Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Luxemburger Initiative: Schutzvisiere aus dem 3D-Drucker
Lokales 4 4 Min. 25.03.2020

Luxemburger Initiative: Schutzvisiere aus dem 3D-Drucker

Der Bügel eines Schutzvisiers während der Produktion.

Luxemburger Initiative: Schutzvisiere aus dem 3D-Drucker

Der Bügel eines Schutzvisiers während der Produktion.
Foto: Jeff Schockmel
Lokales 4 4 Min. 25.03.2020

Luxemburger Initiative: Schutzvisiere aus dem 3D-Drucker

Michel THIEL
Michel THIEL
Zwei Brüder aus Luxemburg haben eine Initiative gestartet, um dringend benötigte Schutzvisiere für medizinisches Personal per 3D-Drucker zu fertigen.

Medizinische Schutzausrüstung ist aufgrund der Covid-19-Pandemie derzeit schwer bis gar nicht zu beschaffen. Das setzt vor allem medizinisches Personal, das täglich im engen Kontakt zu infizierten Personen steht, großen Risiken aus.

Die beiden Brüder Jeff und Tom Schockmel aus Luxemburg haben deswegen eine private Hilfsaktion gestartet: sie rufen private Besitzer von 3D-Druckern im Netz dazu auf, sich an der Fertigung dringend benötigter Schutzvisiere zu beteiligen. Wir haben uns mit Jeff Schockmel über die Initiative unterhalten.

Luxemburger Wort: Sie haben im Netz eine Initiative gestartet, damit Besitzer eines 3D-Druckers sich an der Produktion von Gesichtsschutz-Visieren beteiligen können. Wie und wann kam es zu dieser Idee?

Jeff Schockmel
Jeff Schockmel
Foto: Privat

Jeff Schockmel: Die Idee ist nicht neu und geistert schon seit einigen Wochen durchs Internet. Vor allem in Bezug auf selbst konstruierte Beatmungsgeräte. Vor kurzem hat der tschechische 3D-Pionier Josef Prusa seine eigene Version eines Schutzvisiers der Öffentlichkeit zur freien Verfügung gestellt.

Nachdem wir in den vergangenen Tagen immer wieder lesen mussten, dass Krankenhäuser Probleme bei der Beschaffung von medizinischem Material haben, dachten wir uns, dass wir mit unserem schönen Hobby da eventuell aushelfen könnten. Uns ist absolut klar, dass wir nichts herstellen können, das die strengen Anforderungen im medizinischen Bereich erfüllen könnte, aber scheinbar ist der Bedarf nach solchen Schutzvisieren vorhanden.

Also haben wir zunächst in der Gemeinde Sassenheim gefragt, ob es Interesse an einer solchen Lösung gäbe. Der Vorschlag stieß zu unserem Erstaunen auf offene Ohren. Wir haben dann kurzerhand auf Facebook nach möglichen Helfer gesucht, was Schlussendlich dazu geführt hat, dass wir eine eigene Facebook-Gruppe erstellt haben, um die Organisation zu vereinfachen.

Wie viele Unterstützer mit 3D-Druckern sind ihrem Aufruf bereits nachgekommen?

Aktuell sind wir bei ungefähr 490 Mitgliedern angelangt, wobei natürlich schwer festzustellen ist, wer sich jetzt tatsächlich aktiv mit dem 3D-Druck beschäftigt. Aber die Hilfsbereitschaft hat uns extrem positiv überrascht.

Wir möchten uns hier auch bei allen freiwilligen Helfern bedanken die unsere Initiative auf Facebook unterstützen, ohne die wäre es nicht machbar!  

Das Visier besteht aus Kunststoff-Folie, die an einem 3D-gedruckten Bügel befestigt ist. Wo kann man sich solche Materialien derzeit beschaffen?

Die Materialien, die wir momentan benutzen, stammen hauptsächlich aus dem privaten Besitz der einzelnen Mitglieder. Die luxemburgische Firma „Lux 3D Tech“ unterstützt uns mit der günstigen Beschaffung des 3D-Filaments,  dass für den Druck benötigt wird. Deswegen möchten wir uns auch bei der Firma nochmal Herzlichst bedanken, da auch diese Firma Gesichtsschutz-Masken herstellt und spendet.

Die Folien selbst sind einfach transparente A4-Folien, die wir dort zu beschaffen versuchen, wo es gerade möglich ist. Aufgrund der aktuellen Lage ist das recht schwierig ist, da die meisten Geschäfte geschlossen haben. Ein großer Online-Versandhändler ist daher momentan leider die einzige Alternative.

Wir sind auch noch auf der Suche nach einer Möglichkeit diese Folien maschinell auf Maß lasern oder schneiden zu lassen, was unsere Arbeit sehr erleichtern würde.

Sie stehen im Kontakt mit den Gesundheitsbehörden? Wie haben die auf die Initiative reagiert?

Wir stehen momentan mit drei Krankenhäuser, einem Altenheim, sowie einige Personen die im Gesundheitsbereich tätig sind in Kontakt. Alle hatten Ihr Interesse an solchen Schutzvisieren bekundet. Wir haben am Dienstag auch Kontakt mit dem Gesundheitsministerium aufgenommen, das uns, soweit Bedarf besteht, kontaktieren will. Grundsätzlich stößt die Aktion also auf offene Ohren und wird dankbar angenommen.

Wie viele solcher Masken könnte man mit einem gewöhnlichen 3D-Drucker pro Tag herstellen?

Das hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen von der Zeit, die man selbst aufbringen kann, aber auch von dem zu druckenden Modell und der Kapazität des Druckers. Das kleine, simple Modell benötigt je nach Drucker zwischen 35 und 60 Minuten. Das komplexeres "Prusa"-Modell benötigt da schon über zwei Stunden.

Was kostet so eine Maske in dem Fall?

Die reinen Materialkosten (3D-Filament, transparente Folie, elastisches Band) liegen beim Prusa-Modell grob geschätzt zwischen 1,30 und zwei Euro. Wir haben das Glück, dass wir das benötigte 3D-Filamen zu günstigen Preisen von Lux 3D Tech beziehen können. Jedoch möchte ich betonen, dass wir diese Masken kostenlos anbieten und alle Beteiligten dies mit Ihren eigenen finanziellen Mitteln stemmen.

In Italien gab es den Fall, dass ein kleines Unternehmen ein dringend benötigtes Ersatzteil für Respiratoren nachgedruckt hat, aber dann leider Probleme wegen des Urheberrechts bekam. Fürchten sie nicht, dass Ihnen etwas Ähnliches passieren könnte?

Wir finden es persönlich sehr Schade, dass eine Firma in einer solchen Situation nur auf den eigenen Profit aus ist. Vor allem wenn man bedenkt, dass sie die Nachfrage nicht ansatzweise befriedigen können. Das ist in meinen Augen grob fahrlässig und setzt nur unnötig Menschenleben aufs Spiel.


TOPSHOT - Hand made face masks are seen on a table at the workshop of a garment hand-out point at the University hospital (Uniklinikum) in Essen on March 18, 2020, western Germany. - German leaders urged citizens to stay home, as the government announced unprecedented nationwide measures to radically scale back public life in order to slow the spread of the coronavirus. (Photo by Ina FASSBENDER / AFP)
Corona: Helden brauchen Masken
Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch: Spanische Näherinnen, Kleinbetriebe, Großkonzerne versuchen dem Mangel an Schutzausrüstung in der Covid-19-Krise zu begegnen.

Bei uns sieht die Sache etwas anders aus. Das simple Modell kommt von der schwedischen Firma "3DVerkstan Nordic AB2", das komplexere von Josef Prusa. Wir arbeiten also mit zwei verschiedenen Modellen, deren Konstruktionsangaben genau zu diesem Zweck veröffentlicht wurden. Josef Prusa z.B. hat gesagt, dass er es begrüßen würde, wenn man diese Masken an Personen und Institutionen spenden würde, die sie dringend benötigen. Der Verkauf sei ebenfalls erlaubt, um die Produktionskosten zu decken.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Covid-19: Verloren im Statistik-Dschungel
Viele Menschen starren derzeit wie gebannt auf die neuesten Covid-19-Zahlen. Das LW hat mit dem Epidemiologen Joël Mossong über Sinn und Unsinn solcher Daten gesprochen.
Corona: Helden brauchen Masken
Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch: Spanische Näherinnen, Kleinbetriebe, Großkonzerne versuchen dem Mangel an Schutzausrüstung in der Covid-19-Krise zu begegnen.
TOPSHOT - Hand made face masks are seen on a table at the workshop of a garment hand-out point at the University hospital (Uniklinikum) in Essen on March 18, 2020, western Germany. - German leaders urged citizens to stay home, as the government announced unprecedented nationwide measures to radically scale back public life in order to slow the spread of the coronavirus. (Photo by Ina FASSBENDER / AFP)
Alles zum Corona-Virus
Das neuartige Corona-Virus grassiert. Wir haben alle Artikel dazu in einem Dossier zusammengefasst.
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.