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Luxemburger Abwasserpolitik: "Hotspots sind Altersheime und Krankenhäuser"
Lokales 2 Min. 05.01.2015

Luxemburger Abwasserpolitik: "Hotspots sind Altersheime und Krankenhäuser"

Luxemburg muss zur Zeit hohe Strafgelder bezahlen, weil verschiedene Kläranlagen nicht den EU-Normen entsprechen.

Luxemburger Abwasserpolitik: "Hotspots sind Altersheime und Krankenhäuser"

Luxemburg muss zur Zeit hohe Strafgelder bezahlen, weil verschiedene Kläranlagen nicht den EU-Normen entsprechen.
Guy Wolff
Lokales 2 Min. 05.01.2015

Luxemburger Abwasserpolitik: "Hotspots sind Altersheime und Krankenhäuser"

Die Kläranlagen sind veraltet, natürliche Gewässer verschmutzt. Joachim Hansen, Professor an der Uni Luxemburg, sieht zudem eine weitere Herausforderung für die Abwasserpolitik: Rückstände von Medikamenten.

(jag) - Joachim Hansen ist Professor in „Hydraulic Engineering“ an der Universität Luxemburg und Leiter einer ganzen Reihe von Studien über die Wasserwirtschaft in Luxemburg. Der Experte sieht Luxemburg trotz des Rückstandes auf einem guten Weg.

Professor Hansen, wie sehen Sie die Abwasserproblematik in Luxemburg?

Ein Problem hat Luxemburg vor allem mit den Nährstoffen. Phosphor und Stickstoff werden massiv von der Landwirtschaft in den Wasserkreislauf eingebracht. Viele Kläranlagen wurden anders als in Deutschland nicht auf den neuesten Stand aufgerüstet. Allgemein ist Luxemburg auf einem guten Weg, es fehlt auch nicht an technischer Kompetenz, mit dem Wasserwirtschaftsamt und den Abwassersyndikaten hat man kompetente Partner. Auch die Subventionspolitik und die Zuständigkeit der Gemeinden kann ich nur begrüßen, Verursacher und Dienstleister bleiben dabei in geografischer und administrativer Nähe zueinander.

Wo liegen denn die Probleme?

Es scheint in der Vergangenheit eher strukturelle, 
organisatorische Defizite gegeben zu haben. Auch 
die Gesetzgebung könnte verbessert werden. Nehmen wir zum Beispiel die Abwasserabgabe, die diejenigen bestraft, die besonders hoch belastetes Wasser abgeben. Diese Abgaben sollten in den Gewässerschutz zurückfließen. Dies würde auch dazu führen, dass zusätzlich in Kläranlagen investiert werden 
würde.

Während Luxemburg den Rückstand aufholt, sehen Sie aber schon neue Gefahren?

In der Tat. Rückstände von Medikamenten, Hormone und Nanopartikel sind die neuen Herausforderungen. Wie groß die Belastung in luxemburgischen Gewässern wirklich ist, weiß zurzeit noch niemand. Es laufen diverse Forschungsprojekte, ich 
gehe aber davon aus, dass die Problematik ähnlich gelagert ist wie in den Nachbarländern. Nanopartikel beispielsweise werden mittlerweile in Schuhpflegemittel, Sonnencremes und Deos eingesetzt. Welchen Effekt sie auf die empfindlichen Kleinstlebewesen beim Klärprozess haben, ist noch nicht bekannt. Auf jeden Fall sind dafür weitere Klärstufen notwendig. Am besten sollte man deshalb das Vorsorgeprinzip anwenden und die Verschmutzung bereits an der Quelle verhindern.

Wie kann das in der Praxis geschehen?

Hotspots der chemischen Verunreigungen mit sogenannten Spurenstoffen sind Altersheime und Krankenhäuser, in denen Medikamente und andere chemische Stoffe in großer Menge verwendet werden. Vorwiegend sollte hier auf das Vorsorgeprinzip gesetzt werden. Zur Verschmutzung soll es also gar nicht erst kommen, respektive das Wasser wird an Ort und Stelle gesäubert. Die Kläranlagen in Luxemburg können diese Belastungen im Augenblick noch gar nicht aus dem Abwasser eliminieren. Dafür sind zusätzliche Klärstufen notwendig. Zusammen mit den Forschungsabteilungen der CRP's soll in näherer Zukunft an einem Strategiepapier gearbeitet werden um herauszufinden, wo solche zusätzlichen Stufen Sinn machen.

Das Interview ist Bestandteil eines "Fokus"-Schwerpunks mit dem Thema Kläranlagen in der heutigen Ausgabe des "Luxemburger Wort".


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