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Luxemburger Staatsangehörigkeit: Der Pass der Ahnen
Shirley Lee Roller und ihr Sohn Brannon.

Luxemburger Staatsangehörigkeit: Der Pass der Ahnen

Foto: Marc Wilwert
Shirley Lee Roller und ihr Sohn Brannon.
Lokales 2 Min. 25.03.2014

Luxemburger Staatsangehörigkeit: Der Pass der Ahnen

Vor über 100 Jahren verließen sie Luxemburg auf der Suche nach einem besseren Leben. Nun wollen ihre Nachfahren wieder Bürger des Großherzogtums werden. Ein Gesetz macht es möglich.

Von Cordula Schnuer

Shirley Lee Roller kommt aus Wisconsin, wie ihre Familie, doch bald wird sie auch Luxemburgerin sein. Dank ihrer Ahnen. Ein Gesetz, das vor sechs Jahren verabschiedet wurde und noch bis zum 1. Januar 2019 in Kraft ist, ermöglicht es, die Staatsbürgerschaft des Großherzogtums zu bekommen – ohne Sprachtests und Bürgerkurse besucht zu haben und ohne hierzulande je gelebt zu haben. Man muss nur nachweisen können, dass einer seiner Vorfahren am 1. Januar 1900 Luxemburger war.

Fast 4000 Personen aus aller Welt haben den Pass seither so erworben, darunter Menschen aus so fernen Ländern wie Mauritius und Südafrika. Die große Mehrheit der Neu-Luxemburger kommt dann aber doch aus der Nähe: Belgier (3041) und Franzosen (663) dominieren, gefolgt von Amerikanern (62) und Deutschen (59).

„Ich fühlte mich, als würde ich nach Hause kommen“

Zigtausende Luxemburger wanderten im 19. Jahrhundert in die USA aus, auf der Sache nach einem besseren Leben. So auch die Vorfahren von Shirley Lee Roller aus Wisconsin. Ihre Ahnensuche begann schon Ende der 70er Jahre. Doch nachdem ihr erstes Kind geboren war, legte sie die Recherche beiseite. Es gab in der Gegenwart Wichtigeres zu tun, als in der Vergangenheit zu stöbern.

Viele Jahre später erinnerte sie sich wieder und begann Abstammungs-Datenbanken und Webseiten zu durchforsten, um mehr über ihre Ursprünge zu erfahren. Das Ergebnis: alle ihrer  Ur-Ur-Großeltern waren Luxemburger. Im Jahr 2000 reiste sie schließlich selbst zum ersten Mal nach Luxemburg. „Ich fühlte mich, als würde ich nach Hause kommen“, sagt die 67-Jährige. Bald darauf fand sie entfernte lebende Verwandte in Luxemburg und es kam 2006 zum ersten Familientreffen im Großherzogtum.

Bis Roller die ersten Nachweise in den Händen halten konnte, vergingen einige Jahre. Sie fand Taufurkunden und andere Dokumente. Nicht jedoch Geburtsurkunden, Todes- und Hochzeitsnachweise, wie sie eigentlich verlangt werden. In Wisconsin sind nur Unterlagen bis 1907 zurückgehend archiviert.

Hier wäre vermutlich der Traum vom Land der Vorfahren schon vorbei gewesen, hätte es nicht die Luxembourg American Cultural Society (LACS) aus Wisconsin gegeben, dem Staat in den die meisten Luxemburger auswanderten. Geleitet wird die Einrichtung von Kevin Wester. Seit einem Jahr ist der Amerikaner selbst Neu-Luxemburger und nimmt die Sache sehr ernst. Bei der luxemburgischen Parlamentswahl im Oktober gab er seine Stimme ab – nicht ohne sich vorher ausgiebig über die Parteien, Wahlprogramme und Kandidaten informiert zu haben.

„Das Großherzogtum ist meine zweite Heimat, die Menschen und die Kultur dort bedeuten mir viel“, sagt Wester. Bei der Society hilft er Amerikanern mit luxemburgischen Wurzeln bei der Anerkennung der Unterlagen durch das Luxemburger Justizministerium. Erst dann können die Einbürgerungsunterlagen eingereicht werden. Bei Shirley Lee Roller und ihrem 33-jährigen Sohn Brennan war es diesen Februar so weit. Dafür reisten sie eigens noch einmal nach Luxemburg.

Noch hält Shirley Lee Roller ihren luxemburgischen Pass nicht in den Händen, doch sie fühlt sich bereits „zu 100 Prozent“ als Luxemburgerin. „Wäre ich jünger“, sagt sie, „würde ich umziehen und hier leben“.

Übertragung aus dem Englischen: Jan Söfjer