten in Privatautos sei man dem damaligen Ziel bereits sehr nahe gekommen.

Nur die sogenannte sanfte Mobilität mit Fußgängern und Radfahrern hinke der Entwicklung hinterher. Nur 14 Prozent aller täglichen Bewegungen würden auf diese Weise ausgeführt. Statistiken aus Städten wie Zürich oder Frankfurt würden aber aufzeigen, dass der Autoanteil an diesem Modell noch deutlich gesenkt werden könnte. “Wir müssen unbedingt die Infrastrukturen für diese Nutzer verbessern. Eltern werden ihre Kinder erst dann ermutigen, sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule zu begeben, wenn der Weg absolut sicher ist“, so Bausch. Auch der Ausbau des sogenannten „Pedibus“-Systems könne hier Abhilfe bringen.

Obwohl in Luxemburg die Wege zur nächsten Grundschule oder zum nächsten Lyzeum im Schnitt sehr kurz seien, würden 39 Prozent der Schulwege mit dem Auto zurückgelegt und nur 21 Prozent zu Fuß. Der morgendliche Berufsverkehr könnte durch eine Verlagerung dieser Fahrten sehr stark entlastet werden. Dies zeigen auch die deutlich entlasteten Straßen während der Ferienwochen.

Schulbeginn verlegen

„Wir werden auch über gestaffelte Schulbeginnzeiten nachdenken“, so Bausch. „Der Bildungsminister ist für diese Pläne allenfalls offen. Allerdings müsse auch ein Mentalitätswechsel bei den Eltern zu neuen Verhaltensweisen führen. Die Gesamtergebnisse der Luxmobil-Studie werden bei der Ausarbeitung der Mobilitätsstrategie MODU2 berücksichtigt werden. Am 19. April wird dazu eine Konsultierungsdebatte im Parlament geführt werden, im Monat Mai will Bausch dann mit einer neuen, langfristigen Strategie nachlegen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Kommentar: Die bösen Eltern!
Der Minister für nachhaltige Entwicklung und Infrastrukturen schiebt den Eltern die Schuld für das tägliche Verkehrschaos zu, weil sie ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Dass viele keine andere Wahl haben, blendet der grüne Minister einfach aus.
François Bausch blendet die Lebenswelt vieler berufstätiger Eltern aus.
Verkehr: Kein Anstieg der Unfälle mit Fußgängern
Im September gab das deutsche Auswärtige Amt eine Reisewarnung für Luxemburg heraus. Deutsche Staatsbürger sollten als Fußgänger besonders vorsichtig sein. Doch ist es hierzulande wirklich gefährlicher für Passanten geworden?
Ein Drittel der Unfälle mit Fußgängern passieren an Fußgängerübergängen.
Kopenhagen: Stau auf dem Radweg
In der Innenstadt von Kopenhagen fahren mehr Fahrräder als Autos. Das führt zu Stau auf den Radwegen und einem Kampf um den Platz auf der Straße. Das erste Fahrrad-Leitsystem weltweit soll helfen.