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Luxemburger IS-Terrorist gibt Interview
Lokales 3 Min. 27.06.2019 Aus unserem online-Archiv

Luxemburger IS-Terrorist gibt Interview

Steve Duarte während des Interviews mit dem kurdischen Sender Rûdaw.

Luxemburger IS-Terrorist gibt Interview

Steve Duarte während des Interviews mit dem kurdischen Sender Rûdaw.
Screenshot www.rudaw.net
Lokales 3 Min. 27.06.2019 Aus unserem online-Archiv

Luxemburger IS-Terrorist gibt Interview

Michel THIEL
Michel THIEL
Steve Duarte aus Meispelt, der sich 2014 der Terrormiliz IS in Syrien anschloss und derzeit in kurdischer Gefangenschaft ist, hat ein TV-Interview gegeben.

Der junge Mann auf den Videoaufnahmen sieht ausgemergelt aus, wesentlich abgemagerter als jener Steve Duarte, den man von früheren Aufnahmen kannte. Der 32-jährige Portugiese aus Meispelt spricht Arabisch während des am 23. Juni veröffentlichten Interviews, das er dem kurdischen Fernsehsender Rûdaw offenbar erst vor kurzem gegeben hat. Eine Sprache, die er erst nach seiner Ankunft Ende 2014 in Syrien lernte.


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Es sind die ersten Bilder und Aussagen, die nach Duartes Gefangennahme durch kurdische Milizen Ende März öffentlich werden. Duarte gehörte zu den letzten IS-Mitgliedern, die sich im Kessel von Bahouz ergeben hatten. Er befindet sich derzeit dort in einem Gefängnis.

Steve Duarte kommt während des Interviews sehr offen herüber und gibt Details über seinen Aufbruch nach Syrien und seine Leben im "Kalifat". Er sei ursprünglich dorthin aufgebrochen, weil er nach seiner Konvertierung zum Islam im Jahr 2010 eine Koranschule habe besuchen wollen. Er habe nicht an Kampfhandlungen teilgenommen, behauptet er: "Ich wurde der Propagandaabteilung zugeteilt, weil ich mich mit Fotografie und Videoproduktion auskannte".


Einer der IS-Kämpfer auf dem Video soll nach Erkenntnissen des portugiesischen Geheimdienstes Steve Duarte sein.
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Während des Interviews fällt kein Wort über den IS-Propagandafilm von 2016, auf dem Duarte angeblich dabei  zu sehen ist, wie er Geiseln exekutiert.

Duarte erzählt auch, wie seine französischstämmige Frau zwei gemeinsame Kinder geboren habe. Sie seien gemeinsam in kurdische Gefangenschaft gegangen, als die letzten Widerstandsnester des IS gefallen seien. Das Leben im "Kalifat" sei  zunehmend schwieriger geworden, so Duarte: "Als die kurdischen Kämpfer unser Gebiet angriffen, wurden die Lebensmittel knapp". Es sei auch zu internen Streitereien innerhalb der Terrormiliz gekommen. Ausländer seien dann nicht mehr erwünscht gewesen.

Die Journalistin Viviyan Fatah fragt ihn schließlich nach seinen Zukunftsplänen. "Ich denke daran, nach Luxemburg zurückzukehren. Ich muss dort wohl ins Gefängnis. Ich habe Fehler gemacht und bin bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen". Etwas später fügt er hinzu: "Ich will irgendwann ein normales Leben führen, einen Beruf ausüben und meine beiden Kinder großziehen".


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Seine neue Religion wolle er jedoch beibehalten, so Duarte: "Aber nicht so, wie Daesh es getan hat. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, dass diese Leute keine guten Muslime sind. Es gab dort keine Moral und kein anständiges Benehmen".

Ob Duarte nach Luxemburg ausgeliefert werden wird, ist derzeit nicht bekannt.


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