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Luxemburger in algerischem Gefängnis: Seit 21 Tagen im Hungerstreik
Lokales 2 Min. 31.05.2015 Aus unserem online-Archiv

Luxemburger in algerischem Gefängnis: Seit 21 Tagen im Hungerstreik

Auch an der Autobahn Arlon-Luxemburg wird zur Solidarität mit Medjdoub Chani aufgerufen.

Luxemburger in algerischem Gefängnis: Seit 21 Tagen im Hungerstreik

Auch an der Autobahn Arlon-Luxemburg wird zur Solidarität mit Medjdoub Chani aufgerufen.
(FOTO: Familie Chani)
Lokales 2 Min. 31.05.2015 Aus unserem online-Archiv

Luxemburger in algerischem Gefängnis: Seit 21 Tagen im Hungerstreik

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Vor drei Wochen ist Medjdoub Chani in einem algerischen Gefängnis in den Hungerstreik getreten. Nun fordern seine Unterstützer, dass Luxemburg gegen die Menschenrechtsverletzungen, denen der 63-Jährige ausgesetzt sei, vorgeht.

„Mein Mann wurde gefoltert und gezwungen ein Geständnis zu unterzeichnen“, sagte Margy Chani-Pesch dem „Luxemburger Wort“ Mitte April. Das war vor dem „algerischem Jahrhundertprozess“ um Korruption, Machtmachtmissbrauch und Einflussnahme beim Bau der größten Autobahn Afrikas. Der Bau der 1 216 Kilometer langen an der Nordküste Algeriens entlang führenden ,„Autoroute Est-Ouest“ bricht aber auch andere Rekorde: Sie kostete mehr als 12 Milliarden Euro. 

Medjdoub Chani, ein Finanzberater und Treuhänder mit der doppelten luxemburgischen und algerischen Staatsbürgerschaft, war seit 2006 als Vermittler für das chinesische Konsortium CITI-CRCC tätig, das den Zuschlag für das Bauprojekt erhalten hatte. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft wurden beim Bau der Schnellstraße insgesamt 864 Millionen Euro an Schmiergeldern gezahlt. Chani soll dabei eine zentrale Rolle gespielt haben. Seine Familie sieht das anders: „Er hat diese Aufgabe erst übernommen, als die Verträge längst ausgehandelt und abgeschlossen waren“, sagt Margy Chani-Pesch. 

„Eine politische Abrechnung“

Chanis Familie und Verteidiger sehen die Affäre als politische Abrechnung zwischen rivalisierenden Clans innerhalb des algerischen Machtapparats. Chani sei lediglich ein Sündenbock. 


„Autoroute Est-Ouest“: 1.216 Kilometer Asphalt für 13 Milliarden Dollar.
Luxemburger vor algerischem Gericht: Gefährliche Seilschaften
Er ist schwer einzuschätzen, der Strafprozess, der am Sonntag in der algerischen Hauptstadt beginnt. Angeklagt sind 19 Männer, darunter auch ein 63-jähriger Luxemburger Geschäftsmann mit algerischen Wurzeln, Majdoub Chani.

Nach dem 17. September 2009 sollte Medjdoub Chani die Rechnung dafür bezahlen. An diesem Tag wollte er seiner im Sterben liegenden Mutter einen letzten Besuch abstatten. Doch dazu kam es nicht mehr: Am Flughafen von Alger wurde er von Mitarbeitern des algerischen Geheimdiensts „Département du renseignement et de la sécurité“ in Empfang genommen. 21 Tage lang verlor sich seine Spur, dann wurde er spätnachts einem Untersuchungsrichter vorgeführt und inhaftiert. 

"Eine Kapuze über den Kopf, dann geschlagen"

Margy Chani-Pesch zufolge wurde er in diesen Tagen an einem geheimen Ort gefangen gehalten und gefoltert: „Sie haben ihn gehindert zu schlafen, er durfte sich nicht waschen, war in Lumpen gekleidet und bekam fast nichts zu essen. Er hat in den drei Wochen zwölf Kilo abgenommen“, erzählt sie. Eine Kapuze habe man ihrem Mann über den Kopf gezogen. Geschlagen habe man ihn, sagt sie. Immer wieder, bis er das Geständnis unterzeichnet habe, das seine Häscher ihm ständig diktierten.


Schwieriger Prozess: Die Frage der Menschenrechte bleibt auch im heutigen Algerien ein heikles Thema.⋌ (FOTO: REUTERS)
Luxemburger vor algerischem Gericht: Eklat bei Chani-Prozess
Zu einem Eklat kam es am Sonntag im Prozess gegen einen Luxemburger Geschäftsmann in Algerien. Die Anwälte des 63-jährigen Hauptangeklagten in einer umfangreichen Korruptionsaffäre legten allesamt ihr Mandat nieder.

Im Prozess, der am 19. April begann, wurden die Foltervorwürfe abgewiesen. Das Gericht entschied die Frage der Rechtmäßigkeit der Beweisführung gemeinsam mit der Schuldfrage im Urteil zu berücksichtigen. Die Anwälte Chanis provozierten daraufhin einen Eklat indem sie ihr Mandat mit dem Verweis auf gravierende Verstöße gegen die Menschenrechte ablegten. Sie nahmen die Verteidigung ihres Mandanten eine Woche später auf Bitte ihres Klienten wieder auf, der den Prozess eigenen Aussagen zufolge nicht auf Kosten der anderen Angeklagten in die Länge ziehen wollte.

Protestkundgebung für Chani in Luxemburg

Freunde, Familie und Unterstützer von Medjdoub Chani haben für heute Mittag 12 Uhr zu einer Protestkundgebung vor der Abgeordnetenkammer aufgerufen. Sie fordern ein sofortiges Einschreiten Luxemburgs und der Europäischen Union bei den algerischen Behörden, damit die Verletzung der Menschenrechte des Luxemburgers aufhörten. „Luxemburg ist voll für das Schicksal von Chani verantwortlich“, schreibt die „Action des chrétiens pour l'abolition de la torture“ in einer Mitteilung. Das Großherzogtum müsse seine Staatsbürger vor Menschenrechtsverletzungen schützen und zumindest eine konsularische Unterstützung oder diplomatischen Schutz angesichts der Verweigerung der algerischen Justiz, zu den Foltervorwürfen zu ermitteln, gewährleisten, heißt es.


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