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Luxemburgisch im Alltag
Lokales 3 Min. 10.07.2018

Luxemburgisch im Alltag

Bei den jeweiligen Veranstaltungen wurde, wie hier am 28. Februar 2018 auf dem Campus Geesse-knäppchen, rege über Vorschläge zur Förderung des Luxemburgischen debattiert.

Luxemburgisch im Alltag

Bei den jeweiligen Veranstaltungen wurde, wie hier am 28. Februar 2018 auf dem Campus Geesse-knäppchen, rege über Vorschläge zur Förderung des Luxemburgischen debattiert.
Guy Jallay
Lokales 3 Min. 10.07.2018

Luxemburgisch im Alltag

Marc HOSCHEID
Marc HOSCHEID
Die Resultate der Online- und Bürgerforen über die luxemburgische Sprache liegen vor. Diese sollen dem neuen Sprachzentrum als Leitfaden für die Ausarbeitung eines 20-Jahres-Plans über die luxemburgische Sprache dienen.

Es ist eine Erfahrung, die viele Menschen bereits gemacht haben: Sie erhalten eine Diagnose vom Arzt, die sie nur unzureichend verstehen, da er Französisch spricht. Um diese Sprachbarriere abzubauen, sollen Angestellte aus dem Sozial- und Gesundheitswesen in Zukunft 500 luxemburgische Basiswörter lernen; eine Maßnahme zur besseren Kommunikation mit den Patienten.

Dies ist eine von vielen Anregungen, die im Rahmen der Bürgerbefragungen über das Luxemburgische gegeben wurden. Insgesamt 100 konkrete Vorschläge wurden von 150 aktiven Teilnehmern bei vier Tagungen erarbeitet.

Um jeden der vier Landesteile abzudecken, wurden diese Begegnungen in Luxemburg-Stadt, Esch/Alzette, Bad Mondorf und Diekirch organisiert. Der Diskussionston variierte zwar von Region zu Region, doch er war stets respektvoll, so Bildungsminister Claude Meisch gestern bei der Vorstellung der Resultate. Doch trotz einiger Unterschiede sind auch viele Überschneidungen zwischen den jeweiligen Abschlusserklärungen erkennbar.

Auch im Netz beteiligten sich viele Menschen an der Diskussion. So verzeichnete man über 7 000 Einzelbesucher auf der Onlineplattform. Diese unterbreiteten ebenfalls über 100 Vorschläge.

Integrationssprache

Den Bürgerforen voraus ging eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS-ILRES. 60 Prozent der Befragten sprechen sich dabei für Luxemburgisch als erste Integrationssprache aus. Französisch folgt mit 33 Prozent vor Englisch und Deutsch, die mit fünf respektive zwei Prozent abgeschlagen auf den Plätzen drei und vier rangieren.

Besonders augenfällig ist die unterschiedliche Bewertung der Integrationskraft des Luxemburgischen durch zwei verschiedene Gruppen. Einerseits die Personen, die der Sprache mächtig sind und andererseits jene, die dies nicht sind. 63 Prozent der Menschen, welche die luxemburgische Sprache beherrschen, finden, diese sollte auch erste Integrationssprache sein, die restlichen 37 sprechen sich dagegen aus. Bei der anderen Gruppe ist das Verhältnis quasi umgedreht, 67 Prozent sind dagegen und nur 33 Prozent dafür.

Wenn man Luxemburgisch als erste Integrationssprache definiert, muss sie auch in der Schule eine exponierte Rolle einnehmen. Hier spricht man sich für ein von unten nach oben hin aufbauendes Modell aus. Im Kindergarten und in der Grundschule soll Luxemburgisch die erste Verständigungssprache sein, abgesehen von den Deutsch- und Französischkursen.

In Bezug auf die Situation im Lyzeum wird moniert, dass eine Stunde pro Woche im ersten Jahr längst nicht ausreicht. Ob zukünftig mehr Schulstunden für das Luxemburgische vorgesehen werden, dazu äußert sich Minister Meisch indes nicht.

Im öffentlichen Raum sind es vor allem die Ortsschilder, auf denen luxemburgische Schreibweisen zu sehen sind. Hier muss besonderer Wert auf die korrekte Schreibweise der Ortsnamen gelegt werden.

Im alltäglichen Kontakt mit anderssprachigen Mitmenschen soll vermieden werden, sofort die Sprache zu wechseln, wenn das Gegenüber beispielsweise Französisch redet. Dieses gut gemeinte Entgegenkommen führt nämlich dazu, dass diese keine Fortschritte beim Erlernen der von ihnen nicht beherrschten Sprache machen.

Im Netz

Auch in der digitalen Welt soll vermehrt auf Luxemburgisch kommuniziert werden. Dies betrifft vor allem Ministerien, Gemeinden und Ämter. Deren Internetseiten sollen künftig auch in luxemburgischsprachigen Versionen verfügbar sein; diese Forderung betrifft ebenfalls diverse Formulare. Zudem wird ein Appell an die heimischen Medien gerichtet, bei Veröffentlichungen in Luxemburger Sprache auf deren grammatikalische Qualität zu achten.

Darüber hinaus spricht der Minister sich für Investitionen in Spracherkennungssysteme aus, die Luxemburgisch verstehen. Ansonsten droht der Sprache, laut Meisch, ein Bedeutungsverlust in der Welt der künstlichen Intelligenz. Es bleibt festzuhalten, dass in den letzten Monaten und Jahren viele Vorschläge zur Förderung der Nationalsprache von engagierten Bürgern erarbeitet wurden.

Ob und wenn ja, wann respektive wie diese umgesetzt werden, hängt nun vom noch einzusetzenden Regierungskommissar für die luxemburgische Sprache und dem politischen Willen der folgenden Regierungen ab.


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